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EuroTier 2014: Trends in der Schweinehaltung

© landpixel
von , am
30.09.2014

Hannover - Auf der EuroTier 2014 werden neue Trends in den Haltungs- und Fütterungsfragen für die einzelnen Produktionsabschnitte gezeigt. Hier sind einige aus dem Bereich Schweinehaltung.

Bei der EuroTier 2014 in Hannover gibt es die aktuellen Trends in der Schweinehaltung zu sehen. © DLG Archiv
Christian Meyer von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, LVZ Futterkamp nahm für die DLG im Vorfeld einige Trends in der Schweinehaltung unter die Lupe.

Beim Eingliederungs-Zuchtläuferstall wird laut Herrn Meyer mehr auf die Haltungsform geachtet, die die Zuchttiere in weiteren Stallbereichen durchlaufen - nach dem Motto "Stressfrei umstallen". Für jedes Zuchttier wird ein Fressplatz eingeplant - das ist die Idealvorstellung. Auf der EuroTier sind Flüssig- sowie auch Trockenfütterungsanlagen ausgestellt, die diese Technik beherrschen. Abrufstationen werden extra für Zuchtläufer und Jungsauen in kleineren Versionen angeboten, Trends sind Anlernstationen mit entsprechenden Computerprogrammen.
 
Im Deckzentrum ist der klassische Sauenstand nicht wegzudiskutieren, neue Modelle sind auf der EuroTier zu sehen. Die Sauen in der Gruppe zu besamen, ist kaum möglich, denn die Sauen sind in den Altersstufen und Körperkonditionen zu unterschiedlich. Viele Sauenstände bieten noch mehr Beinfreiheit, um leichteres Ablegen und Aufstehen zu gewähren.
 
In den Deck-Wartestallungen werden für die Sauen Fressliegebuchten angeboten. Die Ein- bzw. Ausgangstüren müssen einzeln per Hand bedient werden können. Die Sauen-Abrufstationen werden immer ausgereifter und besitzen vermehrt die Fähigkeiten, Sauen nach individuellen Maßnahmen zu korrigieren, wie z. B. in der Futtermenge aber auch in der Futtergestaltung. Zusätzlich kommen Ort-Findungssysteme über Ohrmarken auf den Markt, damit die erschwerte Suche nach dem bestimmten Einzeltier erleichtert werden kann. Die Aktivitäten der Sauen sind leichter festzustellen, und eine schnellere und bessere Kontrolle ist zu erwarten.

"Neue" Abferkelbucht: Zwiespalt zwischen Sauenhaltung und Abferkelung

Die Firma Schippers erhielt für ihre transportablen "HyCare"-Buchten für den Abferkelbereich und die Ferkelaufzucht eine DLG-Goldmedaille. © DLG
Bei der "neuen Abferkelbucht" wird in zwei unterschiedlichen Systemen gedacht. Das erste System ist die Abferkelbucht mit Bewegung, in welcher die Sau bis zum Abferkeln frei laufen kann. Zum Abferkeln und noch rund eine Woche nach dem Abferkeln wird die Sau dann im Ferkelschutzkorb fixiert. Die unmittelbaren Ferkelverluste werden ab der zweiten Lebenswoche nicht höher als in der konventionellen Abferkelbucht.
 
Der zweite Typ ist die Abferkelbucht mit Freilauf, was bedeutet, dass die Sau zu keiner Zeit in der Abferkelbucht im Ferkelschutzkorb fixiert wird. Nur bei begründeten Ausnahmefällen, wie beispielsweise bei Gefahr für den Menschen, darf die Sau festgesetzt werden. Diese Buchten haben sich in der Praxis noch nicht durchgesetzt, in vielen Untersuchungen liegen die Ferkelverluste noch über 10 Prozent höher als in der konventionellen Abferkelbucht. Bei beiden Buchtensystemen ist nicht nur mehr Arbeitsschutz gefordert, sondern auch ein höherer Arbeitsaufwand (Sau-/Ferkelversorgung, Tierkontrolle, Buchtenhygiene usw.) erforderlich.
 
In diesen Abferkelbuchten ist das Augenmerk viel mehr auf das Muttertier als auf die Ferkel gesetzt. Diese Buchten müssen in den Abmaßen größer sein, damit die Sau ein Umdrehen (Längsachse) ohne Schwierigkeiten für sich selbst oder für die Ferkel einhalten kann. Ist dieses nicht möglich, können schnell Fundamentprobleme auftreten. Die Gedankengänge hinsichtlich einer optimalen Abferkelbucht sind wichtig, aber teilweise widersprüchlich, da sie nur für "einen Part" positive Auswirkungen darstellt: Es entsteht ein Zwiespalt zwischen gedachter besserer Sauenhaltung im Abferkelbereich und Ferkelverlusten auf der anderen Seite. Allerding ist es auch schwer, dieses als "Nicht-Sauenhalter" zu erkennen und dann die gewünschte Abferkelbucht zu fordern.

Ferkelaufzucht

Die Ferkelaufzucht ist mit eine der empfindlichsten Phasen im Leben eines Schweines. Die DLG und die Bauförderung Landwirtschaft (BFL) präsentieren auf der kommenden EuroTier das Special "Innovative Ferkelaufzucht". Einige Beispiele zur Haltung der Ferkel im Ferkelaufzuchtstall: Bleiben die Ferkel bis zu einem Gewicht von 30 kg im Aufzuchtstall, kann auch ein vollflächiger schwerer Kunststoffboden verlegt werden. Sollen die Ausstallungsgewichte weit über 30 kg sein, muss immer ein Kombinationsboden mit Beton gewählt werden.
 
Buchten mit sogenannten Klimadeckeln sollten immer eine Bodenerwärmung oder Strahlungswärme unter dem Deckel aufweisen. In den Ecken und Randgebieten kann dann ein höherer Schlitzanteil als in der Liegefläche gewählt werden. Bei Betonfestflächen unter der Ferkelabdeckung sollten Bodenerwärmungen eingesetzt werden. Vor der Festfläche kommen dann vollflächig Kunststoffroste oder Betonspalten und davor Stahlböden zum Einsatz, um die hohe Kotdurchlässigkeit zu erreichen. Diese Buchten sollten immer schmal und tief sein, um einer Verschmutzung vorzubeugen. (Verhältnis 1: 2 bis 2,5)

Mastscheinhaltung und Lüftung

In der Mastschweinehaltung bleibt der Trend bei der Vollspaltenlösung, aber nur bis zu 15 Prozent Schlitzanteil. Betonspalten, die eine besondere Güte gegen Säurefraß und ihre Maßgenauigkeit behalten, stehen hier im Vordergrund. Stabile Stalleinrichtungen, die keine versteckten Schmutzecken aufweisen, können auf der EuroTier begutachtet werden. Die Groß- und Kleingruppen sind händelbar.
 
Lüftung: Immer mehr Feinabstufungen in den Klimakomponenten der Zu- und Abluft werden auf dem Markt angeboten. Dies ist auch sehr wichtig, weil die Stallgrößen, aber vor allem die Abteilgrößen, überproportional gestiegen sind. Lufttauscher sind stark im Kommen, um möglichst konstante temperaturgerechte Luftmengen zum Tier zu fördern. Die gefährlichen Tag-/Nachtschwankungen können so ohne extra Heizungsanlagen ausgeglichen werden. Die Abluft-Wärmetauscher bringen zwar keine Kühlung, weisen aber die Leistung in der vorgewärmten Luft auf, die fast ganzjährig in der Ferkelaufzucht und mind. halbjährlich in den anderen Bereichen genutzt werden könnte. Ganz oben auf dem Lüftungs-Wunschzettel der Landwirte ist der Wunsch eines einfachen schnellen Überblicks über alle Dateneinstellungen im Soll- und Istwert. 

EuroTier 2014: Die DLG-Goldmedaillen auf einen Klick

"Swiftflo Goat Rotary", Dairymaster. Anmerkung der DLG-Jury: "Karussellmelkstand für Milchziegen - vereint leistungsgerechtes und ergonomisches Melken von Milchziegen in größeren Herden." © DLG
"PEF-System" von Big Dutchman Pig Equipment GmbH für die Schweinefütterung. Der Monogastriner Schwein kann einige Futterkomponenten nicht verwerten, da entprechende Enzyme in der Verdauung fehlen. Das PEF-System "beschießt" den Silomais, bei einer Einsatzmenge von bis zu 15 Prozent, mit elektrisch pulsierenden Feldern. Die Zelle wird geöffnet und der Zellsaft tritt aus, das Futter wird somit verdaulicher, heißt es in der Begründung der DLG-Expertenkommission. © DLG
"cows and more, was die Kühe uns sagen.", die Tablet-Anwendung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen für bildgesteuertes Herdenmanagement. Verhaltensmerkmale im Stall dokumentieren, digital in den Bereichen Tiersauberkeit, Technopathien und Integumentschäden bonitieren. Die Bewertung erfolgt durch Auswahl des entsprechenden Bildes. Sowohl der Speichervorgang als auch die automatisierte Auswertung erfolgen offline. © DLG
"Melkmaschinenpulsator RotoPuls", von BITEC Engineering. In der Begründung der DLG-Jury heißt es, "der Verlauf der Pulskurve ist programmierbar", dadurch gebe es weniger Lärm. RotoPuls besteht aus drei Hauptkomponenten: zwei Servomotoren, ein Ventilblock, ein Puffertank. Hohe Beschleunigungen zu Beginn der A- und C-Phase sollen die Zitzen zusätzlich entlasten. © DLG
"Porky's Pick Up", Meier-Brakenberg GmbH. Schweinehaltung/Hygiene. Aus der Begründung der DLG-Jury: "Erste selbst fahrende Kadaverkarre für Mastschweine und Sauen. Die zum Teil schweren Tierkadaver können ohne manuellen Eingriff des Anwenders aufgenommen und transportiert werden. [...] Der Tierkörper muss vom Anwender nicht kontaktiert werden und hat beginnend an der Aufnahmestelle bis zum Entsorgungsplatz keinerlei Bodenkontakt." © DLG
"HyCare" Schippers GmbH, Ferkelerzeugung. Stallkonzept für den Abferkelbereich und die Ferkelaufzucht in transportablen Buchten. © DLG
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