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Zucht

Ferkelaufzucht: Ein Wurf, ein Flatdeck, ein Seecontainer

© Grave/dlz primus schwein
von , am
04.03.2015

Dirk Schulz stallt am Tag des Absetzens nicht die Ferkel, sondern die Sau aus. Auch später bleibt der Wurf in einer Gruppe. Eine tragende Rolle bei Schulz Ferkelaufzucht spielt auch ein ausrangierter Seecontainer.

Im umgebauten Seecontainer transportiert Dirk Schulz die Ferkel in den Aufzuchtstall. © Grave
Dirk Schulz geht bei der Ferkelaufzucht neue Wege. Er setzt die Tiere wurfweise ab. So stallt 39-Jährige Landwirt am Tag des Absetzens nicht etwa die Ferkel, sondern die Sauen aus. Der Wurf bleibt vier bis sechs weitere Tage in der Abferkelbucht. "Das Absetzen ist eine schwere Phase für die Ferkel. Sie verlieren ihre Mutter inklusive der Sauenmilch. Das Umstallen würde sie zusätzlich stressen", erklärt Dirk Schulz.
 
Mit etwa 8,5 Kilogramm (kg) transportiert Schulz die Ferkel mit Hilfe eines umgebauten Seecontainers ins Flatdeck. Einen Wurfausgleich gibt es - wenn überhaupt - einige Tage nach der Geburt, denn der Schweinhalter möchte möglichst wenig Ferkel umsetzen. "Kleine Ferkel werden zusammen an eine Sau gelegt, um bessere Chancen zu haben. In einer Abferkelgruppe mit circa 47 Sauen haben wir drei bis fünf Tage nach dem Ferkeln eine oder zwei Ammensauen für zurück bleibende Tiere. Danach wird nicht mehr getauscht", sagt der Sauenhalter.
 
Schulz hält 500 Topigs-20-Sauen und verfügt über 2.300 Ferkelaufzuchtplätze.

Die Fütterung

Ab dem zwölften Lebenstag
  • Zufütterung mit Ferkelfutter II, das 18 Prozent Rohprotein und 13,6 MJ Energie enthält.
Dieses erhalten die Tiere später auch im Flatdeck, bis sie etwa 14 kg wiegen. 
 
Ab dem Absetztag
  • Vier bis fünf Tage lang zusätzlich fünf Prozent Ferkelmilch in das Ferkelfutter II.
So erhält der Darm der Ferkel weiterhin eine Milchkomponente und die Umstellung von der Milch- auf die Stärkeverdauung fällt ihnen leichter. "Zudem ist diese Zufütterung halb so teuer, wie wenn ich einen Prestarter einsetzen würde", erklärt Schulz.
 
Angeboten wird den Ferkeln das Futter in der Abferkelbucht in kleinen Portionen und großen Schalen, die mittig im Ferkelschutzkorb platziert sind. Zusätzlich wird die Temperatur im Abferkelstall nach dem Absetzen auf 24 Grad angehoben und die Wärmelampen werden wieder eingeschaltet. Auf Impfungen und sonstige Behandlungen verzichtet Dirk Schulz in dieser Zeit ganz bewusst.

Umzug in den Aufzuchtstall mit ausrangiertem Seecontainer

Mit 33 Tagen und etwa 8,5 kg Gewicht ziehen die Ferkel in den etwa 100 Meter entfernten Aufzuchtstall um. Hier kommt ein ausrangierter Seecontainer zum Einsatz. In einer ortsansässigen Schmiede wurde eine Achse unter den Container gebaut, um ihn fahren zu können.
 
Die Aufnahme für die Schlepperhydraulik stammt von einer Anhängespritze. Auf diese Weise kann der Container frei pendeln und ist in der Höhe variabel.
 
Er ist von innen außerdem mit einer Güllewanne aus Edelstahl ausgestattet, über der ein Kunstoffboden, ähnlich wie jener im Abferkelstall, montiert ist. Eine Mittelwand, die ebenfalls aus Kunststoff besteht, teilt das Innere des Containers in zwei Hälften mit jeweils acht kleinen Boxen, die einzeln per Schwenktüren abgesperrt werden können. Das Gefährt hat alles in allem etwa 15.000 Euro gekostet.
 
 

16 Würfe ohne Durchmischen umstallen

"Beim Umbau war es mir wichtig, dass der Container so ausgestaltet ist, dass sich immer ein Abferkelabteil mit 16 Würfen auf einmal ohne Durchmischen umstallen lässt", betont Dirk Schulz. Das hat seinen Grund: Das Flatdeck gliedert sich in elf Abteile mit 16 Buchten für je 13 Ferkel. Jeder Wurf hat also seine spezielle Bucht - sowohl im Transportcontainer als auch im Aufzuchtstall.
 
Die kleinen Buchten kommen dem Landwirt hinsichtlich des Arbeitsaufwands zugute, weil das Betreuen der etwa 2.000 Ferkel aufgrund der guten Übersichtlichkeit und der hohen Tiergesundheit morgens und abends jeweils nur 15 Minuten dauert.
 
220 Euro pro Stallplatz
 
Die Kosten pro Stallplatz betrugen 220 Euro (netto). Es entstand ein Mehraufwand für die Buchtentrennwände von je 26 Euro. Demgegenüber stehen jedoch geringere Kosten für das Heizen, sodass der Stallplatz unter dem Strich nicht einmal teurer wurde. Pro Ferkel fallen Energie- und Wasserkosten von 0,64 Euro an.

Ausstallzettel garantieren den Überblick beim Verladen

Um den Überblick zu behalten, welche Ferkelgruppe wohin kommt, fertigt Dirk Schulz Ausstallzettel an. Hier notiert er, in welche Aufzuchtbucht die Tiere einer Abferkelbucht gelangen. Nach dieser Reihenfolge wird dann der Container beladen. Nach der Überfahrt zum Aufzuchtstall wird das Einstallgewicht der Ferkel an der separaten Rampe ermittelt.
 
Nach dem Wiegen werden alle Tiere mit einem Waschmittel eingeschäumt, um Verschmutzungen und Krankheitskeime auf der Haut zu beseitigen. Mitarbeiter Markus Heidemann treibt die Ferkel schließlich in die neue Bucht, während Dirk Schulz die nächste Gruppe vom Container zur Rampe führt. Pro Abteil entsteht dabei ein Zeitaufwand von 45 Minuten für das Umstallen.

Kontinuierliche Futteraufnahme durch bekanntes Futter

Im Aufzuchtstall erwartet die Ferkel das ihnen schon aus der Abferkelbucht bekannte Futter. Daher erfolgt die Futteraufnahme kontinuierlich gut. Die Vorlage erfolgt ad libitum über Trockenautomaten mit jeweils vier Fressplätzen. Direkt daneben sind zwei Tränken installiert. Die Zunahmen liegen hier im Durchschnitt aller Tiere bei 500 Gramm.

Maßnahmen gegen Infektionen und für eine stabile Gesundheit

Vorteile des wurfweisen Absetzens:
  • gutes Wachstum
  • wesentlich bessere Tiergesundheit - nicht nur bei den Ferkeln, sondern auch bei den Sauen
Durch den Transport mit dem Container und das Wechseln von Stallanzügen vermeidet Schulz Reinfektionen der Sauen durch die Ferkel. Dazu tragen auch das konsequente Rein-Raus-Verfahren in allen Bereichen und die drei Resteabteile mit sechs Buchten für jeweils zehn Ferkel bei.
 
Außerdem beginnt Dirk Schulz bei den Fütterungen und Kontrollgängen immer bei den kleineren Tieren und arbeitet sich zu den älteren Ferkeln vor, um auch hier das Verschleppen von Erregern zu vermeiden. Durch all diese Maßnahmen ließ sich auch ein PRRS-Einbruch vor wenigen Jahren zurückdrängen. Die Verlustrate in der Aufzucht liegt aktuell bei 1,2 Prozent, wobei zwei Drittel auf Streptokokken zurückzuführen sind. Der Rest sind gemerzte Tiere oder unklare Todesfälle.

Tiere, die beim Verkauf noch zu klein sind, also weniger als 28 kg wiegen, kommen in die Reserveabteile. Ein Zurückstallen in die Hauptabteile kommt für den Schweinehalter nicht infrage.

Tierarztkosten bei 0,49 Euro je Tier

Die Tierarztkosten belaufen sich bei Dirk Schulz auf lediglich 0,49 Euro pro Tier. In diese Berechnung sind bereits die Kosten für tierärztliche Untersuchungen, Behandlungen von Binnenebern und Antibiotika eingeflossen. "Laut Auswertungen unseres Erzeugerrings liegen die Tierarztkosten spezialisierter Ferkelaufzuchtbetriebe bei 1,08 Euro pro Ferkel", gibt der Landwirt zum Vergleich an.
 
In einem ist sich Dirk Schulz jedenfalls sicher: Ferkel gedeihen am besten und schnellsten in der ihnen vertrauten Gruppe.
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