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Ferkelaufzucht

Ferkeldurchfall: Ursachen erkennen und bekämpfen

Dr. Hendrik Nienhoff/LWK Niedersachsen/Katharina Krenn/agrarheute
am
24.08.2016

Durchfälle bei Ferkeln können hohe Verluste verursachen. Bei Problemen mit Durchfall sollte der Landwirt schnell handeln. So deuten sie die Symptome richtig.

Gerade bei den gestiegenen Wurfgrößen stehen selbst gut geführte Betriebe zum Teil vor Problemen mit Durchfallerkrankungen. Am häufigsten kommt von der Geburt bis zum Absetzen Coliruhr vor. Für die richtige Diagnose und Therapie hat die Land&Forst Redaktion folgende Übersicht zusammengestellt:

E. Colistämme

Bestimmte E.coli-Stämme lösen schwere Durchfälle aus, dazu gehören die Colistämme F4, F5, F6 und F41. Eine Infektion kann erfolgen, wenn maternale Antikörper aus der Biestmilch fehlen, etwa bei Jungsauen, wegen Auftreten von MMA oder wenn um die 3. Lebenswoche herum die maternalen Antikörper „aufgebraucht“ sind. Besonders bei Neugeborenen sind die Verluste sehr hoch (bis 100 %).

Symptome:

  • Gelblicher, wässriger Durchfall
  • Häufig ist der After verschmiert und gerötet.
  • Es kommt zu einer Austrocknung, die Haut sieht waschbrettartig aus.
  • Beim „Dreiwochendurchfall“ zeigt sich ein eher gelblichcremiger Durchfall und die Verluste sind geringer.

Therapie:

  • Zu behandeln sind Coli- Durchfälle mit Antibiotika, die bei Saugferkeln meist oral per Doser gegeben werden.
  • Wegen der verschiedenen Serotypen ist eine Untersuchung frisch erkrankter Ferkel sinnvoll.
  • Ebenso anzuraten ist ein Resistenztest. Er ermöglicht Aussagen zu den wirksamen Antibiotika. Die Ermittlung des Serotyps ist auch wichtig, wenn man impfen will.
  • Es gibt bei den Impfstoffen unterschiedliche Angriffspunkte (Zellwandantigen, Toxin und Fimbrien).
  • Gute Impfstoffe haben mehrere Angriffspunkte.
  • Neben den klassischen Mutterschutzvakzinen gibt es mittlerweile auch Ferkelimpfstoffe, die sich gegen das Shiga-Toxin (Ödemkrankheit) und F4-Coli richten.

Clostridien Typ A

Steigende Bedeutung erlangen seit einigen Jahren Clostridien-Infektionen. Insbesondere bei Clostridien Typ A nimmt der Druck in hiesigen Betrieben zu. Bei den Clostridien-Infektionen unterscheidet man zwischen Typ C, dem klassischen Erreger der nekrotisierenden Enteritis und Typ A. Typ A verursacht ein ähnliches Krankheitsbild mit milderem Verlauf. Mittlerweile ist Typ A in deutlich mehr Betrieben ein Problem als Typ C. Besonders nach antibiotischer Behandlung von Coli kann es zu Problemen kommen.

Symptome:

  • Clostidien produzieren im Darm ein starkes Gift, welches zum Gewebetod der Darmschleimhaut führt.
  • Nur bei Typ C kommt es zu plötzlichen Todesfällen und zu wässrigem braun-rotem blutigen Durchfall.
  • Bei chronischem Verlauf wird schaumig übelriechender grau-gelblicher Durchfall beobachtet.
  • Auftreten können die Krankheitserscheinungen bereits an ersten Tag aber auch noch in der ersten und zweiten Lebenswoche.

Prophylaxe/Therapie:

  • In den betroffenen Beständen ist die Impfung der tragenden Sauen die wichtigste Prophylaxe.
  • Für Clostridium perfringens Typ C stehen verschiedene kommerzielle Impfstoffe zur Verfügung, auch als Kombi-Impfstoffe mit einer Coli-Komponente.
  • Mittlerweile gibt es für Typ A auch Impfstoffe im Handel.
  • Erkrankte Ferkel und gefährdete Würfe können mit Oral-Penicillinen behandelt werden. Einfaches Penicillin ist nicht wirksam.
  • Des Weiteren sind die gleichen therapiebegleitenden Maßnahmen zu ergreifen wie bei der Coliruhr.

Kokzidien-Infektion

Ein weiterer Erreger, der in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat, ist Isospora suis. Der einzellige Parasit gehört zu den Kokzidien. Besonders betroffen sind Betriebe mit Mängeln im Hygienemanagement. Ältere Tiere sind in der Regel Träger des Parasiten und Ausgangspunkt der Infektion für die Saugferkel, sie erkranken aber selbst nicht.

Symptome:

  • Die Isospora-Infektion verursacht bei Ferkeln im Alter zwischen fünf und 15 Tagen häufig Durchfälle, die mit bis zu 20 % Todesfällen einhergehen können.
  • Der Durchfallkot der Ferkel sieht pastös gelblich bis hin zu wässrig gelblich aus.
  • Der Nachweis der Kokzidien-Oozysten im Kot ist schwierig. Zur Bestandsdiagnose sollten von 5 bis 10 % der Würfe Sammelkotproben (4-5 Ferkel) eingeschickt werden.

Therapie:

  • Impfstoffe gibt es nicht.
  • Eine Behandlung der betroffenen und gefährdeten Würfe kann mit Toltazuril über das Maul erfolgen.
  • Es wird am ersten bis dritten Lebenstag verabreicht, um hier bereits frühzeitig die Vermehrung der aufgenommenen Oozysten zu unterbinden.
  • Die Behandlung mit Toltazuril am 1. Lebenstag hat zusätzlichen Einfluss auf die Häufigkeit von Clostridium Typ A-Durchfällen.
  • Die Oozysten halten sich allerdings sehr gut im Abferkelstall, auch nach der Reinigung. Deshalb sind ggf. unbedingt Desinfektionsmittel einzusetzen, die gegen Kokzidien wirken.

Rotavirus-Durchfall

Insbesondere bei Jungsauenwürfen und in neu aufgebauten Herden mit instabiler Immunität kommt es durch Fehlen maternaler Rotavirus-Antikörper im Kolostrum bei den Ferkeln innerhalb der ersten Lebenstage zu Rotavirus-Durchfall. Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen 5 und 20 %.

Symptome:

  • Rotavirus-Durchfall sieht zum Teil bräunlich aus oder wie geronnene Milch mit gelb-flüssigen Beimengungen.
  • Normalerweise kommt es zu einer schnellen Durchseuchung im Bestand.
  • Der Tod tritt in der Regel durch den starken Wasser- und Elektolytverlust ein.

Therapie:

  • Da es keine direkten Behandlungsmöglichkeiten gibt, beschränken sich die therapiebegleitenden Maßnahmen auf die Verabreichung von oralen Rehydratationslösungen.
  • In jüngerer Zeit werden aufgrund fehlender Schweineimpfstoffe Rindervakzine eingesetzt. Die Erfahrungen sind durchaus positiv.
  • Eine Alternative sind stallspezifische Impfstoffe.

PED/TGE-Coronavirus-Infektionen

PED/TGE-Coronavirus-Infektionen machten insbesondere in den USA in den vergangenen Jahren von sich reden. Dort gab es einen regelrechten „Seuchenzug“. In Deutschland sind nur wenige Betriebe betroffen und das klinische Bild ist in der Regel weniger dramatisch.

Symptome:

  • Schlagartiges Auftreten von wässrigem Durchfall der Ferkel mit einer Erkrankungsrate von bis zu 100 %.
  • Das Erbrechen der geronnenen Milch sowie Frieren und Zittern der Ferkel ist typisch.

Therapie:

  • Impfstoffe sind in Europa zur Zeit nicht verfügbar, somit bleibt es bei den begleitenden Maßnahmen.
  • Die Situation wird erst nach der Durchseuchung des Bestandes wieder stabil.
  • In der Therapie sind Sekundärinfekte zu vermeiden und zu behandeln sowie die Milieubedingungen der Ferkel zu optimieren.

Ratgeber: 10 Tipps zum Schweineimpfen

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