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Ferkelkastration: Ausschuss stimmt für Fristverlängerung

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Anke Fritz, agrarheute
am
27.11.2018

Die Mehrheit der Sachverständigen sprach sich gestern für eine Verlängerung der Frist für die betäubungslose Ferkelkastration aus. Der Ernährungsausschuss des Bundestages schließt sich der Haltung der Experten an und stimmte heute (27.11.) für die Verlängerung.

Auf Grundlage des zur Anhörung stehenden Gesetzentwurfes wollen die Koalitionsfraktionen am Donnerstag die Übergangsfrist für das betäubungslose Kastrieren männlicher Ferkel im Alter von unter acht Tagen um zwei Jahre verlängern. Folgende Sachverständige haben ihre Argumente Für und Wider eine Fristverlängerung vorgetragen.
 

Andreas Palzer vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte

Andreas Palzer vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte befürwortete die Verschiebung des Termins. In der dadurch gewonnenen Zeit sei es umso wichtiger, die bestehenden Alternativmethoden in den Betrieben in die Praxis zu überführen und in die Vermarktung zu bringen. Aus Tierärztesicht sei eine rechtskonforme und praktikable Umsetzung des Ausstiegs am wichtigsten, die zu einer wirklichen Verbesserung des Tierschutzes führe.

Bianca Lind vom Bundesverband Rind und Schwein e.V

Bianca Lind vom Bundesverband Rind und Schwein betrachtete ebenfalls die Verlängerung der bereits gewährten fünfjährigen Übergangsfrist für den Ausstieg als notwendig, weil die vergangenen Jahre nicht ausreichend genutzt worden seien, um praktikable Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration auf den Weg zu bringen. Die bisher verfügbaren und zugelassenen Methoden seien derzeit nicht flächendeckend umsetzbar.
 

Michael Marahrens vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung

Der Wissenschaftler Michael Marahrens vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts machte darauf aufmerksam, dass alle in der Diskussion stehenden Alternativen entweder nicht zugelassen seien oder die dafür notwendigen Geräte noch der technischen Anpassung bedürften.

Bei Beachtung der Vorgaben sei auch die Jungebermast eine praktikable Lösung. Marahrens erklärte aber, dass es letzten Endes den Tierhaltern offen stehen müsse, ob sie eine Kastration mithilfe einer Anästhesie durch Injektionsnarkose oder Inhalationsnarkose mit Isofluran durchführen wollten.

Werner Schwarz vom Deutschen Bauernverband

Werner Schwarz vom Deutschen Bauernverband betonte, dass die Landwirte Tiere nicht zum Spaß kastrieren würden. Doch Alternativen wie die Ebermast böten nur die Chance auf eine Vermarktung des Fleisches auf Nischenmärkten. Schwarz befürwortete deshalb die Lokalanästhesie, die er als geeignetes Verfahren einstufte. Aber auch der Narkose mit Isofluran bis hin zu Imagekampagnen für die Immunokastration stehe er offen gegenüber, um möglichen Vorbehalten auf Seiten der Verbraucher vorzubeugen.
 

Andreas Randt vom Tiergesundheitsdienst Bayern

Auch Andreas Randt vom Tiergesundheitsdienst Bayern stellte fest, dass aufgrund fehlender Regelungen in Deutschland und verfügbarer Alternativen der Verzicht auf die betäubungslose Ferkelkastration für viele Ferkelerzeuger unmöglich sei. Daher sei die Fristverschiebung unumgänglich. Randt setzt sich für die Anerkennung des Verfahrens für die bereits zugelassene lokale Betäubung ein.

Die lokale Betäubung würde die höchsten Tierwohlstandards in der Ferkelerzeugung und Schweinemast gewährleisten, ohne den Unternehmen die ökonomischen Grundlagen zu entziehen.

Britta Becke, Landwirtin

Britta Becke erläuterte aus Sicht einer aktiven Landwirtin, dass die Ebermast aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kaum eine Chance habe. Zwar schätzte sie die Methode der Immunokastration als geeignet ein, aber auch in diesem Fall würden die Schlachthöfe entsprechende Tiere ablehnen, weil der Verbraucher solches Fleisch nicht wolle.

Gegenüber dem Einsatz von Isofluran äußerte sie bedenken, denn das Mittel zähle zu den Treibhausgasen und die Verfahren zur Verabreichung an die Ferkel seien technisch nicht ausgereift. Becke äußerte Unverständnis darüber, dass es über die Alternative der Lokalanästhesie noch Diskussionen gebe. Dieses Verfahren sei einfach, sicher und nebenwirkungsfrei. Dass den Ferkeln diese Methode bis jetzt verwehrt bleibe, kritisierte sie.

 

Jens Bülte, Universität Mannheim

Der Sachverständige Jens Bülte vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht der Universität Mannheim goss hingegen Wasser in den Wein der Befürworter einer Verlängerung: Der Entwurf stelle einen gravierenden Eingriff in das Verfassungsrechtsgut Tierschutz dar. Die Begründung, dass eine Kostensteigerung für Agrarunternehmen verhindert und Wettbewerbsnachteile vermieden werden müssten, reiche nicht aus. Die Weiterführung einer Ausnahme für die betäubungslose Kastration um zwei Jahre sei unvertretbar. Die betäubungslose Kastration stelle vermeidbares Tierleid dar und sei somit verfassungswidrig.

Jochen Dettmer, Diplomagraringenieur

Der Einzelsachverständige Jochen Dettmer, Diplomagraringenieur, äußerte massiv Kritik daran, dass eine Lösung des Problems seit so vielen Jahren verschleppt worden sei und nun auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werde. Jede zukünftige Lösung könne nur funktionieren, wenn die Landwirte diese selbst durchführen.

Tierarzt Jan Schepers

Auch der Einzelsachverständige und Tierarzt Jan Schepers bestätigte, dass die Schweinezüchter bereit seien, mehr für den Tierschutz und das Tierwohl zu unternehmen, wenn sie dadurch nicht ihre Konkurrenzfähigkeit verlören. Wichtig sei in dieser Hinsicht, auf EU-Ebene allgemeingültige Regeln zu schaffen, ansonsten werde das Tierleid in das Ausland exportiert. Schepers plädierte für eine finanzielle Entlastung der mittleren und kleinen Betriebe durch die Erlaubnis der Anwendung von Lokalanästhesie durch geschulte Landwirte.

Mit Material von Deutscher Bundestag
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