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Schweineproduktion

Ferkelkastration: BBV plädiert für Lokalanästhesie

Ferkelbetäubung
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Katharina Krenn, agrarheute
am
13.01.2017

Der BBV hält die derzeit gehandelten Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration für nicht praktikabel. Er plädiert für eine andere Methode.

Wie mehrere Gutachten und Verbraucherumfragen zeigen fehlen für das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab Januar 2019 praktikable und akzeptierte Alternativen. Derzeit werden diese drei Methoden als Alternativen zur Kastration ohne Betäubung gehandelt:

  1. Jungebermast
  2. Jungebermast mit Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration)
  3. Kastration unter Inhalations- oder Injektionsnarkose

Lokale Betäubung als praktikable Alternative

Der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Tiergesundheitsdienst Bayern setzen auf eine andere Alternative, die bisher keine Berücksichtigung gefunden hat: Die lokale Betäubung. Dafür ließ der BBV von einem Rechtsanwalt für Veterinärrecht ein Rechtsgutachten erstellen, der darin zu dem Ergebnis kommt, dass eine rechtliche Grundlage für die Methode der Lokalanästhesie zur Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration gegeben ist.

Neue Betäubungsmittel für Nutztiere zulassen

Der Veterinärmediziner Dr. Randt vom bayerischen Tiergesundheitsdienst spricht sich eindeutig gegen die Vollnarkose bei neugeborenen Ferkeln aus. Diese berge erhebliche Risiken und werde auch in der Humanmedizin bei kleinen invasiven Eingriffen wie z.B. in der Zahnmedizin nicht angewendet. Hier werde die örtliche Betäubung bevorzugt. Dies sei seiner Ansicht nach auch in der Nutztiermedizin sinnvoll. Der Vorteil der örtlichen Betäubung sei zudem die lange, postoperative Wirkdauer der Schmerzausschaltung.

Derzeit ist für Schweine nur das veraltete Anästhetikum Procain (Zulassung im Jahr 1905) zugelassen. Es gäbe mittlerweile das weitaus potentere und schneller wirkende Betäubungsmittel Lidocain, welches jedoch bisher nur für Hunde, Katzen und Pferde zugelassen sei. Dieses müsste der Gesetzgeber für die Anwendung bei Nutztieren zulassen. In Schweden wird der Wirkstoff bereits erfolgreich bei der Ferkelkastration eingesetzt.

Gutachten bestätigt Rechtskonformität

Die Zulassung der örtlichen Betäubung als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration ist rechtlich legitim, so das Gutachten des Rechtsanwalts für Veterinärrecht, Dr. Wolfgang Hansen. „Gesetzlich ist nicht unbedingt eine Vollnarkose gefordert. Auch eine örtliche Schmerzausschaltung  ist ausreichend. Dafür ist die Zulassung moderner Lokalanästhetika nötig. Unter diesen Voraussetzungen ist eine örtliche Schmerzausschaltung durch den Landwirt möglich“, sagte Hansen bei der Präsentation seines Gutachtens am Freitag in München.

BBV sieht Bundesagrarminister gefordert

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat Mitte Dezember einen Zwischenbericht über den Stand alternativer Verfahren und Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration veröffentlicht. Darin heißt es: „Sollten sich Ansätze abzeichnen, die den Erfordernissen des Tierschutzes, der Arzneimittelsicherheit und des Verbraucherschutzes Rechnung tragen, ist die Bundesregierung bereit, die Entwicklung solcher Verfahren zu unterstützen.“

Heidl sieht deshalb nun Landwirtschaftsminister Christian Schmidt gefordert: „Nach der Änderung des Tierschutzgesetzes wurden insgesamt 21 Mio. Euro bereitgestellt, um Forschungsprojekte zu fördern und praxistaugliche Alternativen zu finden. Von diesen Mitteln sind noch mehr als 60 Prozent übrig. Was wir jetzt brauchen, sind eine Weiterentwicklung der Verfahren zur örtlichen Betäubung durch den Landwirt und eine Zulassung von wirkungsvollen und bewährten Lokalanästhetika für den Nutztierbereich.“

Das Rechtsgutachten zum Download.

Mit Material von BBV

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