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Kommentar

Ferkelkastration: Nach der Fristverlängerung beginnt die Arbeit

Kastration eines Ferkels
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Wiebke Herrmann, agrarheute
am
06.11.2018

Die große Koalition hat sich auf einen Gesetzesentwurf zur Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration geeinigt. Damit beginnt für Schweinehalter nun die eigentliche Arbeit. Ein Kommentar von agrarheute-Redakteurin Wiebke Herrmann.

Die große Koalition hat sich am vergangenen Freitag auf einen Gesetzesentwurf geeinigt: Die Übergangsfrist für das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration soll um zwei Jahre verlängert werden. Der entsprechende Gesetzesentwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes soll am kommenden Mittwoch (7. November) in das parlamentarische Verfahren eingebracht werden. Damit steht ein neuer Stichtag – der 31. Dezember 2020 – im Raum.

Man kann das Aufatmen der deutschen Ferkelerzeuger förmlich hören. Der Druck, in weniger als zwei Monaten eine praxistaugliche Alternative für die betäubungslose Ferkelkastration vorweisen zu können, wird ihnen mit diesem Beschluss genommen. Die Verlängerung der Übergangsfrist um zwei weitere Jahre ist gut und wichtig – vor allem für kleinere Betriebe. Sie hätte das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab dem 1. Januar 2019 besonders hart getroffen.

Betriebsindividuelle Lösungen aus zugelassenen Alternativen

Lehnen Sie sich jetzt nicht zurück und ruhen Sie sich aus von dem Druck der letzten Zeit. Wir als Landwirte und landwirtschaftliche Branche müssen intensiv an praktikablen Lösungen für das sicher kommende Verbot arbeiten. Der sogenannte Vierte Weg ist dabei bisher nur eine vage Möglichkeit. Setzen Sie sich als Schweinehalter für seine Zulassung ein.

Die einzigen derzeit zugelassenen Alternativen sind: Kastration mit Inhalationsnarkose und Schmerzausschaltung, Immunokastration und Jungebermast. Auch hier gilt: Nutzen Sie als Sauenhalter und auch als Mäster die kommenden zwei Jahre, um für ihren Betrieb die passende Alternative zu finden. Fordern Sie von Markt und Handel, dass alle drei Alternativen gleichwertig bewertet und abgenommen werden. Und das zu akzeptablen Preisen, denn alle Alternativen sind mit Mehrkosten verbunden. Entscheidend ist, dass Landwirte am Ende echte Alternativen haben. Das heißt Lösungen, die zugelassen sind und die auch von der abnehmenden Hand, dem Handel und den Verbrauchern akzeptiert werden. Sollte dies nicht geschehen, werden wir in zwei Jahren wieder vor dem gleichen Problem stehen.

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