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Kommentar

Ferkelkastration: Für den 4. Weg

Ferkel in einem Kastriergerät
am
30.08.2018

Die Zeit rennt: Ab dem 1. Januar 2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration verboten. Ein Kommentar von agrarheute-Redakteur Uwe Bräunig.

Wohl kein Thema erhitzt derzeit die Gemüter so wie das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 1. Januar 2019. Die Zeit rennt – und dem einen oder anderen Schweinehalter förmlich davon. Noch ist unklar, ob der von vielen Seiten, insbesondere von den Landwirten und ihren Interessensverbänden, aber auch von der Schlachtbranche und vielen praktischen Tierärzten geforderte sogenannte vierte Weg ab Anfang nächsten Jahres beschritten werden kann.

Dabei zeigen ein Rechtsgutachten, viele Expertenmeinungen und nicht zuletzt die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern, dass die Lokalanästhesie mit begleitender Schmerzmittelgabe ein gesetzeskonformer und gangbarer Weg ist, um die Ferkelkastration tierschutz- und praxisgerecht durchzuführen.

Praktiker und Tierärzte fordern den 4. Weg

Darauf weist auch der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Walter Heidl, in unserem Interview in der Augustausgabe des agrarheute Magazins, explizit hin. Für ihn unverständlich ist daher die strikte Ablehnung des vierten Wegs seitens der Bundestierärztekammer, für die eine Lokalanästhesie nicht in Laienhand gehört. In einer aktuellen Umfrage unter den bayerischen Ferkelerzeugern und ihren Hoftierärzten sprechen sich beide Gruppen unisono mit einer Mehrheit von weit über 90 Prozent für den vierten Weg aus.

Auch für rund 80 Tierarztpraxen in Niedersachsen beispielsweise stellt die örtliche Betäubung eine echte Alternative dar. Diese breite Zustimmung signalisiert, dass an der Lokalanästhesie kein Weg vorbeiführt. Und gibt es bis Ende 2018 keine umsetzbare Lösung, bleibt eigentlich nur eine Konsequenz: Der Termin muss nach hinten geschoben werden. Frau Klöckner: Jetzt sind Sie am Zug!

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