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Tierwohl

Ferkelkastration: Gesamte Branche fordert "vierten Weg"

Ferkel im Ferkelnest
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
19.04.2018

Politische Entscheidungen im Bereich der Nutztierhaltung hat der Direktor Landwirtschaft der Vion Food Group, Dr. Heinz Schweer, angemahnt. Bei der Agrarfinanztagung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und der Landwirtschaftlichen Rentenbank in Berlin warf Schweer dem Bundeslandwirtschaftsministerium vor, auf wesentliche Fragen bislang keine Antworten zu haben.

Handlungsdruck durch Verbot der betäubungslosen Kastration

Dr. Heinz Schweer

Akuter Handlungsdruck ergibt sich Schweer zufolge aus dem ab 2019 geltenden Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration.

Der Vion-Manager warnte mit Nachdruck vor einem Strukturbruch in der deutschen Ferkelerzeugung, sollte nicht rechtzeitig eine praktikable Lösung zur Verfügung stehen.

Er kritisierte die unklare Haltung des Agrarressorts gegenüber einer Lokalanästhesie durch den Landwirt. Dies sei umso unverständlicher, als sich die gesamte Branche für diesen „vierten Weg“ ausspreche.

Klarheit auch beim Tierwohl-Label schaffen

Weichenstellungen seien auch im Hinblick auf das angekündigte staatliche Tierwohllabel erforderlich. Schweer sieht auch hier offene Fragen im Hinblick auf die Pläne des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Als Vorbild könne seiner Auffassung nach das „Beter Leven“-Konzept dienen, das in den Niederlanden eine hohe Marktdurchdringung erreicht habe. Entscheidend für den Erfolg sei die Vermarktung ganzer Schweine an den Lebensmitteleinzelhandel und die Wurstindustrie.

Fleischsteuer als alternative Finanzierung?

Schließlich müsse die Bundesregierung die generelle Frage beantworten, wie der unausweichliche Umbau der Nutztierhaltung finanziert werden solle. Zwar könne der Markt einen Beitrag leisten, nicht jedoch die investiven Kosten aufbringen. Gefordert sei daher der Staat. Schweer nannte als Alternativen eine Finanzierung aus der Zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sowie eine Fleischsteuer.

Außer Frage steht für den Vion-Direktor, dass die Tierschutzanforderungen und Umweltauflagen zu einem Rückgang der Schweineproduktion in Deutschland führen werden, und zwar vor allem in den Veredlungshochburgen.

Mit Material von Agra-Europe
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