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Praxiserprobung

Ferkelkastration: Injektionsnarkose ist teuerstes Verfahren

Saugferkel im Ferkelnest
am
05.09.2019
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Das MuD-Vorhaben PraxiKaPIK/A untersuchte die Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration in der Praxis.

Die Zeit rennt – Ende nächsten Jahres läuft die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration aus. Höchste Zeit, die Alternativen genauer in der Praxis zu untersuchen. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellte daher im Rahmen einer Tagung das Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD-Vorhaben) PraxiKaPIK/A (Praxiserprobung der chirurgischen Ferkelkastration von Ferkeln unter Betäubung mittels Procain, Isofluran und Ketamin/Azaperon) vor.

In diesem MuD-Vorhaben wurden unter der Leitung der Landwirtschaftskammer NRW die verschiedenen Methoden der Ferkelkastration genauer unter die Lupe genommen. Projektpartner des Vorhabens waren das Johann Heinrich von Thünen-Institut und die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. In dem Projekt wurden auf sechs Praxisbetrieben folgende Betäubungsverfahren für die Ferkelkastration untersucht:

  • die Inhalationsnarkose mit Isofluran
  • die Injektionsnarkose mit Ketamin/Azaperon
  • die Lokalanästhesie mit Procain.

Neben der Wirksamkeit und Handhabung der einzelnen Verfahren wurden auch die Aufwachzeiten der Ferkel und die Anwendersicherheit der Inhalationsnarkose erfasst.

Injektionsnarkose ist teuerstes Verfahren

Vor allem bei der Injektionsnarkose mit Ketamin/Azaperon konnte bei den Ferkeln eine lange Nachschlafphase beobachtet werden. Zum Teil waren die Ferkel erst nach 6 Stunden wieder so fit, dass sie zurück zur Sau in die Bucht gelassen werden konnten. Vor allem diese lange Aufwachphase nach der Kastration verursacht bei der Injektionsnarkose hohe Kosten. Nach der derzeitigen Vorgabe muss der Tierarzt die Jungtiere während dieser Zeit überwachen, was für den Betrieb enorme Kosten verursacht.

Demgegenüber zeigte sich bei der Inhalationsnarkose mit Isofluran eine kürzere Aufwachphase bei den Ferkeln, was auch die Kosten für die Betreuung durch den Tierarzt reduzierte. Zudem konnte die Inhalationsnarkose besser gesteuert werden als die Injektionsnarkose.

Neben den beiden Methoden der Vollnarkose wurde im MuD-Vorhaben auch die Lokalanästhesie mittels Procain untersucht. Sie verursachte zwar auf den Praxisbetrieben die geringsten Kosten, doch die Referenten betonten, dass es für dieses Verfahren derzeit keine gesicherte rechtliche Grundlage gebe.

Inhalationsnarkose entspricht noch nicht dem Arbeitsschutz

In Zusammenarbeit mit der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) wurden bei der Anwendung von Isofluran Arbeitsplatzmessungen durchgeführt. Da es in Deutschland noch keine Grenzwerte für Isofluran am Arbeitsplatz gibt, wurden die gemessenen Werte mit internationalen Vorgaben verglichen. Die meisten Werte überstiegen den weltweit geringsten Grenzwert. Die SVLFG kam zu dem Schluss, dass die Inhalationsgeräte in Bezug auf die Arbeitssicherheit noch verbessert werden müssen, denn in der derzeitigen Ausführung entsprechen sie noch nicht den Anforderungen des Arbeitsschutzes.

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