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Studie

Ferkelkastration: Das sagt der Verbraucher dazu

Ferkelbetäubung
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Katharina Krenn, agrarheute
am
14.10.2016

In einer Studie sollten Verbraucher Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration bewerten – mit interessanten Ergebnissen.

In einer vom QS-Wissenschaftsfonds geförderte Erhebung wurden Verbraucher, die gerne Fleisch essen, nach ihrer Haltung zur Fleischproduktion und zu den Alternativen der Ferkelkastration nach 2019 befragt.

Wenig überraschend bestätigte die Studie, dass Verbraucher für Skandalisierungen der Schweineproduktion empfänglich sind. Interessant war dabei jedoch, dass Vielen die Praxis der Ferkelkastration überhaupt nicht bekannt war, denn die betroffenen Teilnehmer haben sich über eine Geschlechtlichkeit von Ferkeln und deren Folgen keine Gedanken gemacht.

Verbraucher steckt in Gewissenskonflikt

Es zeigte sich zudem, dass die Fleischkonsumenten mit einem unauflöslichen Gewissenskonflikt (Lust auf Fleisch auf der einen und die Belastung, sich an Mitgeschöpfen zu "versündigen" auf der anderen Seite) kämpfen. In den Fokusgruppen und Interviews war regelmäßig ein starker negativer Stimmungsumschwung zu verzeichnen, sobald das Thema Jungeberhaltung und Kastration zum Thema gemacht wurde, heißt es im Studienbericht. Die Reaktionen waren:

  • Die Testpersonen verfielen in betretenes Schweigen, suchten teilweise sofort nach Sündenböcken („Agrarindustrie“).
  • Sie äußerten nach weiterem Nachfragen, dass ihnen das Thema Fleisch verleidet wird, wenn sie sich Gedanken über die Tierhaltung, die genauen Zustände in den Ställen und die Behandlung der Tiere machen.
  • Bei den Testpersonen werden dann sofort Schreckensbilder aufgerufen von dunklen, völlig überfüllten, stinkenden Ställen, in denen die Tiere zusammengepfercht vegetieren müssen.

Ergebnis: Akzeptanz von Ferkelkastration mit Betäubung

Die Studienteilnehmer konnten das Verfahren der Ferkelkastration mit Schmerzausschaltung/Betäubung am ehesten akzeptieren. Sie zogen Vergleiche zur Kastration bzw. tierärztlichen Behandlung ihrer Haustiere.

Dementsprechend sehen die Studienmacher für dieses Verfahren das insgesamt geringste Skandalisierungspotenzial der drei Verfahren.

Ergebnis: Akzeptanz von Ebermast

Der Jungebermast und der damit verbundenen notwendigen Geruchsdetektion brachten die Studienteilnehmer größere Zweifel entgegen. Auch das höhere Aggressionsverhalten der Jungeber stellen sich die befragten Verbraucher furchtbar vor.

Hier ergebe sich daher ein mittleres bis hohes Skandalisierungspotential, obwohl die Vermeidung der schmerzhaften Kastration im Prinzip begrüßt wird.

Ergebnis: Akzeptanz von Immunokastration

Die größte Skepsis äußerten Verbraucher gegenüber der Jungebermast mit Impfung. Unter anderem wurde der Behauptung, dass der Einsatz ohne Rückstände vonstattengeht, nicht geglaubt. “Wenn das Fleisch dann voll mit diesen Impfstoffen ist, dann ist das doch im Prinzip wie Hormonfleisch.“ Hinter dem Einsatz der Pharmapräparate vermuteten manche sogar eine Verschwörung der Industrie.

Fazit: Die Macher der Studie gehen hier vom insgesamt höchsten Skandalisierungspotential der drei verglichenen Verfahren aus.

ISN: Skandalisierungspotential ist gegenwärtig

"Wer nicht einmal ahnt, dass es männliche und weibliche Schweine gibt, der ist natürlich offen für jegliche Stimmungsmache – egal, wie viel Wahrheit dahinter steht. Das Skandalisierungspotenzial ist deshalb allgegenwärtig", stellt der Interessensverband der Schweinehalter ISN zu der Studie fest. 

"Angesichts der Ergebnisse sind jetzt umso mehr der Lebensmitteleinzelhandel und die Fleischverarbeiter gefragt, klare Signale zu setzen, wo die Reise beim Fleisch hingeht – und zwar nicht nur für das Frischfleisch sondern besonders auch bei der verarbeiteten Ware. Anders können die deutschen Schweinehalter dem internationalen Wettbewerb mit ungleichen Gesetzesvorgaben nicht standhalten."

Quelle: ISN

In Bildern: Erfolg im Ferkelstall

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