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Tierschutz

Ferkelkastration: So wirkt das Narkosemittel Isofluran

Ferkel in Narkosegerät
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Katharina Krenn, agrarheute
am
08.01.2018

Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant Isofluran als Narkosemittel bei der Ferkelkastartion zuzulassen. Hier lesen Sie, wie das Inhalationsnarkotikum wirkt und welche Vorteile es bringt.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium will es Sauenhaltern offenbar ermöglichen, das Narkosemittel Isofluran bei der Ferkelkastration einzusetzen. Eine entsprechende Verordnung sei in Arbeit, sagte eine Sprecherin des Ressorts nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur. Man rechne in Kürze mit einer Zulassung für das Mittel in Deutschland.

Isofluran ist eine Alternative zur Injektionsnarkose mit Ketamin oder Azaperon, die mit einem längeren Nachschlaf einhergeht. Das soll beim kurzwirksamen Inhalationsnarkotikum Isofluran anders sein. Allerdings ist die Anwendung bei Schweinen bzw. Ferkeln derzeit nicht zugelassen und darf nur von einem Tierarzt durchgeführt werden. Nach einer entsprechenden Zulassung für Isofluran in Deutschland sollen Landwirte das Mittel mit einem Sachkundenachweis zur Ferkelkastration anwenden dürfen, erklärte die Sprecherin des Agrarministeriums gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Was ist Isofluran?

Isofluran ist ein halogenierter Ether mit beißendem Geruch, der unter Normalbedingungen flüssig, nicht brennbar und chemisch stabil ist.

Wie wirkt Isofluran?

Isoflurannarkosen sind aufgrund der physiko-chemischen Eigenschaften gut steuerbar. Die geringe Löslichkeit des Isoflurans im Blut bedingt einen schnellen Partialdruckausgleich zwischen Inhalationsgemisch und Alveolarraum, Blut und Gehirn. Die Einleitungs- und Aufwachphase sind daher kurz. Die Fähigkeit zu stehen und sich fortzubewegen wird innerhalb von wenigen Minuten nach dem Eingriff wiedererlangt.

Isofluran hat eine hohe Wirkungspotenz, die als minimale alveoläre Konzentration (MAC) angegeben wird. Die MAC ist die Konzentration, bei der 50 % der Patienten nicht mehr mit Abwehrreaktionen auf einen definierten Schmerzreiz reagieren. Die wirksame Schmerzausschaltung während der Kastration erfolgt bei Isofluran durch die induzierte Bewusstlosigkeit.

Wie wird Isofluran verabreicht?

Isofluran muss mithilfe spezieller Verdampfer in den gasförmigen Zustand überführt werden. Mittlerweile werden verschiedene automatische Narkosegeräte, mit denen gleichzeitig zwei oder drei Ferkel narkotisiert werden können, kommerziell angeboten.

Wie hoch sollte die Dosis Isofluran sein?

Laut wissenschaftlicher Literatur sollten die Anflutungszeiten des Isoflurangases beim Ferkel 70 bis 90 Sekunden betragen. Damit lässt sich jedoch nicht bei allen Tieren eine ausreichende Narkosetiefe herbeiführen, so die Aussage des BVL. Mit zunehmender Dauer der Anflutung steigt zwar der Anteil der Tiere, die die erforderliche Narkosetiefe erreichen, es steigt aber auch das allgemeine Narkoserisiko.

Wie wirkt Isofluran postoperativ?

Wegen der kurzen Aufwachphase führt Isofluran nicht zu einer Reduktion des postoperativen Schmerzes. Zur Linderung von nach Abklingen der Bewusstlosigkeit auftretenden Schmerzen sollten zusätzlich Analgetika in der Prämedikation verwendet werden. Isofluran wird kaum metabolisiert und praktisch vollständig über die Lunge abgeatmet. Fluor und Fluorid werden renal eliminiert.

Was sind die Nebenwirkungen von Isofluran?

Die wichtigsten Nebenwirkungen sind dosisabhängige Atemdepression und Hypotension (niedriger Blutdruck). Außerdem soll es in seltenen Fällen bei anfälligen Tieren zur Auslösung einer malignen Hyperthermie, einer Stoffwechselentgleisung in der Skelettmuskulatur.

Nachteilige Auswirkungen auf die Heilung der Kastrationswunde und die spätere Entwicklung der mit Isofluran narkotisierten Ferkel wurden bei einem Vergleich mit konventionell kastrierten Ferkeln nicht festgestellt.

Was gilt es bei der Anwendung zu beachten?

Bei der Anwendung von kommerziellen, automatisierten Narkosegeräten, mit denen zwei, drei oder mehr Ferkel gleichzeitigbetäubt und kastriert werden können, sollte darauf geachtet werden, dass es nicht aufgrund mangelnder Passgenauigkeit der Atemmasken zu unerwünschter Einatmung von Raumluft, Änderung des Isoflurangehalts im Inhalationsgemisch und unkontrollierter Freisetzung von Narkosegas in die Umgebung kommt. Solche Vorfälle gehören vermutlich zu den Gründen, warum die Ferkelkastration unter Isoflurannarkose bei Verwendung automatisierter Narkosegeräte in der wissenschaftlichen Literatur häufig noch als suboptimal bewertet wird.

Mit Material von BVL
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