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Ferkelkastration

Ferkelkastration: Tiere per Injektion oder mit Isofluran betäuben?

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am Donnerstag, 01.09.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

In Praxisbetrieben wurde untersucht, wie sich die beiden Narkoseverfahren im Rahmen der Ferkelkastration auf die Tiefe des Schlafs der Tiere und die betrieblichen Arbeitsabläufe auswirken.

Seit dem 1. Januar 2021 dürfen Ferkel bekanntlich nur noch unter Narkose und einer völligen Schmerzausschaltung kastriert werden. Für die chirurgische Kastration kommen dabei die In- halationsnarkose mittels Isofluran oder die Injektionsnarkose infrage. Beide Verfahren haben sehr differenzierte Wirkzeiten der eingesetzten Präparate, müssen aber bis zum spätestens achten Lebenstag der Ferkel erfolgen.

Bei der Injektionsnarkose muss das Narkosemittel entsprechend der Lebendmasse der Ferkel appliziert werden, was bei der Inhalationsnarkose nur bedingt möglich erscheint. Hier setzt eine Praxisstudie an, die in vier Sauenbetrieben den Zusammenhang zwischen der Lebendmasse der Ferkel und den Zeiten bis zum Einschlafen und dem Aufwachen der Tiere bei beiden Verfahren untersucht hat. Für die Analyse konnten die Daten von über 1.000 männlichen Ferkeln genutzt werden.

Einschlaf- und Aufwachzeiten der Ferkel schwanken erheblich

Die Zeitdauer der Inhalationsnarkose betrug 70 Sekunden und zeigte keine Variation zwischen den Tieren. Anschließend wurden die Ferkel kastriert. Bei der Injektionsnarkose konnten Zeiten von der Injektion bis zum Einschlafen der Tiere von 130 bis zu 370 Sekunden ermittelt werden, was im Durchschnitt einen Wert von 200 Sekunden ergab.

Diese teilweise deutlich schwankenden Einschlafzeiten lassen sich mit der hohen Variation der Lebendmasse der Ferkel erklären. Es stellt sich daher auch die Frage, inwieweit bei der Inhalationsnarkose alle Ferkel eine ausreichende Tiefe der Narkose aufweisen. Ältere Studien haben gezeigt, dass hier lediglich zwei Drittel der Tiere eine ausreichende Narkosetiefe während der Kastration aufwiesen. Vor diesem Hintergrund sollten die Anzeichen der Ferkel genauer beachtet werden.

Die Zeitdauer des Aufwachens der Ferkel variierte bei der Injektionsnarkose von 2 bis zu 250 Minuten (über 4 Stunden). In den beiden Betrieben mit Inhalationsnarkose wurden im Mittel 327 (± 67) beziehungsweise 218 (± 47) Sekunden ermittelt. Die Ferkel in den Betrieben mit Injektionsnarkose be- nötigten bis zum vollständigen Aufwachen im Durchschnitt 12.083 (±1.202) und 9.669 (± 1.263) Sekunden. Über alle Betriebe hinweg zeigte sich, dass die Ferkel mit der höchsten Lebendmasse die kürzeste Zeit beim Aufwachen aufwiesen.

Narkoseverfahren muss zum Betrieb passen

Zwischen den beiden Narkoseverfahren ergeben sich im betrieblichen Management deutliche Unterschiede, insbesondere was die Organisation der Arbeitsabläufe und die Voraussetzungen im Betrieb betrifft. Bei der Injektionsnarkose bleibt der Vorbehalt des Tierarzts erhalten. Daher müssen die Kastrationen meist an einem Tag in der Woche durchgeführt werden, wodurch die Gewichte und das Alter der Ferkel zum Teil deutlich schwanken.

Bei der Inhalationsnarkose kann die Kastration entsprechend dem Alter der Würfe und an mehreren Tagen erfolgen, was aber wieder im betrieblichen Ablauf eingepasst werden muss.

Für den Ferkelerzeuger kommt es bei der Wahl des Narkoseverfahrens letztlich darauf an, dass es in das betriebliche System passt und mit den Arbeitsabläufen vereinbar ist. Für einen optimalen und reibungslosen Ablauf der Kastration lässt sich im Ergebnis der Praxisstudie vor allem für größere Sauenanlagen mit einer stringenten Organisation der Arbeitsabläufe das Verfahren der Injektions- narkose empfehlen.

Mit Material von Prof. Dr. Heiko Scholz und Oliver Sommerfeld, Hochschule Anhalt Bernburg, Dr. Martin Pfützner, Tierärztliche Praxis am Weinberg, Jessen

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