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Ratgeber: Sauenhaltung

Fittere Ferkel durch intradermale Impfung

Dr. Nicole Kemper
am
16.02.2016

Eine intramuskuläre Impfung von Ferkeln ist auch immer mit Risiken verbunden. Eine Alternative stellt die intradermale Immunisierung mittels nadelloser Injektionsgeräte dar. Wissenschaftler untersuchten nun die Auswirkungen der Impfmethode bei Saugferkeln und kamen zu einem positiven Ergebnis.

Wie sich die intradermale, aber auch die intramuskuläre Impfung auf das Verhalten der relativ empfindlichen Saugferkel auswirkt, ist bislang nicht bekannt. Daher wurde am Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover eine Studie durchgeführt, die diese Lücke schließen sollte. Unter Praxisbedingungen wurden intradermal geimpfte Ferkel mit intramuskulär geimpften Tieren verglichen.

In der Versuchsgruppe sind 338 Ferkel am achten Lebenstag intradermal gegen Mykoplasmen geimpft worden. Dabei wird mittels Druckluft unter die Haut "gespritzt". In der Kontrollgruppe wurden 334 Ferkeln intramuskulär ebenfalls am achten Lebenstag nach dem im Betrieb üblichen Vorgehen geimpft.

Impfreaktion am 2. Tag sichtbar

  • Am Tag der Impfung fanden sich bei keinem der Ferkel Auffälligkeiten an der Impfstelle.
  • Am Folgetag zeigten die intradermal geimpften Tiere im Vergleich zu den intramuskulär geimpften Ferkeln deutlich stärkere Hautreaktionen in Form von Schwellungen. Dies weist auf die gewünschte Immunantwort in der Haut hin. Ob bei intramuskulär geimpften Tieren ähnliche Reaktionen im Muskel zu beobachten sind, ließe sich nur durch anatomisch-pathologische Untersuchungen klären.
  • In den folgenden Tagen gingen die Schwellungen bei den intradermal geimpften Tieren kontinuierlich und bis zum siebten Tag nach der Impfung nahezu vollständig zurück.

Intradermale Impfung: Tiere sind fitter

Am Tag der Impfung lagen die intradermal geimpften Ferkel signifikant weniger als die der Kontrollgruppe. Sie liefen öfter und hielten sich häufiger am Gesäuge auf. Am Tag nach der Impfung zeigte sich dieser signifikante Unterschied noch beim Laufen und beim Gesäugeaufenthalt.

Dieses aktivere Verhalten und der häufigere Aufenthalt am Gesäuge deuten nach Angaben der Forscher darauf hin, dass die Ferkel durch die intradermale Impfung weniger Stress haben. Entscheidend für die Tiergesundheit sei dabei, dass vor allem die ausreichende Aufnahme von Milch nicht aufgrund von Schmerzen reduziert wird und die Ferkel nach der Impfung schnell wieder ans Säugen kommen.

Weitere Vorteile des intradermalen Impfens

  • Zeitersparnis: Die intradermale Impfung dauerte in dieser Studie im Durchschnitt elf Sekunden pro Ferkel, gegenüber 17 Sekunden für die intramuskuläre Injektion. 
  • Bessere Hygiene und minimiertes Risiko von Impfabszessen.
  • Zudem ist das Verfahren sehr anwenderfreundlich.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Januar-Ausgabe der dlz primus Schwein.

 

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