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Schwein

Fleischnachfrage von Kaufkraft der Bevölkerung abhängig

von , am
13.01.2010

Die Gewinnsituation der deutschen Landwirtschaft ist entscheidend von der Preisentwicklung auf dem Vieh- und Fleischmarkt abhängig.

© agrar-press

Zum Jahresende 2009 kann festgehalten werden, dass sich die Preise für entscheidende Notierungen für Schlachtrinder und -schweine deutlich unter dem Vorjahresniveau bewegen.

Insbesondere der Schlachtschweinemarkt hat im Jahresverlauf enttäuscht. Die Gründe sind vielschichtig. Zum einen hat die Wirtschaftskrise die Kaufkraft der Verbraucher eingeschränkt. Darunter leidet vor allem der Rotfleischabsatz, insbesondere im Hochpreissegment. Zudem leisten sich die Discounter auf dem Rücken der Erzeuger eine Preisschlacht nach der anderen.

Geflügelsektor macht Druck auf Rinder- und Schweinemarkt

Weiterer Druck entsteht durch den Geflügelsektor, der dem Rind- und Schweinefleisch vermehrt Marktanteile abnimmt. Hinzu kommen Wechselkursnachteile und Probleme beim Export nach Asien und Osteuropa. Die EU-Produktion war im Schweinemarkt in diesem Jahr zwar rückläufig, aber trotz allem stellt Deutschland mit voraussichtlich 56,2 Millionen Schweinen erneut einen Schlachtrekord auf. 2010 wird sich an den hohen Schlachtmengen in Deutschland voraussichtlich wenig ändern. Da mittlerweile zirka sechs Millionen lebende Schlachtschweine primär aus den Niederlanden und Dänemark nach Deutschland importiert werden, könnte die Schlachtung im nächsten Jahr sogar über 57 Millionen Schlachteinheiten ansteigen.

Innerhalb der Europäischen Union wird sich das Schlachtschweineangebot zumindest für das erste Halbjahr 2010 nochmals leicht reduzieren. Die Europäische Union erwartet in den ersten beiden Quartalen einen Produktionsrückgang von einem halben Prozent. Aufgrund dessen hat der EU-Prognoseausschuss verhaltende Preiserwartungen für das erste Halbjahr 2010 in Aussicht gestellt.

Ferkelmarkt: Steigende Preise erwartet

Vor diesem Hintergrund tut sich ebenfalls der Ferkelmarkt relativ schwer. Die saisonalen Schwächen des Herbstes 2009 sind allerdings derzeit schon überschritten. Hier werden für die nächsten Monate steigende Preise erwartet. Gleichwohl muss man auch hier festhalten, dass das Preisniveau des ersten Halbjahres 2010 voraussichtlich unter den Vorjahrespreisen liegen wird. EU-weit liegen die Rindfleischpreise je nach Kategorie zwischen acht Prozent bis zwölf Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das langjährige Mittel der Jahre 2003 bis 2007 wird allerdings zurzeit immer noch aktuell deutlich überschritten. Die Preisentwicklung am Schlachtrindermarkt war nach dem Ausnahmejahr 2008 ebenfalls deutlich gedämpft.

Rinderhaltung deutlich rückläufig

Die Rindviehhaltung ist sowohl innerhalb der Bundesrepublik wie auch in der europäischen Union weiter auf dem Rückzug. Rinderhalter und insbesondere Mutterkuhhalter gaben im letzten Jahr überproportional mit einem Rückgang von 3,1 Prozent bzw. 3,6 Prozent ihre Betriebe auf. Für 2010 ist zu erwarten, dass sowohl innerhalb der EU als auch innerhalb Deutschlands die Rindererzeugung rückläufig sein wird. Aufgrund dessen werden sich die Rindfleischüberschüsse in der Bundesrepublik Deutschland weiter reduzieren. Die Exportquoten werden nachgeben. Die Nachfragen nach Rindfleisch werden insbesondere von der konjunkturellen Lage beeinflusst. Bestenfalls wird sich innerhalb Deutschlands eine Stabilisierung der Rindfleischnachfrage bei etwa 12,2 kg pro Kopf/Jahr ergeben. Aufgrund dieser Gesamtkonstellation wird mit etwa unveränderten Preistendenzen zu rechnen sein.

Fazit: Kaufkraft bestimmt Fleischnachfrage

Die Fleischnachfrage ist entscheiden von der Kaufkraft der Bevölkerung abhängig. Sollte sich europaweit eine stärkere Marktentlastung in Kombination mit einer konjunkturbedingten Nachfragebelebung durchsetzen, sind zum Spätherbst steigende Erzeugerpreise zu erwarten.

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Dr. Albert Hortmann-Scholten
Kom. Leiter Sachgebiet Betriebswirtschaft/Markt
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Oldenburg

 

 

 

 

 

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