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Influenza

FLI: Schweinehaltung Reservoir für neue Grippeviren

Mastschweine in einem Mastabteil im Stall
am Dienstag, 28.07.2020 - 12:54 (1 Kommentar)

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) sieht in der Schweinehaltung ein wichtiges Reservoir für neue Grippeviren. Diese Influenzaviren können auf Menschen übergehen und Pandemien auslösen.

Eine zunehmende Anzahl diverser Influenzaviren kommen auch in hiesigen Schweinehaltungen vor. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) sagt, dass sie wichtige Reservoire bilden. Die Grippeviren können demnach auch teilweise auf den Menschen übergehen und möglicherweise Pandemien auslösen.

Diese Situation könne auch in europäischen Haltungen entstehen, so das Ergebnis einer Studie die das FLI und das Universitätsklinikum Freiburg federführend veranlasst haben. Die Forscher untersuchten dazu 18.000 Einzelproben aus fast 2.500 europäischen, schweinehaltenden Betrieben mit Erkrankungen der Atemwege bei Schweinen.

Eine ähnliche Meldung über eine neue Schweinegrippe mit Pandemie-Potenzial kam erst kürzlich aus China.

Ganzjährig Influenzainfektionen in Schweinebetrieben

Laut des FLI eignen Schweine sich sehr gut für die Vermehrung und Neusortierung von Influenzaviren, die vom Mensch, Schwein oder Vogel stammen. So fand man zum Beispiel den Erreger der letzten menschlichen Grippepandemie Influenza A(H1N1)/2009, umgangssprachlich auch als Schweinegrippe bezeichnet, bereits im Jahr 2009 in der Schweinepopulation Europas.

Dieser Virusstamm habe laut der Studie eine herausragende Bedeutung für das stark anwachsende Repertoire neuartiger Virusvarianten im Schwein.

Die Forscher untersuchten Betriebe mit Schweinen in Deutschland und 16 weiteren europäischen Ländern. Sie fanden in mehr als der Hälfte der Betriebe ganzjährig Infektionen mit dem Influenzavirus.

Maßnahmen: Neuartige Influenzaviren: zoonotisches Potenzial vorhanden

Ein weiteres Ergebnis ist, dass einige Varianten der neuartigen Influenzaviren zoonotisches Potenzial haben, also auch auf den Menschen übergehen können.

Weitere Viren erwiesen sich laut FLI als resistent gegen einen wichtigen Bestandteil der humanen Virenabwehr. Sie hätten damit eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen bereits überwunden.

Virus bekämpfen und Tierwohl erhöhen

Kennt man die aktuelle Infektionslage und verbessert sowohl die Strategien der Bekämpfung als auch die Impfstoffe für Schweine gegen Influenzaviren, könne man wesentlich zu mehr Tierwohl beitragen, so das FLI. Außerdem lassen sich wirtschaftliche Einbußen vermindern.

Ein Rückgang der Viren im Schweinestall würde zudem das Risiko verringern, dass sich eine zoonotische Pandemie entwickelt. Es ist der One-Health-Gedanke, der hier erfolgsversprechend in praktischen Projekten zum gegenseitigen Nutzen von Mensch und Tier umsetzen lasse, gibt das FLI bekannt.

Mehr zum Thema Zoonosen erfahren Sie im agrarheute Magazin August 2020 ab Seite 20.

Mit Material von FLI
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