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Kommentar

Frei Schnauze: Heinrich Rülfing

Heinrich Rülfing
Heinrich Rülfing
am
10.10.2018

Landwirt Heinrich Rülfing aus Rhede (Münsterland) berichtet über seine Sicht der Dinge. Dieses Mal: die staatliche Tierwohlkennzeichnung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle dürfen gespannt sein, worauf sich die Beteiligten bei der staatlichen Tierwohlkennzeichnung einigen. Sicher ist aber, dass sich die Anteile beim Fleisch – zumindest bei der kaufkräftigeren Bevölkerung – in Richtung Tierwohl und Bio verschieben.

Den Startschuss legte die Firma Tönnies: In ihrem Programm „Fair und Gut“ erhalten Schweinehalter festvertraglich gebunden 2 Euro/kg Fleisch. Dazu müssen die Tiere gentechnikfreies Futter erhalten, auf Stroh stehen und einen Auslauf zur Verfügung haben.

Ein weiteres Beispiel ist der Aktivstall für Schweine von Gabriele Mörixmann aus Melle. Aber sie hat selbst erlebt, wie mühsam es ist, Verbraucher dafür zu gewinnen, dauerhaft mehr Geld für Schweinefleisch auszugeben.

Ökoschweine mit Wachstumssprung

Auch die Vermarktung von ökologisch gehaltenen Schweinen hat einen Wachstumssprung hingelegt. Trotzdem machen sie an der Gesamtmenge des verkauften Schweinefleischs erst 1 Prozent aus. Die Nachfrage wäre da. Im Juli sprach ich mit Vertretern, die Discounter und Lebensmitteleinzelhandel beliefern. Sie haben kaum ausreichend Bioware für die zu beliefernden Märkte – erst recht nicht, um neue Märkte zu bedienen.

Der Markt für Tierwohl- und Bioschweine ist also da, auch wenn niemand weiß, wie groß er ist. Ob die Sicherung einer regionalen Versorgung durch regionale Erzeuger Wirklichkeit oder Traum ist? Eine gute Frage, aber ich denke, landwirtschaftliche Betriebe haben die Chance, auf regionale Tierwohl- oder Bioschweine umzusteigen – aber bitte nur mit einer festen Vertragsanbindung!

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