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Frei Schnauze: Nadine Henke zur Bochert-Kommission und dem BÖLW

Nadine Henke
am Montag, 08.03.2021 - 05:00 (1 Kommentar)

Nadine Henke ist Tierärztin und bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Heinrich einen Sauenbetrieb in Bruchhausen-Vilsen. In unserer monatlichen Kolumne Frei Schnauze berichtet sie über ihre Sicht der Dinge. Dieses Mal geht es um die Drohung des BÖLW aus der Borchert-Kommission auszusteigen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, nun dauert es nicht mehr lange und die Tierwohlkennzeichenverordnung wird verabschiedet. Zusammen mit den Zielvorgaben des Plans, den die Borchert-Kommission erarbeitet hat, soll sie der Wegpfeiler des staatlichen Tierwohlkennzeichens werden.

Während die verschiedensten Stakeholder nun noch versuchen, an den Inhalten der Kriterien für die drei Tierwohlstufen zu schrauben, droht der Bund Ökologische Landwirtschaft (BÖLW) um seinen Vorsitzenden Felix Prinz zu Löwenstein aus der Borchert-Kommission auszusteigen. Nachdem sich damals der Tierschutzbund wie ein trotziges Kind von der Initiative Tierwohl verabschiedet hat, ist es nun der BÖLW, der seinen Willen nicht bekommt und den Trotzkopf spielt.

Borchert-Kommission: Wenn es nicht mehr um die Sache geht

Jahrelang hat der Verband dem Verbraucher mantra-artig weiß machen wollen, dass nur eine ökologische Tierhaltung höchsten Tierwohlstandards entsprechen kann. Und jetzt kritisiert der BÖLW, dass es eine Tierwohlkennzeichenverordnung geben soll, die den Biostandard weder per se noch exklusiv der Stufe 3 zuordnet. Wie solle man denn zukünftig den Mehrwert von Biotierhaltung kommunizieren, wenn es auch konventionelle Betriebe gäbe, die in Stufe 3 produzieren?

Ein Skandal – oder nicht? Der BÖLW wird nicht müde, die Agrarwende zu fordern. Wenn sich jedoch die Gesellschaft auf den Weg macht und alle Beteiligten an einem Runden Tisch auf Basis von Kompromissen Lösungen erarbeiten, droht der BÖLW mit dem Verlassen der Runde. Das bringt niemanden weiter. Hier sieht man eindeutig, dass es letztlich nicht um die Sache geht, sondern einzig und allein um die eigenen Interessen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich diese Art und Weise äußerst befremdlich finde.

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