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Zucht

Gefährdete Schweinerassen in Deutschland

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Jana Semenow, agrarheute
am
06.02.2018

Die deutsche Schweinezucht beschränkt sich auf wenige Rassen. Doch die Vielfalt ist größer. Hier stellen wir ihnen einige der gefährdeten Schweinerassen vor.

Das Schwein gilt als eines der ältesten Haustiere des Menschen. Über einen Zeitraum von etwa 10.000 Jahren haben Menschen die vielfältigen Eigenschaften der Hausschweine in zunehmendem Maße genutzt.

Heute sind mehr als 90 Prozent der deutschen Schlachtschweine Kreuzungsschweine aus überwiegend drei Schweinerassen: Deutsches Edelschwein, Deutsche Landrasse und Pietrain

    Grund dafür sind die Anforderungen, die der Markt stellt: 

    • gute Fruchtbarkeit
    • hohe Tageszunahmen
    • hohe Futterverwertung
    • hohes Schlachtgewicht
    • hoher Muskelfleischanteil
    • gute Fleischqualität 

    Einen Teil der deutschen Schweinerassen und aktuelle Bestandszahlen stellen wir Ihnen hier vor:

    Bunte Bentheimer

    Das Bentheimer Schwein geht zurück auf das Marschschwein der Landkreise Grafschaft Bentheim, Emsland und Cloppenburg sowie des westfälischen Wettringens, in die verschiedene ausländische Schläge eingekreuzt wurden, unter anderem Berkshire und Cornwall aus England.

    Bunte Bentheimer sind eine Universalrasse, die tägliche Zunahmen von 700 bis 800 Gramm haben und eine durchschnittliche Wurfgröße von zehn Ferkel.

    Verbreitet ist die mittelrahmige Rasse weitgehend in Westdeutschland. 2013 meldete das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung 373 weibliche und 84 männliche Tiere im Zuchtbestand.

    Auf der roten Liste ist die Rasse als Erhaltungspopulation eingestuft, das bedeutet, für diese Rassen müssen spezielle Zuchtprogramme entwickelt, Kryoreserven angelegt und ein Monitoring durchgeführt werden.

    Deutsche Landrasse

    Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Deutsche Landrasse, zunächst bekannt unter dem Namen "Veredeltes Deutsches Landschwein" aus verschiedenen deutschen Landschweinrassen, denen weiße Borsten auf weißer Haut, Schlappohren und großrahmiger Körperbau gemein war, und in die weiße Schweine englischen Typs eingekreuzt wurden. In den 1950er Jahren erfolgte eine Umzüchtung von bis dahin recht fetten Schweinen zu magereren "Fleischschweinen" mit Tieren dänischer Herkunft. Der neue Schweinetyp war jedoch sehr stressanfällig, was zu einer schlechten Fleischqualität führte. Seit den 1980er Jahren wird die Deutsche Landrasse deshalb auf erhöhte Stressresistenz selektiert.

    Die Deutsche Landrasse hat keinen regionalen Schwerpunkt in Deutschland. Sie dient überwiegend als Mutterrasse und hat tägliche Zunahmen von mehr als 900 Gramm. Die Wurfgröße liegt bei zehn Ferkeln.

    Der Bestand dieser Schweinerasse befindet sich derzeit in einem drastischen Rückgang. So ist die Anzahl der in den Züchtervereinigungen registrierten Zuchtsauen von 17.992 Tieren im Jahr 2008 auf 10.075 Tiere im Jahr 2013 zurückgegangen. Der gleichzeitige Anstieg der Schweineproduktion in Deutschland ist auf den vermehrten Einsatz von Hybridsauen der Zuchtunternehmen zurückzuführen. Auf der roten Liste wird die Deutsche Landrasse als Beobachtungspopulation geführt, das bedeutet, es werden Kryoreserven angelegt und ein Monitoring durchgeführt. 

    Deutsches Edelschwein

    Das Deutsche Edelschwein ist aus alten Landschweinen durch Verdrängungskreuzung mit englischen Yorkshire-Ebern Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Es wurde systematisch auf Frühreife und Frohwüchsigkeit selektiert. Es hat ein geringeres Fleischbildungsvermögen als andere in der Fleischproduktion bedeutende Rassen. Allerdings ist es nicht sehr stressanfällig und sehr fruchtbar. Aufgrund der rückläufigen Anzahl der Zuchteber betrug der Bestand an weiblichen Tieren 2013 noch 4.161 und an männlichen 183, die effektive Populationsgröße im Jahr 2013 nur noch 773. Somit wird das Deutsche Edelschwein in die Gefährdungskategorie Beobachtungspopulation eingeordnet.

    Das Deutsche Edelschwein ist ebenfalls überwiegend eine Mutterrasse. Die Tageszunahmen liegen bei 800 bis 900 Gramm, die Wurfgröße bei durchschnittlich elf Ferkeln.

    Deutsche Sattelschweine

    Die in Deutschland gezüchteten Rassen Angler Sattelschwein, Deutsches Sattelschwein, Rotbuntes Husumen Schwein und Schwäbisch-Hällisches Schwein werden heute unter dem Rassenamen "Deutsche Sattelschweine" zusammengefasst. Die Zuchtziele sind für die verschiedenen Sattelschwein- Populationen in Deutschlands nahezu identisch.

    Das in Schleswig-Holstein beheimatete Angler Sattelschwein war nach der deutschen Wiedervereinigung bis auf wenige Sauen und einen Eber ausgestorben. Aus rot-weiß-roten Farbschlägen der Angler Sattelschweine wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Rotbunte Husumer Schwein herausgezüchtet. Um 1916/17 wurden die Tiere als Variante der Angler Sattelschweine populär und 1954 als eigenständige Rasse anerkannt. Auf Empfehlung des Fachbeirates Tiergenetische Ressourcen wird das Rotbunte Husumer Schwein als Subpopulation der Deutschen Sattelschweine behandelt. Das Deutsche Sattelschwein entstand in der Nachkriegszeit in der DDR aus einer Kreuzung von Angler Sattelschwein und Schwäbisch-Hällischem Landschwein und war anfänglich sehr verbreitet. Schwäbisch-Hällische Schweine sind optisch heller, etwas länger und etwas fleischreicher als die Deutschen Sattelschweine.

    Sattelschweine werden als Mutterrasse geschätzt, die auch unter ungünstigen Bedingungen im Freiland ihre Ferkel aufziehen. Die weidetaugliche und robuste Rasse besitzt eine hohe Fleischqualität. Die Tageszunahmen liegen bei 700 bis 800 Gramm. 2013 betrug der Bestand an Sattelschweinen 600 weibliche und 109 männliche Tiere.

    Leicoma

    Die aus den Ursprungsrassen Deutsche und Niederländische Landrasse, Duroc, Estnische Baconrasse und Deutsches Sattelschwein gezüchtete Schweinerasse erhielt ihren Namen nach den Zuchtbezirken der ehemaligen DDR Leipzig - Cottbus - Magdeburg. Die Rasse dient in Hybridzuchtprogrammen als Mutterrasse. Tägliche Zunahmen von 800 bis 900 Gramm und eine Wurfgröße von elf Ferkeln zeichnen diese Rasse aus.

    Leicoma, die als Erhaltungspopulation in der roten Liste geführt ist, findet man überwiegend in Ostdeutschland. Momantan gibt es 27 weibliche Tiere und einen Eber.

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