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Zucht

Gefährdete Schweinerassen in Deutschland

© agrar-press
von , am
13.12.2014

Die deutsche Schweinezucht beschränkt sich auf wenige Rassen. Doch die Vielfalt ist größer. Hier stellen wir ihnen einige der gefährdeten Schweinerassen vor.

In relativ kleinen Populationen werden alte Rassen züchterisch bearbeitet. © Kerstin Nimmerrichter/pixelio
 
Das Schwein gilt als eines der ältesten Haustiere des Menschen. Über einen Zeitraum von etwa 10.000 Jahren haben Menschen die vielfältigen Eigenschaften der Hausschweine in zunehmendem Maße genutzt.
 
Heute sind mehr als 90 Prozent der deutschen Schlachtschweine Kreuzungsschweine aus überwiegend drei Schweinerassen: Deutsches Edelschwein, Deutsche Landrasse und Pietrain
    Grund dafür sind die Anforderungen, die der Markt stellt: 
    • gute Fruchtbarkeit
    • hohe Tageszunahmen
    • hohe Futterverwertung
    • hohes Schlachtgewicht
    • hoher Muskelfleischanteil
    • gute Fleischqualität 
    Einen Teil der deutschen Schweinerassen und aktuelle Bestandszahlen stellen wir Ihnen hier vor:

    Bunte Bentheimer

    Bentheimer sind robust und langlebig. Außerdem sind sie sehr stressunempfindlich. © Xocolatl/wikipedia
    Das Bentheimer Schwein geht zurück auf das Marschschwein der Landkreise Grafschaft Bentheim, Emsland und Cloppenburg sowie des westfälischen Wettringens, in die verschiedene ausländische Schläge eingekreuzt wurden, unter anderem Berkshire und Cornwall aus England.
     
    Bunte Bentheimer sind eine Universalrasse, die tägliche Zunahmen von 700 bis 800 Gramm haben und eine durchschnittliche Wurfgröße von zehn Ferkel.
    Verbreitet ist die mittelrahmige Rasse weitgehend in Westdeutschland. 2013 meldete das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung 373 weibliche und 84 männliche Tiere im Zuchtbestand. 
     
    Auf der roten Liste ist die Rasse als Erhaltungspopulation eingestuft, das bedeutet, für diese Rassen müssen spezielle Zuchtprogramme entwickelt, Kryoreserven angelegt und ein Monitoring durchgeführt werden.

    Deutsche Landrasse

    Ein typisches Merkmal der Deutschen Landrasse sind die Schlappohren. © Sambraus
    Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Deutsche Landrasse, zunächst bekannt unter dem Namen "Veredeltes Deutsches Landschwein" aus verschiedenen deutschen Landschweinrassen, denen weiße Borsten auf weißer Haut, Schlappohren und großrahmiger Körperbau gemein war, und in die weiße Schweine englischen Typs eingekreuzt wurden. In den 1950er Jahren erfolgte eine Umzüchtung von bis dahin recht fetten Schweinen zu magereren "Fleischschweinen" mit Tieren dänischer Herkunft. Der neue Schweinetyp war jedoch sehr stressanfällig, was zu einer schlechten Fleischqualität führte. Seit den 1980er Jahren wird die Deutsche Landrasse deshalb auf erhöhte Stressresistenz selektiert.
     
    Die Deutsche Landrasse hat keinen regionalen Schwerpunkt in Deutschland. Sie dient überwiegend als Mutterrasse und hat tägliche Zunahmen von mehr als 900 Gramm. Die Wurfgröße liegt bei zehn Ferkeln. 
     
    Der Bestand dieser Schweinerasse befindet sich derzeit in einem drastischen Rückgang. So ist die Anzahl der in den Züchtervereinigungen registrierten Zuchtsauen von 17.992 Tieren im Jahr 2008 auf 10.075 Tiere im Jahr 2013 zurückgegangen. Der gleichzeitige Anstieg der Schweineproduktion in Deutschland ist auf den vermehrten Einsatz von Hybridsauen der Zuchtunternehmen zurückzuführen. Auf der roten Liste wird die Deutsche Landrasse als Beobachtungspopulation geführt, das bedeutet, es werden Kryoreserven angelegt und ein Monitoring durchgeführt. 

    Deutsches Edelschwein

    © Sambraus
    Das Deutsche Edelschwein ist aus alten Landschweinen durch Verdrängungskreuzung mit englischen Yorkshire-Ebern Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Es wurde systematisch auf Frühreife und Frohwüchsigkeit selektiert. Es hat ein geringeres Fleischbildungsvermögen als andere in der Fleischproduktion bedeutende Rassen. Allerdings ist es nicht sehr stressanfällig und sehr fruchtbar. Aufgrund der rückläufigen Anzahl der Zuchteber betrug der Bestand an weiblichen Tieren 2013 noch 4.161 und an männlichen 183, die effektive Populationsgröße im Jahr 2013 nur noch 773. Somit wird das Deutsche Edelschwein in die Gefährdungskategorie Beobachtungspopulation eingeordnet.
     
    Das Deutsche Edelschwein ist ebenfalls überwiegend eine Mutterrasse. Die Tageszunahmen liegen bei 800 bis 900 Gramm, die Wurfgröße bei durchschnittlich elf Ferkeln.
     

    Deutsche Sattelschweine

    Das Angler Sattelschwein ist robust und frohwüchsig. Außerdem zeichnet sich die Rasse durch eine hohe Fruchtbarkeit und Milchreichtum aus. © angler-sattelschweine.de
    Die in Deutschland gezüchteten Rassen Angler Sattelschwein, Deutsches Sattelschwein, Rotbuntes Husumen Schwein und Schwäbisch-Hällisches Schwein werden heute unter dem Rassenamen "Deutsche Sattelschweine" zusammengefasst. Die Zuchtziele sind für die verschiedenen Sattelschwein- Populationen in Deutschlands nahezu identisch.
     
    Das in Schleswig-Holstein beheimatete Angler Sattelschwein war nach der deutschen Wiedervereinigung bis auf wenige Sauen und einen Eber ausgestorben. Aus rot-weiß-roten Farbschlägen der Angler Sattelschweine wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Rotbunte Husumer Schwein herausgezüchtet. Um 1916/17 wurden die Tiere als Variante der Angler Sattelschweine populär und 1954 als eigenständige Rasse anerkannt. Auf Empfehlung des Fachbeirates Tiergenetische Ressourcen wird das Rotbunte Husumer Schwein als Subpopulation der Deutschen Sattelschweine behandelt. Das Deutsche Sattelschwein entstand in der Nachkriegszeit in der DDR aus einer Kreuzung von Angler Sattelschwein und Schwäbisch-Hällischem Landschwein und war anfänglich sehr verbreitet. Schwäbisch-Hällische Schweine sind optisch heller, etwas länger und etwas fleischreicher als die Deutschen Sattelschweine.
     
    Sattelschweine werden als Mutterrasse geschätzt, die auch unter ungünstigen Bedingungen im Freiland ihre Ferkel aufziehen. Die weidetaugliche und robuste Rasse besitzt eine hohe Fleischqualität. Die Tageszunahmen liegen bei 700 bis 800 Gramm. 2013 betrug der Bestand an Sattelschweinen 600 weibliche und 109 männliche Tiere.

    Leicoma

    Leicoma ist eine Schweinerasse, die ursprünglich in der DDR gezüchtet wurde. © Leicoma Pig Zucht
    Die aus den Ursprungsrassen Deutsche und Niederländische Landrasse, Duroc, Estnische Baconrasse und Deutsches Sattelschwein gezüchtete Schweinerasse erhielt ihren Namen nach den Zuchtbezirken der ehemaligen DDR Leipzig - Cottbus - Magdeburg. Die Rasse dient in Hybridzuchtprogrammen als Mutterrasse. Tägliche Zunahmen von 800 bis 900 Gramm und eine Wurfgröße von elf Ferkeln zeichnen diese Rasse aus.
     
    Leicoma, die als Erhaltungspopulation in der roten Liste geführt ist, findet man überwiegend in Ostdeutschland. Momantan gibt es 27 weibliche Tiere und einen Eber.

    Schweinemast: 10 Tipps für mehr Tierwohl im Stall

    Tipp 1: Großgruppen bieten folgende Vorteile: Der Platz pro Tier ist derselbe wie in Kleingruppen, aber jedes einzelne Schwein hat mehr Raum zur Verfügung, um sich frei zu bewegen. © Hungerkamp
    Tipp 2: Ein automatisches Filterverfahren kann helfen, die Luft im Stall frisch zu halten. Lüftungsklappen sorgen für frische Luft und ein optimales Stallklima. © Hungerkamp
    Tipp 3: Für einen komfortablen Boden sind Kunststoff-Elemente, die eine hygienische Oberfläche besitzen eine Lösung. Sie sollen robust und leicht zu reinigen sein. © Hungerkamp
    Tipp 4: Kleine Mengen an Sonnenblumenkernhülsenkönnen als Einstreu verwendet werden. Die Mastschweine spielen, suhlen und liegen in der Einstreu. © Hungerkamp
    Tipp 5: Je nach Lebendgewicht trinken die Mastschweine täglich 3 bis 10 Liter Wasser. Um die Zufuhr sicher zu gewährleisten, sollen genügend Tränken im Stall verteilt sein. © Hungerkamp
    Tipp 6: Schweine sind neugierige Tiere und beschäftigen sich gerne. Zur Beschäftigung können bewegliche und veränderbare Materialien im Stall aufgehängt werden. © Hungerkamp
    Tipp 7: Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit bietet das Raufutter - am besten Heu. Zirka 90 Prozent davon wird von den Schweinen aufgefressen. © Hungerkamp
    Tipp 8: Eine Schweinedusche im Stall kann zum Abkühlen oder einfach zum Spielen dienen. Die Schweine lassen sich gerne besprühen. © Hungerkamp
    Tipp 9: Ein einfacher Holzstamm kann den Schweinen als Scheuerbalken dienen. Die Schweine nagen sehr gerne am Holz, vor allem,wenn noch Rinde vorhanden ist. © Hungerkamp
    Tipp 10: Eine Bade- und Suhlmöglichkeit im Stall weckt und befriedigt die neugier der Schweine. Die Schweine baden, spielen und suhlen sich sehr gerne in einer Wanne. © Hungerkamp
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