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Kommentar

Gequirlte Gülle

Schleppschuhtechnik_Grünland
am Mittwoch, 18.11.2020 - 14:03 (3 Kommentare)

Die EU hat den 18. November zum Antibiotikatag ausgerufen. Den feiert Greenpeace mit Schweinegülle.

Alle Jahre wieder lässt Greenpeace Schweinegülle auf antibiotische Rückstände untersuchen. Und jedes Jahr wird auch etwas gefunden. So auch in einer neuen Studie mit dem Titel „Keime auf Abwegen“. Dieses Mal haben die Umweltaktivisten nicht nur die Gülle von Schweinebetrieben untersucht, sondern sich auch auf die Lauer gelegt, um zu ermitteln, wohin die untersuchte Gülle überall hin transportiert wird. Es ist bestimmt kein Zufall, dass just heute der von der EU ausgerufene Antibiotikatag ist. Da kommt eine solche Meldung vom Zeitpunkt her mediengerecht gut platziert. Und sie wird dankbar aufgegriffen.

Das Antibiotika in der Gülle nachzuweisen ist, ist von landwirtschaftlicher Seite eine offene Flanke. Aber eine, an deren Abschluss seit fast 10 Jahren aktiv gearbeitet wird. Mittels des Antibiotikaminimierungsprogramms in Deutschland sank der Einsatz an antibiotischen Mitteln in der Tierhaltung kontinuierlich. Für das letzte Jahr ermittelte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen Rückgang um über 7 Prozent. In den letzten 9 Jahren ist der Verbrauch von 1.706 Tonnen auf 670 Tonnen Wirkstoff gefallen. Das sind fast 61 Prozent weniger!

Was bezweckt Greenpeace mit der Studie?

Nur: Das ist bei Greenpeace natürlich kein Thema. Denn das passt definitiv nicht ins Geschäftsmodell. Viel besser passt aber, dass die untersuchte Gülle auf Flächen weit entfernt der eigentlichen Betriebe ausgebracht wird und damit auch Antibiotikarückstände und antibiotikaresistente Keime verteilt werden. Aussage von Greenpeace: Mit der Schweinegülle würden sowohl multiresistente Keime, die potenziell Infektionen auch beim Menschen auslösen können als auch Antibiotika, die die Ausbildung und Verbreitung dieser Resistenzen mitverantworten, großflächig in der Umwelt verteilt werden. Welche Rolle diese Antibiotika beziehungsweise die resistenten Erreger im Boden tatsächlich spielen, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Eine Studie des Umweltbundesamtes von 2018 zu dem Thema konnte keine validen Daten zu einer Gefährdung liefern.

Den Ökoaktivisten geht es dabei um etwas ganz anderes: Sollten Landwirte durch das Verbringen von Gülle auf tierärmere Standorte eine temporäre Lösung gefunden haben, um die Düngeregeln einzuhalten, dann ist hier der neue Hebel, um öffentlichkeitswirksam dagegen anzugehen.

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