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Fleischexporte

Globale Konkurrenz am Schweinefleischmarkt

Schweinehälften im Kühlraum einer Schlachterei
Wiebke Herrmann, agrarheute
am
23.10.2017

Die Fleischerzeugung weltweit wächst stark und damit auch der Handel mit Schweinefleisch. Die einzelnen Nationen wetteifern dabei um die Absatzmärkte

Die Fleischerzeugung weltweit wächst enorm und damit auch der Handel mit Schweinefleisch. Die steigende Nachfrage nach Schweinfleisch und die hohen Schweinpreise veranlassten die USA, China und Russland dazu, ihre eigene Produktion auszuweiten. Die Auswirkungen dieser Investitionen sind nach Angaben der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschalands e.V. (ISN) auf dem Weltmarkt deutlich zu spüren.

Stärkster Schweinefleischmarkt in Asien

Mehr als 50 Prozent der weltweit gehaltenen Schweine stehen in asiatischen Ställen. Neben China sind die wichtigsten Erzeugerländer Vietnam, die Philippinen und Südkorea. Mit dem starken Wirtschaftswachstum in diesen Ländern in den vergangenen Jahren nahm auch die Nachfrage nach Schweinefleisch deutlich zu. Mit diesem Bedarf konnten die inländischen Produktionen nicht Schritt halten, sodass viele asiatische Länder auf Importe angewiesen sind. China, Hongkong, Japan, Südkorea und die Philippinen importierten im vergangenen Jahr fast 60 Prozent der weltweit gehandelten Schweinefleischmengen.

Strukturwandel in China

Der Schweinefleischbedarf in China war mit fast 3 Mio. t im Jahr 2016 besonders hoch. In diesem Jahr sinken die Importmengen Chinas nach Schätzungen der Marktexperten jedoch auf unter 2 Mio. t. Grund hierfür ist eine gesunkene Nachfrage nach Schweinefleisch sowie die Ausweitung der inländischen Produktion. Im Südosten Chinas wurden kleine Schweinehaltungen und Hinterhofhaltungen staatlich aus Umweltschutz- und Gesundheitsgründen zum Teil vollkommen verboten. Gleichzeitig wurde im Westen Chinas die Schweinehaltung neu aufgebaut.

Nachdem China seit 2015 massive Einschnitte in die nationale Sauenherde erleiden musste und damit auf Importe angewiesen war, wächst die chinesische Produktion seit diesem Jahr wieder. Die biologischen Leistungen der Tiere verbessern sich stetig und auch die Schlachtgewichte steigen in den modernen Produktionsanlagen.

Schweinebestände in den USA auf Rekordhoch

In den USA haben die Schweinehalter – vor allem die großen Integrationen – in die Haltungs- und Schlachtkapazitäten investiert. Die Durchfallerkrankung PED führte im Jahr 2014 zu einem Rückgang der Bestände. Diese Angebotsverknappung hatte zur Folge, dass die Preise enorm stiegen erreichten und Schweinehalter, die vom Virus verschont blieben, Rekordgewinne einfuhren.

Diese Gewinne wurden für den Ausbau der Produktion genutzt: Mit einem Schweinebestand von 73,55 Mio. gehaltenen Tieren hat die USA den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Mit Exportmengen von voraussichtlich 3 Mio. t wird die USA zudem den Abstand zur EU als größter Exporteur verringern können. Aufgrund der sinkenden Nachfrage in China rücken als Zielländer vor allem Mexiko, Südkorea, Hongkong und Japan in den Fokus.

Exporte der EU sind rückläufig

Von Januar bis Juli 2017 lieferte die EU mit 2,1 Mio. t Schweinefleisch rund 11 Prozent weniger in Drittländer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders Deutschland stach mit einem Minus von 23 Prozent negativ heraus. Grund hierfür ist wieder der verminderte Absatz nach China. Dagegen ist Spanien weiter auf Wachstumskurs. Seit April 2016 ist das Land Spitzenreiter in der EU bezogen auf den Schweinebestand. Damit stieß es die ehemalige Nummer eins – Deutschland – vom Thron. Die günstigen Baukosten in Spanien, die geringeren Lohnkosten und die geringeren Umweltauflagen sind der Grund für dieses Wachstum. Das lockt große Investoren an, die Spanien mit der immer noch angeschlagenen Wirtschaft gut gebrauchen kann.

Fazit

Die Marktexperten schließen, dass sich der globale Wettbewerb im nächsten Jahr noch verstärken wird. Die deutschen Exporteure müssen sich dennoch nicht verstecken: Besonders für Teilstücke, die hierzulande nicht gehandelt werden, haben sich die Schlachtunternehmen in Bezug auf Qualität und Lebensmittelsicherheit einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. So bleibt auch bei sinkenden Preisen das Geschäft nach Asien lukrativ, da in Europa Pfötchen, Ohren und Co. nahezu wertlos sind.

Mit Material von schweine.net
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