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Haltungskennzeichnung

Greenpeace: Kritik an Schweinefleisch aus Österreich

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am Donnerstag, 19.05.2022 - 07:23 (2 Kommentare)

Greenpeace behauptet, 90 Prozent des österreichischen Schweinefleisch erreiche nicht die Kriterien der deutschen Haltungsstufe 1. Das österreichische AMA-Marketing widerspricht.

Greenpeace hat untersucht, wie Schweine in Österreich verglichen mit deutschen Schweinen gehalten werden. Laut der Umweltorganisation würden Kunden in deutschen Supermärkten erfahren, aus welcher Haltungsform das Fleisch stammt. Diese transpartente Kennzeichnung wirke und habe in Deutschland zu mehr Tierwohl geführt.

Ganz anders sähe es in Österreich aus: Greenpeace behauptet, dass 90 Prozent des österreichischen Schweinefleischs in Deutschland nicht mehr verkauft werden könne. Der gesetzliche Mindeststandard in Österreich und auch Fleisch mit dem Gütesiegel AMA erfülle nicht die deutschen Tierhaltungs-Mindestkriterien. Etwas Vergleichbares wie die deutsche Haltungsformkennzeichnung habe Österreich nicht.

Greenpeace hat sich deshalb angesehen, wie österreichisches Schweinfleisch im deutschen System abschneiden würde: Das österreichische Biosiegel würde demnach der besten Haltungsstufe 4 entsprechen. Die Tierwohlprogramme der österreichischen Supermärkte würden meist die deutsche Haltungsstufe 3 erfüllen. Die derzeit geltenden österreichischen Mindeststandard würden aber nicht einmal die niedrigste deutsche Haltungsstufe erfüllen.

AMA-Marketing widerspricht Greenpeace-Aussage zu Gütesiegel

Das AMA-Marketing widerspricht diesen Aussagen. Tierhaltung müsse bei Vergleich verschiedener Systeme ganzheitlich betrachtet werden. Aufgrund unterschiedlicher nationaler Anforderungen, zum Beispiel bei bestimmten Gewichtsbereichen, seien direkte Vergleiche einzelner Kriterien irreführend.

Fakt sei laut AMA-Markteting, dass das Gütesiegelprogramm Schweinehaltung in einigen Punkten über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. So sind seit diesem Jahr neue Platzanforderungen für die Schweinehaltung definiert. Demnach muss den Tieren zum Beispiel 10 Prozent mehr Platz (15 Prozent bei Neubauten) zur Verfügung stehen. Im Rahmen eines Stufenplans sind weitere verpflichtende Erhöhungen des Platzangebots in den nächsten Jahren festgelegt.

Ist das Vorgehen von Greenpeace unlauterer Wettbewerb?

Dipl.-Ing. Dr. Johann Schlederer, Geschäftsführer von der Österreichischen Schweinebörse, sagt dazu: „Greenpeace ist kein Mittel zu tief, um es nicht auf dem Weg des Spendensammelns einzusetzen. Dass unterschiedliche Länder unterschiedliche Gesetzgebungen und Marktregulative aufweisen ist logisch und normal, auch unter EU- Bedingungen.

Das primitive Spiel, Vergleichsmerkmale herauszufiltern, die dem Eigennutz dienen, ist eine neue Dimension.“ Dass ein derartiges Vorgehen von demokratisch nicht legitimierten Gruppen inzwischen solche Breitenwirkung erzielen kann, ist laut Schlederer sehr bedenklich. Es gäbe das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das müsse auch hier greifen: „Wir werden das prüfen!“

Österreichisches Gütesiegel bietet jungen Mastschweinen weniger Platz

Greenpeace hingegen führt als Beispiel den Platz pro Mastschwein an. Schweine mit einem Gewicht von 110 kg erhielten im AMA-Gütesiegel seit diesem Jahr erstmals 0,77 m² Platz pro Tier. Das entspreche noch der deutschen Haltungsstufe 1. Allerdings müssen österreichische Schweinehalter ihren Tieren von 50 bis 85 kg nur 0,55 m² pro Tier garantieren – in Deutschland sind es mindestens 0,75 m² pro Tier, so der Umweltorganisation.

Da mindestens 90 Prozent der Schweine in Österreich nach gesetzlichem Mindeststandard oder dem AMA-Gütesiegel gehalten werden, folgert Greenpeace daraus, dass 90 Prozent der österreichischen Schweinehaltung nicht einmal die schlechteste Haltungsstufe 1 in Deutschland erfüllt.

Greenpeace: Dank Haltungskennzeichnung mehr Tierwohl

Die Umweltorganisation führt weiter aus, dass es in Deutschland seit 2019 die Haltungskennzeichnung gibt. Durch diese neu geschaffene Transparenz komme Bewegung in die Fleisch-Branche.

Im Oktober 2020 habe die Haltungsstufe 1 bei Schwein, Rind und Huhn noch mehr als zwei Drittel des Sortiment ausgemacht. Ein Jahr später sei es nur noch rund ein Drittel gewesen. Mit Abstand am stärksten sei die Stufe 2 von 23,4 auf 55,2 Prozent gewachsen. Die Stufe 3 sei von 2,8 auf 3,7 Prozent gewachsen, die Stufe 4 von 4,2 auf 5,9 Prozent.

Das AMA-Marketing nimmt österreichische Verbraucher in Verantwortung

Das AMA-Marketing gibt an, dass eine ähnliche und in ihren Augen dafür notwendige transparente Kennzeichnung gerade in der Finalisierung sei. Um das Ziel von einer Million „Tierwohl-Schweine“ zu erreichen, brauche es aber die Partnerschaft aller Beteiligten - vom Bauern über die Verarbeiter bis zum Handel.

Wenn sich alle Abnehmer von klassischen Verkaufsgeschäften bis hin zur Gemeinschaftsverpflegung dazu verpflichten, mehr Fleisch aus dem Produktionsbereich „BIO und Mehr Tierwohl“ zu kaufen, so das AMA-Marketing, könne es gelingen, dieses Ziel schon vor 2030 zu erreichen.

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