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Aus der Wirtschaft

Gruppenhaltung: Großbritannien erhöht Druck auf EU

von , am
08.01.2013

Bonn - Großbritannien zählt zu den fünf Mitgliedsstaaten, die die Auflagen zur Gruppenhaltung wohl sicher erfüllen. Die EU müsse dringend handeln, um ihre Integrität zu bewahren.

Die Studie über den legalen Hormoneinsatz in der Sauenhaltung ist nach Ansicht vieler Fachleute ein Sturm im Wasserglas. © landpixel
Das Land gehört zu den nur fünf Mitgliedstaaten, die nach den Zahlen, die zuletzt in der belgischen Hauptstadt kursierten, die Auflagen sicher in allen Betrieben erfüllen. Die EU-Kommission hat für den 28. Januar ein Krisengespräch zu diesem Thema angesetzt. Nach einer Schätzung des Verbandes der britischen Schweinehalter (National Pig Association - NPA) werden auf dem Kontinent zu Beginn des neuen Jahres stündlich rund 40.000 Schweine an Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen geliefert, die von Betrieben stammen, welche die Tierschutzauflagen der EU brechen.
 
Die Schweine kämen von Höfen, wo die Sauen weiterhin in Abferkelkäfigen gehalten würden, die seit Jahresanfang illegal seien, so der Verband.

Großbritannien drängt Brüssel zum Handeln

Der Verband appellierte an die britischen Verbraucher, nur heimische Ware zu kaufen, gut erkennbar am Logo des roten Traktors. "Wir haben Brüssel seit mehr als einem Jahr gedrängt, Maßnahmen zu ergreifen, um die Konsumenten vor illegal erzeugtem Schweinefleisch zu schützen", so der NPA-Vorsitzende Richard Lonthorp. Die stete Antwort sei gewesen, dass man bis zum 1. Januar 2013 nichts machen könne; nun sei der Tag gekommen und die EU müsse dringend handeln, um ihre Integrität zu bewahren, betonte Longthorp.
 
Er geht allerdings davon aus, dass die Kommission Ende Januar behaupten wird, das Bild sei nicht so düster wie es die Statistik zuletzt vermuten lasse, weil die Mitgliedstaaten mit Beginn des neuen Jahres gegen Betriebe, die die Auflagen nicht umgesetzt hätten, vorgehen könnten. Aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium verlautete derweil, dass noch keine aktuelleren Zahlen zur Umsetzung der EU-Vorschriften vorlägen. Jetzt müssten die Bundesländer zunächst mit den Kontrollen starten. Erst wenn es ein klares Bild der Situation gebe, werde auch über die möglichen Schritte und Folgen zu sprechen sein, so eine Ressortsprecherin.

"Life"-Übertragung aus dem Abferkelstall

In Deutschland schreibt die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, mit der die EU-Richtlinie umgesetzt wurde, ab 2013 für alle Ställe vor, dass Jungsauen und Sauen im Zeitraum von über vier Wochen nach dem Decken bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin in der Gruppe zu halten sind. Während zum 1. September 2012 erst etwa die Hälfte der Betriebe mit Zuchtsauenhaltung der Gruppenhaltungsvorschrift entsprochen haben soll, wird in Reihen der Landwirtschaft aktuell regional von 80 Prozent bis 90 Prozent gesprochen. Sollte Deutschland die Gruppenhaltung nicht flächendeckend sicherstellen, droht bekanntlich ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission, das im ärgsten Fall mit hohen Geldstrafen enden könnte.
In Schleswig-Holstein geht der Berufsstand bezüglich der Umsetzungsquote von 90 Prozent der Höfe aus. Bei den Nichtumstellern handle es sich um die Landwirte, die die Zuchtsauenhaltung aufgeben würden, hieß es in Rendsburg. Dass die deutschen Landwirte tierschutzrechtliche Belange wie eben auch die Gruppenhaltung ernst nehmen, will der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, mit der digitalen Öffnung seines Stalles belegen. Am Mittwoch (9. Januar) wird Schwarz eine Webcam aus dem Abferkelbereich seines Fraunholzer Sauenstalls online schalten. Ab diesem Zeitpunkt werde das Leben im Abferkelstall Tag und Nacht "life" übertragen, kündigte der Verband an.
 
Aus der Praxis: Sauenhaltung auf dem Betrieb Hahn
 

Auswirkungen auf den Markt im zweiten Quartal

Noch ordentlich Gas bei der Umstellung gaben offenbar die Sauenhalter in Frankreich, wenn man der Schätzung des dortigen Verbandes der Schweineproduzenten (FNP) glaubt. Wie Verbandspräsident Jean-Michel Serres mitteilte, hatten rund 10 Prozent der Betriebe mit Sauen zu Jahresbeginn noch nicht auf Gruppenhaltung umgestellt. Vor vier Monaten hatte dieser Anteil laut Kommissionsangaben noch bei 67 Prozent gelegen. Serres geht davon aus, dass sich die Auswirkungen der Auflagen auf den Schweinemarkt gegen Ende des ersten Halbjahres hin zeigen werden. Genaue Zahlen zur Umstellung gab zwischen den Jahren die niederländische Lebensmittelbehörde (NVWA) bekannt.
 
Laut den Ergebnissen zweimonatiger Kontrollbesuche stellten 84 Prozent der Sauenhalter in den Niederlanden fristgerecht auf die Gruppenhaltung um; neun Prozent befanden sich zum Zeitpunkt der Kontrolle noch in der Umbauphase, und zwei Prozent hinkten wegen Baugenehmigungsproblemen hinterher. Rund fünf Prozent wollten die Sauenhaltung aufgeben.
Nur etwas schlechter stellte sich die Entwicklung in Dänemark dar: Gemäß einer dort vom Veterinäramt durchgeführten anonymen Umfrage hielten 59 Prozent der Höfe ihre Sauen Mitte November in Gruppen; knapp jeder vierte Betrieb gab seinerzeit an, er werde die Umstellung fristgerecht durchführen. Rund sechs Prozent erklärten, sie würden die Auflagen spätestens Ende Juni 2013 erfüllen; sieben Prozent kündigten die Aufgabe der Sauenhaltung an.
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