Login
Mast

Gutes Jahr für Schweinemäster

von , am
01.03.2012

Für Schweinmäster könnte 2012 ein gutes Jahr werden. Die Produktion in der EU geht zurück, die Exporte behaupten ihr hohes Niveau und stützen die Preise.

Wegen steigender Futterkosten und der Einführung der Gruppenhaltung geht die Zahl der Schweine zurück. Das wirkt sich positiv auf die Preise aus. © Mühlhausen/landpixel
Diesen Schluss lassen zumindest die von der EU-Kommission Ende Februar veröffentlichten Länderdaten sowie der kurzfristige Marktausblick der Brüsseler Experten zu.
 
Voraussetzung für den erwarteten Produktions- und Angebotsrückgang in der EU ist ein relativ scharfer Rückgang der Schweinebestände in einigen EU-Ländern. Ausgelöst wurde die Bestandsreduzierung einerseits durch die kräftig gestiegenen Futterkosten, anderseits aber auch durch die mit der Einführung der Gruppenhaltung (2013) bei Sauen verbundenen Auflagen und nötigen Investitionen. Beide Aspekte zusammen haben innerhalb eines Jahres zu einem Rückgang des Schweinebestandes in der EU von insgesamt 2,4 Prozent (%) bzw. 3,34 Millionen Schweinen geführt.
 
Am stärksten abgenommen hat erwartungsgemäß der Bestand an Zuchtsauen. Ihre Zahl lag Ende 2011 mit rund 11,9 Millionen Tieren rund 4,7 % niedriger als ein Jahr zuvor und sogar acht Prozent niedriger als vor drei Jahren. Mit dem Sauenbestand verringert sich natürlich auch das Produktionspotential für die nächsten Monate.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Die Daten der Kommission lassen jedoch auch zwischen den Ländern große Unterschiede in der Bestandsentwicklung erkennen. Während der Schweinebestand in Deutschland sogar zugenommen hat, blieb die Tierzahl in Frankreich, Dänemark und Spanien relativ stabil und ging in den Niederlanden moderat zurück. Demgegenüber nahm die Anzahl der Schweine vor allem in einigen osteuropäischen Ländern zweistellig ab.
 
Betroffen sind insbesondere Polen, Tschechien, die Slowakei und Litauen. Aber auch in Bulgarien und Ungarn ging die Abwärtsspirale weiter.

Produktion schrumpft

Seinen Niederschlag findet der Bestandsabbau in den nationalen Produktions- und Angebotsschätzungen. Die EU-Kommission erwartet in ihrer - auf Basis von Quartalsdaten vorgenommen Vorschau - für das Gesamtjahr 2012 einen Produktionsrückgang von rund einem Prozent. Dabei macht sich der Rückgang der Sauenbestände vor allem zum Ende des Jahres 2012 bemerkbar. Im vierten Quartal 2012 liegt die Angebotsmenge dann immerhin 2,4 Prozent unter der des Vorjahres. Dagegen bleiben die erwarteten Schlachtzahlen in den ersten beiden Quartalen lediglich 0,7 beziehungsweise 0,8 Prozent unter dem Vorjahr und im dritten Quartal liegt man sogar leicht darüber.
 
Für Deutschland zeigen die Daten der EU-Kommission für das erste Quartal 2012 sogar noch einen Angebotszuwachs von 2,4 Prozent. Danach geht die deutsche Produktion jedoch ebenfalls zurück und verfehlt die Vorjahreslinie im dritten Quartal 2012 um 1,8 und im viertel Quartal um 1,6 %.

Export entscheidet

Entscheidend für die Marktentwicklung bleibt auch im Jahr 2012 der Export. Derzeit rechnet die Kommission gegenüber den Rekordausfuhren von 2011 nur mit einem marginalen Rückgang von zwei Prozent auf 2,13 Millionen Tonnen (Schlachtgewicht). Allerdings geht auch der Inlandsverbrauch in der EU zurück (-1,1 %), denn die Verbraucherpreise sind im letzten Jahr zum Teil kräftig gestiegen und dämpfen die Nachfrage.
 
Dieser Aspekt könnt sich mittelfristig auch an den Exportmärkten als Problem erweisen, denn an den wichtigen asiatischen Absatzmärkten sind nicht nur die Fleischpreise kräftig gestiegen, sondern auch die meisten anderen Nahrungsmittel sind teurer geworden. Sollte sich die wirtschaftliche Dynamik in den großen Schwellenländern nicht oder nur deutlich langsamer fortsetzten, hätte dies unmittelbaren Einfluss auf die dortige Kaufkraft und damit auch die Absatzmöglichkeiten der Europäer an diesen Märkten.
 
  • Die hohen Futtermittelkosten sprechen gegen eine Mastverlängerung. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen untersuchte nun die Auswirkungen höherer Endgewichte auf den Futterverbrauch. Mehr dazu lesen Sie hier ...

Gute Preise, aber hohe Kosten

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die Verbindung eines kleineren Angebotes und stabiler Exporte bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Preiserwartung. Zumindest am Terminmarkt finden diese Marktverhältnisse ihren Niederschlag. Für das erste Halbjahr 2012 bewegen sich die Kontraktpreise zwischen 1,63 und 1,71 Euro/kg SG. Damit liegt man über der Linie des Vorjahres und auch für die zweite Jahreshälfte 2012 bewegen sich die Terminmarktpreise zwischen 1,57 und 1,71 Euro/kg SG und damit durchaus auf akzeptablem Niveau.
 
Großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Schweineproduktion wird jedoch die weitere Entwicklung der Futterkosten haben. Nach den Preisermäßigungen Ende letzten Jahres sind die Weltmarktpreise für die wichtigsten Eiweißfuttermittel zuletzt wieder gestiegen. Sollten die Soja-Ernten in Südamerika unter den bisherigen Erwartungen bleiben, sind erneut steigende Futterkosten durchaus wahrscheinlich und könnten den Kostendruck erneut erhöhen.

ISN: Mitglieder setzen auf Export

Auch interessant