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Schlachtschweinemarkt

Hauspreispolitik: Will Tönnies den VEZG-Preis schwächen?

Schweinehälften im Schlachthof
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Katharina Krenn, agrarheute
am
10.03.2017

Aktuell sind Schlachtschweine rege nachgefragt. Aber Tönnies und Vion entziehen sich mittels Hauspreisen immer wieder einer festeren Notierung.

In der vergangenen Woche zog der Fleischabsatz saisonbedingt an. Aufgrund der knappen Versorgungslage am Schlachtschweinemarkt erwarteten die Marktteilnehmer eine deutliche Preisanhebung. Am Mittwoch einigten sie sich dann auf eine Erhöhung des Vereinigungspreises von 3 Cent auf 1,57 Euro/SG.

ISN: "Unpassender und unfairer kann eine Hauspreisankündigung kaum sein"

Tönnies zog da nicht mit. Am Folgetag kam die Ankündigung eines Tönnies-Hauspreises auf Vorwochenniveau von 1,54 Euro/SG. "Zu einem Zeitpunkt, an dem die Marktbeteiligten keine Chance mehr hatten, zu reagieren. Zeitlich unpassender und damit unfairer kann eine Hauspreisankündigung kaum sein. Es stellt sich die Frage, warum Tönnies nicht schon eher Farbe bekannt hat und die grüne Seite im Trüben fischen ließ", fragen sich die Schweinehalter (ISN).

Nach der Bekanntgabe der Hauspreiszahlung von Tönnies, zog Vion nach und zahlte ebenfalls einen Hauspreis von nur 1,54 Euro.

Gründe für die Hauspreistaktik

Die ISN sucht nach Gründen dieses Verhaltens und erhebt den Verdacht, dass Tönnies womöglich die VEZG-Notierung bewusst vor die Wand laufen lasse, um diese mit Hauspreiszahlungen zu schwächen. „Oder ist der Beweggrund ein ganz anderer? – Will sich Tönnies mit seinem Markteinfluss gegenüber seinen Mitwettbewerbern einen (zeitlichen) Vorteil im Fleischverkauf verschaffen?“

Möglich sei auch, spekuliert die ISN, dass angesichts der derzeitigen Sperrung des Unternehmens für den chinesischen Markt die Verwertung des Schweins im Vergleich zu den Wettbewerbern unterdurchschnittlich ist. „Aber dieser Umstand dürfte den Entscheidungsträgern im Hause Tönnies nicht erst Mittwochmittag bekannt gewesen sein.“

"Schweinehalter und Viehvermarkter, denen auch zukünftig an einer neutralen Preisfindung in Deutschland gelegen ist, werden sich Gedanken machen müssen, wie sie ein solch unfaires Verhalten abstrafen!", schlussfolgert die ISN.

Mit Material von ISN

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