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Berichterstattung

Herrmannsdorfer Landwerkstätten: 'Verleumderische Vorwürfe'

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Anke Fritz, agrarheute
am
28.01.2016

Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Bayern halten viel von Transparenz und öffneten den Reportern der Sendung FAKT bereitwillig die Türen. Doch jetzt muss der Biobetrieb mit verheerender Kritik umgehen. Ein Tierschützer der "Soko Tierschutz" sei im Vorfeld in den Betrieb eingebrochen um Bildmaterial zu besorgen. agrarheute hat beim Geschäftsführer nachgefragt.

Am 26. Januar nahm die ARD Sendung FAKT die biologische Tierhaltung ins Visier. Der Geschäftsführer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten, Karl Schweisfurth, öffnete den Redakteuren von FAKT im Rahmen ihrer Recherche bereitwillig die Türen und ist "auch gut mit ihnen klar" gekommen, wie er gegenüber agrarheute bestätigt.

Wie Schweisfurth gegenüber agrarheute erklärte, wusste er nicht, dass Friedrich Mülln von der "Soko Tierschutz" im Vorfeld bei ihm eingebrochen ist und Kameras im Stall aufgehängt hat. Dieses illegale Bildmaterial übergab der Tierschützer laut Schweisfurth den Redakteuren von FAKT, die Szenen daraus verwendet haben. "Wir haben es hier mit einem ganz aggressiven Gegner zu tun", erklärt er weiter.

Soko Tierschutz dringt in Stall ein

In einer Erklärung zu den Medienberichten heißt es von Seiten der Herrmannsdorfer Landwerkstätten "Die Medien beziehen sich in ihren Berichten auf jüngste Anschuldigungen und Vorwürfe der „Soko Tierschutz“, einer Organisation die die gesamte Tierhaltung abschaffen und die Gesellschaft zur veganen Lebensweise umerziehen will. Dafür scheint ihnen jedes Mittel recht: Einbruch, einseitige und verfälschende Bilder und haltlose Anschuldigungen."

Tierschützer spricht von verstörendem Bild

Auch die SZ hat sich auf das Thema gestürzt und Friedrich Mülln zu Wort kommen lassen. Im Artikel der SZ heißt es: "Es ist ein verstörendes Bild: Eine Muttersau liegt eingekeilt in einem Kastenstand. An den Zitzen machen sich drei Ferkel zu schaffen. Auf dem Stallboden aus Beton liegt nur ganz wenig Stroh. Im Vordergrund steht ein Plastikeimer mit blutigen Überresten der Nachgeburt. Unter dem Hinterteil der Muttersau erkennt man eine Blutlache."

Hierzu erklärt der Geschäftsführer gegenüber agrarheute: Bei dem von der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Foto handelt es sich um eine Sau während oder unmittelbar nach Abferkelung. Die Ferkel sind schon da, suchen die Zitzen, sind aber noch ganz schwach und wackelig. Unsere Mitarbeiter kümmern sich, haben die Nachgeburt aus Hygienegründen schon in einen Eimer gelegt. Natürlich gibt es bei der Geburt Blut. Die Sau liegt in dieser Phase überwiegend. Der Kasten stand bedeutet für sie hier keine Einschränkung des natürlichen Bewegungsdrangs. Er schützt die kleinen Ferkel. Es ist nur wenig Stroh da, denn die Ferkel würden es in einer dicken weichen Strohmatte gar nicht bis zur Sau schaffen mit ihren kurzen, wackeligen Beinen.

Stellungnahme der Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Die von der „Soko Tierschutz“ hier formulierten Vorwürfe und Anschuldigungen sind verleumderisch. Wir möchten richtig stellen: Zu keinem Zeitpunkt wurden Richtlinien der ökologischen Schweinezucht missachtet oder verletzt. Wir weisen auf folgende Sachverhalte hin:

  • Zu keinem Zeitpunkt gab es einen unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika
  • In 2015 gab es zeitweise eine erhöhte Ferkelsterblichkeit, die sich mittlerweile wieder normalisiert hat
  • Trächtige Säue werden seit jeher nach modernsten Standards gehalten und versorgt und heute nicht mehr in Kastenständen fixiert
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