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Schweinefütterung

Hitzestress: So erhalten Sie den Appetit der Sauen

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am Mittwoch, 02.06.2021 - 11:59 (Jetzt kommentieren)

Sauen müssen während der Säugezeit viel fressen, damit sie nicht zu stark absäugen. Bei hohen Temperaturen wird das problematisch. agrarheute sagt Ihnen, was zu tun ist.

Wenn Sauen während der Säugezeit nicht genügend fressen, verlieren sie an Gewicht. Die Folge: Die Umrauscherquote steigt. Sauen, die in der Säugezeit stark an Gewicht verlieren, bringen außerdem im Folgewurf weniger und leichtere Ferkel zur Welt.
Der Sommer verschärft die Situation, weil hohe Temperaturen die Futteraufnahme der Sauen beeinträchtigen. Aber wie stark? Und welche Auswirkungen gibt es noch?
Eine Studie der Universität Gießen hat das untersucht. Mit einer Spotmix-Fütterung im Sauenstall der Universität Gießen wird jedes Kilogramm Futter erfasst, das die einzelnen Ventile täglich im Abferkelstall ausdosieren. Das ermöglichte es den Wissenschaftlern, den täglichen Futterverbrauch während der Säugezeit bei über 900 Sauen zu analysieren. Sie bezogen ausschließlich reinrassige Landrasse- und Edelschwein-Tiere sowie Kreuzungen aus beiden Rassen ein und erfassten folgende Daten:
  • die Wurfnummer,
  • die Anzahl aufgezogener Ferkel pro Wurf,
  • die Ferkelverluste nach Wurfausgleich,
  • das mittlere Absetzgewicht der Ferkel,
  • die mittlere Außentemperatur in der jeweiligen Säugezeit auf Basis der Tagesmittelwerte der nächstgelegenen Wetterstation.
Die Forscher wogen jede Sau einzeln am dritten Säugetag und beim Absetzen. Daraus ließ sich die Gewichtsabnahme oder auch -zunahme berechnen und in Zusammenhang mit der Futteraufnahme stellen.
Hierbei handelte es sich um den Netto-Gewichtsverlust, da die Sauen erst nach der Geburt gewogen wurden. Das Gewicht des Wurfs, der Nachgeburt und des Fruchtwassers spielten keine Rolle. Bei einem Wurfgewicht von durchschnittlich knapp 21 kg, etwa 5 kg Fruchtwasser und etwa 4 kg Nachgeburt müssen zum Netto-Gewichtsverlust rund 30 kg addiert werden, um zum Brutto-Gewichtsverlust zu gelangen.
Normalerweise wiegen Landwirte die Sauen – wenn überhaupt – vor der Geburt beim Einstallen in die Abferkelbucht. Das Gewicht beim Einstallen abzüglich des Gewichts beim Absetzen ist somit der Brutto-Gewichtsverlust, der meistens angegeben wird.

Hohe Futteraufnahme bei Kälte

Die 900 Sauen fraßen vom ersten bis zum 26. Säugetag im Mittel 5,7 kg pro Tag. Die Werte für die einzelnen Sauen schwankten von 2,4 bis 8,4 kg. Im Mittel verloren die Sauen netto 7,4 kg Gewicht, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren enorm waren und von 62 kg Abnahme bis 46 kg Zunahme reichten.
Die Zeiträume für die Außentemperatur teilten die Wissenschaftler in drei gleich große Klassen ein: niedrig bis 6,3 °C, mittel von 6,3 bis 14 °C und hoch ab 14 °C. Die höchste mittlere Futteraufnahme erreichten die Sauen mit 6,03 kg je Tag in der ersten Klasse (bis 6,3 °C) bei niedrigen Außentemperaturen im Winter und an kühlen Frühjahrs- und Herbsttagen (siehe Kasten „Auswirkungen der Temperatur“ auf Seite 29). Im Bereich von 6,3 bis 14 °C verringerte sich die mittlere tägliche Futteraufnahme der Sauen nur leicht. Sie sank jedoch deutlich in den wärmeren Monaten mit einer Außentemperatur von über 14 °C. Hier ging die mittlere Futteraufnahme auf 5,35 kg pro Säugetag zurück.
Je Erhöhung der Außentemperatur um 5 °C verminderte sich die durchschnittliche tägliche Futteraufnahme um 0,225 kg. Allerdings wird der Rückgang erst ab der dritten Säugewoche sichtbar. Ab diesem Zeitpunkt fressen die Sauen bei hohen Außentemperaturen deutlich weniger als im Herbst oder Winter. Dieses Verhalten ist durch die Wärmebildung nach der Futteraufnahme zu erklären. Je mehr Futter die Tiere aufnehmen, desto mehr Wärme erzeugt ihr Körper. Diese Wärme müssen die Sauen an die Umgebungsluft abgeben.
Mit steigender Außentemperatur ist es für die Tiere aber immer schwerer, die Körperwärme abzugeben. Dies kann zu Kreislaufbelastungen führen. Um also weniger Körperwärme zu erzeugen, fressen die Schweine bei hohen Temperaturen weniger.

Wichtige Temperaturregulation

In der Folge verlieren die Sauen während der Säugezeit mehr Gewicht. Das wurde an 838 Sauen überprüft. Tatsächlich war der Gewichtsverlust der Sauen bei niedrigeren Temperaturen mit durchschnittlich 3,3 kg netto am geringsten. Bei Sauen, deren Säugephase in einer Zeit mit moderaten Außentemperaturen zwischen 6,3 und 14 °C lag, betrug die Gewichtsabnahme 6,8 kg netto. Bereits bei Temperaturen über 14 °C verloren die 288 Sauen netto je 13,5 kg.
Die deutlich geringere tägliche Futteraufnahme bei steigender Außentemperatur wirkt sich demzufolge unmittelbar auf die Gewichtsabnahme der Sauen aus. Das zeigt, wie wichtig eine Temperaturregulation für die Tiere ist, um weitere negative Folgen zu verhindern.
Auch ihre Milchleistung kann sich verringern. Zunächst schmelzen die Sauen zwar Körperfett ein, um ausreichend Milch zu produzieren, aber irgendwann sieht man es an den verringerten Absetzgewichten der Ferkel. Sie sind zumindest ein Indiz dafür, dass die Milchleistung nachlässt. Die Milchleistung von Sauen direkt zu erfassen, ist technisch sehr schwer. Die Ferkel können zwar ab der zweiten oder dritten Lebenswoche Beifutter aufnehmen, aber die tatsächlich aufgenommene Menge wird häufig überschätzt.
In der vorliegenden Untersuchung war das Absetzgewicht der Ferkel im Sommer bei hohen Temperaturen mit durchschnittlich 7,06 kg im Vergleich zu den anderen beiden Temperaturklassen vermindert. Die anderen Jungtiere wogen im Mittel 7,43 beziehungsweise 7,41 kg. Die Wurfnummer der Sau und die Wurfgröße nach Wurfausgleich können ebenfalls das Absetzgewicht beeinflussen. Sie wurden daher im mathematischen Modell berücksichtigt.

Niedrige Ferkelverluste im Sommer

Entgegen der Erwartung der Forscher waren bei höheren Temperaturen während der Säugezeit die Ferkelverluste nach einem Wurfausgleich mit 8,3 Prozent am niedrigsten und bei den niedrigsten Temperaturen mit 11,1 Prozent am höchsten. Die Ferkelverluste lagen generell auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Sauenstall des Betriebs ist neu und der Gesundheitsstatus der Tiere sehr gut.
Hohe Temperaturen sind also eine Belastung für die Sauen, allerdings nicht für ihre Ferkel. Vor allem Ferkel, die außerhalb des beheizten Ferkelnests liegen, kühlen bei hohen Außentemperaturen weniger aus als bei niedrigen. Die Innentemperatur folgt in Abferkelställen der Außentemperatur. Bei niedrigen Außentemperaturen wird dieser Effekt aber durch die Ferkelnestheizung abgeschwächt.

Futteraufnahme sichern

Unabhängig von der Temperatur müssen Sauenhalter dafür sorgen, dass die Sauen viel fressen, um die beschriebenen negativen Effekte zu vermindern. Auf dem Betrieb wird im Abferkelstall seit einiger Zeit dreimal täglich gefüttert. Mit der Spotmix-Anlage und der Futterkurve werden die Sauen nahe an ihrem täglichen Bedarf versorgt. Die Sauen fressen im Mittel knapp 6 kg und nehmen damit durchschnittlich deutlich weniger ab als Sauen in anderen Betrieben. Sie erreichen nach dem Absetzen mit über 95 Prozent eine hohe Trächtigkeitsrate.
Den negativen Effekten hoher Temperaturen lässt sich mit einer optimalen Wasserversorgung entgegenwirken. Säugende Altsauen saufen ab der dritten Säugewoche täglich über 50 l Wasser. Mithilfe von Wasseruhren kann stall- oder abteilweise die Wasseraufnahme überprüft werden. Die Gesundheit der Sauen ist ebenso wichtig. Vor allem muss MMA-Erkrankungen vorgebeugt werden. Auch die Luftrate ist wichtig für gesunde Tiere. Für 250 kg schwere säugende Sauen sollten Landwirte mit der Sommerluftrate etwa 240 bis 360 m³ je Stunde und Tierplatz lüften. Da im Sommer sehr warme Luft von außen in den Stall eingeführt wird, ist eine Kühlung über eine hohe Zuluftgeschwindigkeit und durch das Versprühen von Wasser in den Zuluftstrahl sinnvoll. Durch den Einbau zusätzlicher Lüfter wird die Luftgeschwindigkeit erhöht. Die Sauen können die Körperwärme besser an die Umgebung abgeben. Verdunstendes oder versprühtes Wasser führt ebenfalls zur Abkühlung, da der Umgebung Wärme entzogen wird. Allerdings darf die Luftfeuchte nicht zu stark ansteigen, da Schwüle stark kreislaufbelastend wirkt. (wh)●

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