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Tiergesundheit

Husten bei Schweinen sicher erkennen

AUFM_Praxisfall
am Donnerstag, 09.04.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Husten ist unangenehm und bei Schweinen sogar gefährlich. Oft führen Atemwegserkrankungen zu Leistungseinbußen und zum Teil sogar zum Tod. Wie es so weit kommen kann und wie Sie das vermeiden können, lesen Sie hier.

Es ist 6 Uhr morgens, draußen ist es noch dunkel. Trotzdem ist der graue Regenschleier schon sichtbar. Der Wind pfeift um die Ecke und peitscht einem den kalten Nieselregen ins Gesicht – ein typischer Morgen in der kalten Jahreszeit in unseren Breitengraden. Bei uns Menschen ist die nasskalte, graue Zeit Erkältungszeit. Die Wartezimmer der Ärzte sind voll, denn überall schnupft, röchelt und hustet es – im schlimmsten Fall auch im Schweinestall.

Zugluft vermeiden

Anders als bei Menschen, bei denen ein Husten meist nach ein paar anstrengenden Tagen wieder verschwindet, ist er bei Schweinen ein ernstes Problem. Atemwegserkrankungen führen bei den Tieren zu erheblichen Leistungseinbußen und in der Mast mitunter sogar zu plötzlichen Todesfällen.

Fressunlust und Fieber sind bei den Tieren meist nur die Spitze des Eisbergs. Bei kaltfeuchter Witterung im Herbst und Winter treten vor allem in der Ferkelaufzucht und Mast häufiger Atemwegserkrankungen auf. Schweinehalter klagen dann über einen hustenden Bestand.

In der kalten Jahreszeit haben Atemwegserreger eine größere Überlebensrate. Sie benötigen eine kühle Umgebungstempertaur und eine geringe Sonneneinstrahlung, um sich zu vermehren. Zudem können durch den deutlichen Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht auch im Stall Temperaturschwankungen und Zugluft entstehen. Das schwächt das Immunsystem der Schweine und kann damit Atemwegserkrankungen begünstigen.

Erreger im Blick

Eine geschwächte Immunität kann den Weg bereiten für Krankheitserreger. Zu den sogenannten Primärerregern zählen die Bakterien Mycoplasmen und APP (Actinobacillus pleuropneumoniae) sowie Influenza- und Circo-Viren und das PRRS-Virus (porzines reproduktives und respiratorisches Syndrom).

Haben diese sich erst einmal einen Weg in den Körper gebahnt, können Sekundär- erreger die Erkrankung noch verschlimmern. Pasteurellen, Bordetellen, Streptokokken und Haemophilus parasuis führen beispielsweise zu Komplikationen bei einer bestehenden Atemwegserkrankung.

Zudem schädigen bakterielle Erreger, die in Staubpartikeln eingeschlossen sind, die Flimmerepithelzellen des oberen Atemtrakts, die zu den wichtigsten Abwehrmechanismen der Atemwege gehören. Das PRRS-Virus zerstört zudem gezielt Fress-zellen und damit eine weitere wichtige Abwehrbarriere für weitere Krankheitserreger.

Immunität stärken

Um das Ausbreiten der Erreger im Bestand zu vermeiden, ist die Immunität der Tiere besonders wichtig. Sie beeinflusst vor allem die Fähigkeit der Keime, eine Krankheit zu verursachen und sie zu verbreiten. Für eine gute Immunität des Bestands ist schon der Gesundheitsstatus der Muttersau entscheidend. Sie gibt in den ersten Lebenstagen mit dem Kolostrum entscheidende Antikörper an das Ferkel weiter. Für eine gesunde Abwehr des Körpers spielt auch die Darmgesundheit und -immunität eine wichtige Rolle.

Impfkonzepte gegen einzelne Erreger haben sich bewährt. Sie verbessern die Immunitätslage des Bestands gegen einen Erreger und beugen klinischen Symptomen vor.

Diagnostik entscheidend

Ein an den Bestand angepasstes Impfkonzept (Intervalle und Zeitpunkte) kann jedoch nur nach einer gründlichen Diagnostik anhand der Erregerdynamik festgelegt werden. Dafür bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt. Zudem muss gründlich differenziert werden, denn nicht jedes Husten ist gleich ein Krankheitsanzeichen. Oftmals ist die Beurteilung dabei sehr subjektiv. Ein hilfreiches Tool, um das Krankheitsgeschehen im Bestand zu beurteilen, ist die Husten-App.

Mithilfe der App können Hustenereignisse einfach gezählt werden. Ein Hustensignal ist dabei als einmaliger Husten oder als zwei oder mehr Hustenanfälle definiert. Nach der Zählung wird der Krankheitsgrad als sogenannter Hustenindex berechnet. Die App kann unter dem Namen Husten Index Kalkulator in jedem App-Store kostenlos heruntergeladen werden.

Doch auch ein angepasstes Impfkonzept kann einen Erreger im Bestand nicht vollkommen eliminieren. Eine Sanierung des Schweinebestands nur durch Impfung ist oft nicht erfolgreich. Um dies zu erreichen, muss das Management beachtet werden.

Management anpassen

Das beste Impfkonzept ist nur so gut wie die Maßnahmen, die es begleiten. Das Mischen von Tieren sollte vermieden werden, da es das Infektionsrisiko erhöht. Schon bei Saugferkeln sind Umsetzen und Wurfausgleich ein Risikofaktor für die Atemwegsgesundheit. Auch Stress beeinträchtigt das Immunsystem der Tiere. Zudem kann Stress die Erreger aggressiver machen, was zu starken Krankheitseinbrüchen führen kann.

Nicht zuletzt ist das Stallklima ein wichtiger Faktor, um einen guten Gesundheitsstatus der Tiere zu erhalten. Im Stall sollte auch bei schwankenden Außentemperaturen immer eine konstante Temperatur herrschen. Temperaturschwankungen und Zugluft beeinträchtigen das Immunsystem der Tiere. Zudem müssen hohe Staub- und Ammoniakgehalte vermieden werden, da sie die Tiere anfälliger für Krankheiten machen.

Fazit

Damit im Schweinebestand Husten so schnell wie möglich wieder verschwindet, müssen eine gute Diagnostik, ein angepasstes Impfkonzept und das Management aufeinander abgestimmt sein. Nur so lassen sich Atemwegserkrankungen in der nasskalten Jahreszeit unter Kontrolle halten und so weit wie möglich eindämmen. 

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