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Nutztierhaltung

ISN: Deutschlands Schweinehalter fordern Planungssicherheit

Podiumsdiskussion bei der ISN-Mitgliedsversammlung 2020
am Mittwoch, 12.02.2020 - 10:08 (Jetzt kommentieren)

Die Schweinehalter in Deutschland machen sich große Sorgen um ihre Zukunft, sind aber zu Veränderungen bereit. Wenn diese wirtschaftlich tragbar sind.

Der Sprecher der Jungen ISN, Bane Eggers, brachte es auf den Punkt: Wie soll er seinen Beruf, den er liebt, bei der fehlenden Planungssicherheit künftig ausüben? Er ist sich sicher: "Unsere Schweine leben besser hier!"

Bei der Mitgliederversammlung der ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.) in Osnabrück gab es einen klaren Konsens: Die anwesenden Schweinehalter sind bereit, die Haltung ihrer Tiere weiter zu ändern. Aber bei der Diskussion um die Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland bräuchte es für sie auch eine wirtschaftliche Zukunftsperspektive.

Barbara Otte-Kinast im Gespräch mit agrarheute

Dierkes: Es fehlt an Vertrauen!

Heinrich Dierkes, Vorsitzender der ISN, fand klare Worte. Sachverstand, Perspektive, Planungssicherheit und vor allem Vertrauen: All das fehlt im Moment und sorgt für Stillstand. Stillstand sei aber Rückstand und das treffe gerade die Betriebe, die neue bessere Haltungssysteme aufbauen wollen und in puncto Tierwohl voran gehen wollen. Deshalb fordert er einen parteiübergreifenden Konsens über die Weiterentwicklung der Tierhaltung. Sonst drohe die Abwanderung der Nutztierhaltung ins Ausland.

Laut des Vorsitzenden solle eine der effektivsten Landwirtschaften – effektiv im Sinne von Klimaschutz je kg Produkt – in Nordwesteuropa extensiviert und damit zurückgebaut werden.

Heinrich Dierkes sagt: „Wir säen unseren Nutzgarten Landwirtschaft mit Blümchen zu, klopfen uns auf die Schulter, was wir doch für Klimaschützer sind und kaufen unsere Lebensmittel aus Nigeria, China oder Argentinien mit 20 bis 30-fach schlechterer Klimabilanz." Das gleiche passiere mit der Sauenhaltung. Hier noch ein Aktionsplan, dort ein Monitoring. "Schwubs sind die Sauen in Spanien."

Der Borchert-Kommission eine Chance geben

Der ISN-Vorsitzende spricht sich erneut für eine nationale Nutztierstrategie aus. Dort würden neben dem Tierwohl auch die Nachhaltigkeit und der Klimawandel berücksichtigt. Aber es müsse auch ein schlüssiges Finanzierungskonzept her. "Wir sind marktorientierte Schweinehalter, wir wollen am freien Markt agieren. Aber es muss bezahlt werden."

Dr. Torsten Staack, Geschäftsführer der ISN, teilte dementsprechend dem niederländischen Modell mit Produktionsrechten und Ausstiegsprämien eine klare Absage. Das würde Schweinehalter nicht am Markt halten und sei nicht zielführend.

Deshalb begrüßt die ISN die Arbeit der Borchert-Kommission zur Weiterentwicklung der Nutztierhaltung in Deutschland. Man solle dem eine Chance geben und kein voreiliges Urteil fällen. 

Dierkes warnt vor Aus der deutschen Sauenhaltung

Sorge bereitet Heinrich Dierkes der Termin zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung am Freitag (14. Februar 2020) im Bundesrat. "Ich sage klar und unmissverständlich: Wenn der Bundesrat den Änderungsanträgen so zustimmen würde, dann wäre dies das Aus für einen Großteil der deutschen Sauenhalter." Jegliche Diskussion um eine Nutztierstrategie wäre damit hinfällig.

Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast machte deutlich, dass sie hinter den Schweinehaltern steht: "Wir bekennen uns ohne wenn und aber zu einer leistungs- und zukunftsfähigen Nutztierhaltung." Dafür werde sie sich am Freitag im Bundesrat einsetzen. Auch sie spricht sich für einen Gesellschaftsvertrag aus, der gerade in der Tierhaltung wichtig wäre und den sie ernsthaft voranbringen will.

agrarheute im Gespräch mit Heinrich Dierkes

Zukunftsfähigkeit dank marktwirtschaftlichem Grundprinzip

Die abschließende Podiumsdiskussion wurde mit den Statements von Dr. Wolfgang Kühnl vom Wursthersteller The Family Butchers eröffnet. Er machte seinen Standpunkt klar: Zukunftsfähig seien nur Lösungen, die marktwirtschaftlichen Grundprinzipien folgen würden. Man dürfe sich deshalb nicht an denen ausrichten, die am lautesten schreien, sondern an denen die kaufen.

Dazu fehle es in Deutschland aber an einer flächendeckenden Transparenz, damit der Verbraucher eine bewusste Entscheidung treffen könne. Der Kunde muss am Ende für die Leistung in der ganzen Kette bezahlen. Deshalb dürfe es Tierwohl nicht zum Nulltarif geben, wie es die Initiative Tierwohl bislang suggeriert hätte.

Wolfgang Kühnl appellierte an die Anwesenden, dass die gesamte Wertschöpfungskette abgestimmt handeln müsse. Niemand dürfe gezwungen werden, einseitig in Vorleistung zu treten. "Wenn wir das nicht tun, werden wir auf Dauer nicht wettbewerbsfähig sein." Er glaubt nicht daran, dass die Politik das regeln kann. 

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