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Umfrage

ISN: Hälfte der Schweinehalter will aufgeben

Schwein-Mastschwein-Bucht
am Mittwoch, 29.09.2021 - 14:31 (3 Kommentare)

Alarmierend: Laut einer ISN-Umfrage will die Hälfte der deutschen Schweinehalter in den nächsten zehn Jahren aus der Produktion aussteigen.

Es sind erschreckende Zahlen, die die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) veröffentlicht hat. Etwa die Hälfte der deutschen Schweinehalter will demnach in den nächsten zehn Jahren ihren Betrieb aufgeben.

Damit bestätigt die ISN die Umfrageergebnisse von agrarheute, wonach 26 Prozent der Teilnehmer verunsichert sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll und 22 Prozent die Schweinehaltung sogar schon in den kommenden fünf Jahren aufgeben will.

Die ISN hat im Juli und August eine Umfrage unter den Sauenhalter und Mästern in Deutschland durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.048 Landwirte daran teil, auf sie fällt rund 10 Prozent des Gesamtbestands der Schweine. 

60 Prozent der Sauenhalter und 40 Prozent der Schweinemäster wollen nicht mehr

Bei den Landwirten mit Sauenhaltung wollen 60 Prozent aussteigen, bei denen mit Mast sind es 40 Prozent. Demgegenüber stehen nur 6 Prozent Sauenhalter und 8 Prozent Mäster, die sich vorstellen können, ihre Produktion auszuweiten.

Jeder sechste Betriebsleiter gab an, dass der Ausstieg schon sehr konkret und bereits eingeleitet sei. Vor allem die von der Politik und Gesellschahft eigentlich gewünschten kleinen Betriebe stehen vor der zeitnahen Aufgabe.

Ausstiegspläne in Süddeutschland am stärksten ausgeprägt

Vor allem süddeutsche Schweinehalter stehen vor dem Aus: Dort wollen in den kommenden zehn Jahren 70 Prozent der Sauenhalter und 55 Prozent der Mäster ihre Schweine abschaffen.

Die ISN erwartet weiterhin starke Strukturbrüche mit nochmals voraussichtlich 25 Prozent bis 30 Prozent weniger Sauen und Mastschweine. Folgende Hauptgründe geben die Schweinehalter an:

  • die Summer der Auflagen,
  • fehlende Perspektiven und Planungssicherheit,
  • sowie mangelnder politischer Rückhalt.

Trotz der desaströsen Marktlage war die Ökonomie als Ausstiegsgrund nicht auf den ersten Plätzen.

Schweinehaltung: Es brennt lichterloh

Der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes findet deutliche Worte: "Es brennt lichterloh in der Schweinehaltung." Die Politik habe es versäumt, für Planungssicherheit zu sorgen.  In der abgelaufenen Legislaturperiode sei viel über die Umgestaltung der Schweinehaltung diskutiert worden, doch hätten sich die verschiedenen Parteien und Ministerien nur gegenseitig Sand ins Getriebe gestreut. „Deshalb müssen der Bund und die Länder nun endlich die Fäden zu einem Gesamtkonzept zusammenbringen, das den Schweinehaltern wieder Planungssicherheit, Perspektive und Vertrauen bietet“, forderte Dierkes.

ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack kritisierte, dass beim Ordnungsrecht dagegen viel passiert ist - oft im deutschen Alleingang. Immer neue Nachforderungen nähmen den Schweinehaltern die letzte Planungssicherheit. „Wenn die neue Bundesregierung nicht den Exodus der bäuerlichen Betriebe will, dann muss sie gehörig Gas geben“, verlangte Staack.

Sie dürfe dabei aber nicht von vorne anfangen, sondern müsse auf Basis der Vorschläge der Borchert-Kommission weiterarbeiten und endlich ein schlüssiges und für die Schweinehalter umsetzbares Gesamtkonzept auf den Weg bringen. Dazu gehörten auch eine entsprechende Finanzierung sowie eine für die Verbraucher transparente Kennzeichnung der Haltungsform und der Herkunft auf allen Produkten. 

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