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ISN: Meyer glänzt mit Polemik statt Fachwissen

© agrar-press
von , am
11.04.2014

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) wirft dem niedersächsischen Agrarminister Christian Meyer ein "falsches Spiel" vor. Auslöser ist der Besuch eines Neulandbetriebes.

Christian Meyer verspricht: Die ELER-Förderung für 2016 kommt wie geplant. © Bündnis 90/Die Grünen
Der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) ist der Kragen geplatzt. Nach einem Besuch des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Christian Meyer auf einem Neulandbetrieb wendet sich die Interessengemeinschaft in einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit.
 
Darin spricht die ISN vom "falschen Spiel des Agrarministers" und wirft ihm vor, "die 'sanfte' Agrarwende mit aller Gewalt und zur Not auch ohne Bauern zu versuchen".

Meyer: 'Verstümmelung von Tieren muss ein Ende haben'

Auslöser der Kritik ist ein Besuch des Agrarministers auf einem Neulandbetrieb mit Schweinehaltung (700 Mastplätze). Der Hof betreibt konventionelle Landwirtschaft, ist aber zugleich Mitglied bei "Neuland", ein Verein, der sich der tiergerechten und umweltschonenende Nutztierhaltung verschrieben hat.
 
Nach dem Besuch hatte Meyer gefordert, dass "die Verstümmelung von Tieren" ein Ende haben muss. Der Neulandhof sei ein Beispiel dafür, dass der Verzicht "auf das Schwänze-Abschneiden bei Schweinen durch eine Verbesserung der Tierhaltung auch in der konventionellen Landwirtschaft möglich und machbar ist."

ISN: Meyer betreibt 'Schwarz-Weiß-Malerei'

Die ISN warf Meyer daraufhin "ideologische Schwarz-Weiß-Malerei" vor: "Wäre es anders, würde auch er öffentlich eingestehen, dass Schwanzbeißen bei Schweinen ein Riesenproblem ist und überall vorkommen kann, unabhängig von der Haltungsform, der Betriebsgröße und Art der Bewirtschaftung", erklärt der Schweinehalter und ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes.
 
Auch die Interessengemeinschaft sieht das Schwanzbeißen bei Schweinen als problematisch an. Neu sei das Thema aber keinesfalls. Doch die Suche nach Lösungen, um auf das Kupieren der Schwänze zu verzichten, gestalte sich schwierig. Die ISN berichtet von aktuell mehr als zehn Projekten zum Thema (unter anderem auch im Rahmen des Tierschutzplans Niedersachsen), deren Ergebnisse noch ausstehen.

Zeitplan ohne praxistaugliche Lösungen

Die Interessengemeinschaft wirft Christian Meyer vor, einen konkreten Zeitplan vorzulegen, ohne praxistauglich Lösungen zu haben. Der Zeitplan sieht nach Meyers Worten folgendermaßen aus: "Ende 2015 soll Schluss sein mit der betäubungslosen Ferkelkastration, Ende 2016 mit dem Kupieren von Schweineschwänzen und dem Wegbrennen von Schnäbeln bei Legehennen."

Zwar ist, so die ISN, auch im Tierschutzplan ein entsprechender Umsetzungstermin formuliert, dieser beziehe sich aber ausschließlich auf die Erstellung und Umsetzung eines Leitfadens, der Maßnahmen zur Reduzierung des Schwanzbeißerrisikos beschreiben soll. Diesen Weg unterstüzt die ISN, weil sie ihn als verantwortungsvoll und zielführend einschätzt.

ISN: Remmel zeigt, dass es auch anders geht

Dass es auch anders geht - mit statt ohne Landwirte - beweist nach Ansicht der ISN LandwirtschaftsministerJohannes Remmel in NRW. Der habe sich zusammen mit den dortigen landwirtschaftlichen Organisationen auf ein gemeinsames mehrstufiges Vorgehen geeinigt - mit klarem Ziel, aber noch offenem Verlauf entsprechend der Erkenntnislage.   
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