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ISN: Schweinehaltung ist Gratwanderung

von , am
28.02.2012

Osnabrück - Die Zukunft der Schweineproduktion in Deutschland - das war die zentrale Thema der Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN).

Die Schweinehaltung in Deutschland sieht sich mit immer mehr Anforderungen konfrontiert: mehr Tierwohl, weniger Medikamente, höchste Qualität, am besten keine neuen Ställe mehr und dazu muss so günstig wie möglich produziert werden, denn im Export zählt der Weltmarktpreis. Wie Schweinehalter da ihren Weg finden können, wurde bei der ISN diskutiert. Die Sorge um die zunehmenden Anforderungen und die mangelnde Wirtschaftlichkeit hierzulande zog sich auch als roter Faden durch die Jahresberichte des Vorsitzenden Heinrich Dierkes und des Geschäftsführers Dr. Torsten Staack.
 
Die Kurve der Schweinefleischexporte steigt in Deutschland seit Jahren an. In den vergangenen Monaten hört man jedoch auch immer wieder mahnende Stimmen, die vor einer zu großen Abhängigkeit warnen. Tönnies Fleisch exportiert mittlerweile zum Beispiel die Hälfte seiner Produktion, wie Geschäftsführer Josef Tillmann in Osnabrück informierte. Das Vordringen in neue Märkte erfordere jedoch eine intensive Bearbeitung und Betreuung. Das müsse auf Erzeugerseite berücksichtigt werden, wenn eine stärkere Beteiligung an den gestiegenen Exporterlösen - die er einräumte - eingefordert werde. Außerdem müsse man im Export mit Weltmarktpreisen arbeiten. Dennoch sah er für sein Unternehmen als auch für die Schweineproduktion in Deutschland noch Potenzial für weiteres Wachstum - allerdings nicht mehr in den Veredlungsregionen und eher nur für die Mast. Stark differenzieren müsse man zwischen dem Export- und dem Inlandsmarkt. Für Letzteren spielten die Themen Tierwohl, Tiergesundheit und Umweltschutz zunehmend eine Rolle. Den einheimischen Lebensmittelhandel empfand er diesbezüglich durch wenige Personen/Gruppen unter Druck gesetzt: „Und die Politik springt auf diesen Zug auf“, so seine Meinung.  

Die Kosten steigen weiter

Der ISN-Vorsitzende Heinrich Dierkes kritisierte, dass durch höhere Anforderungen in Bezug auf die genannten Bereiche die Kosten stiegen, wodurch gerade die kleineren Betriebe aufgäben - die ja eigentlich gewollt seien. Sein ISN-Beiratskollege Carsten Spieker befürchtete ebenfalls einen Rückgang der hiesigen Ferkelerzeugung. Nach seiner Information bemühten sich derzeit zahlreiche US-Schlachthöfe um eine EU-Zulassung - man erwarte aufgrund strengerer Tierhaltungsregelungen einen Rückgang der Erzeugung hierzulande.
 
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