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Aus der Wirtschaft

ISN: Statt 'Steuerverschwendung' Absatzventile schaffen

pd/ah
am
31.08.2015

Die private Lagerhaltung von Schweinefleisch hat offenbar nicht den gewünschten Effekt auf die Schweinepreise gehabt. Im Gegenteil. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter sorgt sich.

Die Preise für viele Agrarprodukte sind zur Zeit im Keller, einige Betriebe arbeiten am Rande - oder jenseits - der Wirtschaftlichkeit. Am 7. September findet ein Sonderagrarrat statt. EU-Agrarkommissar Phil Hogan hatte im Vorfeld "einige kurzfristige und strukturelle Maßnahmen" angekündigt.
 
Schlechte Preise plagen den Schweinemarkt schon länger. Im Februar hatten Frankreich, Belgien und Dänemark die private Lagerhaltung gefordert, um den niedrigen Schweinefleischpreisen etwas entgegenzusetzen. Hogan war zunächst dagegen, gab im Frühjahr jedoch dem Druck aus einigen Mitgliedsländern nach.

Private Lagerhaltung kostet, bringt aber keinen Erfolg

Hogan wäre es damals lieber gewesen, wenn die Erzeuger das Angebot vermindert hätten. Denn die private Lagerhaltung würde den Angebotsdruck lediglich um einige Monate verschieben, das Problem aber nicht grundsätzlich lösen.
 
Vergangenen Mittwoch hat sich Hogan jetzt wieder zur privaten Lagerhaltung geäußert. Nach Angaben der ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands) bezifferte er die bisherigen Kosten für die Lagerhaltung in diesem Jahr auf 17 Millionen Euro. Die erwarteten Preissteigerungen seien jedoch nicht zustande gekommen. Zwar sei das Angebot an Schweinefleisch gesunken, da aber auch die Nachfrage gesunken sei, seien die Preissteigerungen nicht zustande gekommen.
 
Die ISN sieht sich jetzt in ihrer Prognose vom Frühjahr bestätigt. Schon damals habe man sich "massiv gegen die private Lagerhaltung ausgesprochen". Nun sei gekommen, was zu erwarten war. "Statt der notleidenden Schweinehalter haben lediglich die Kühlhausbetreiber von der besseren Auslastung ihrer Lagerkapazitäten profitiert. Derzeit werden die im Frühjahr eingelagerten Mengen wieder ausgelagert und führen zu einer zusätzlichen Belastung des Marktes mit einem entsprechenden Druck auf das Preisniveau", kritisiert die ISN.

Offener Brief: Zusätzliche Absatzventile statt Exporterstattungen

Die  ISN sorgt sich jetzt, "dass sich die wirtschaftliche Situation der Schweinehalter durch falsche staatliche Markteingriffe weiter verschlechtern wird". Deswegen hat sich die Interessenvertretung mit einem offenen Brief an Landwirtschaftsminister Christian Schmidt gewendet.
 
"Die Marktsituation für deutsche Schweinehalter ist derzeit ohne jeden Zweifel ruinös. Allerdings sind die derzeit vorliegenden Vorschläge wenig zielführend", schreibt die ISN. Überlegungen, Tierhaltungsvorgaben auf EU-Ebene zu verschärfen, um das Angebot zu reduzieren, seien kontraproduktiv.
 
Die ISN drängt auf "eine einheitliche Durchsetzung der Vorgaben durch Kontrollen 'nach deutschem Standard'". Es könne nicht sein, dass Deutschland die Vorgaben in der Praxis umsetzt, andere Länder dies jedoch zunächst nur auf dem Papier tun. Derartiges hätten deutsche Schweinehalter schon bei der Gruppenhaltung der Sauen schmerzhaft erleben müssen. Markteingriffe wie Exporterstattungen, private Lagerhaltung oder ähnliches lehnt die ISN ab.
 
Stattdessen schlägt die ISN vor, im Exportbereich zusätzliche Absatzventile für die deutsche Fleischbranche zu öffnen. Vor allem eine Beschleunigung der Verhandlungen zum Abschluss weiterer Abkommen zu Veterinärzertifikaten seien hier dringend erforderlich. "Bedenkt man, dass heutzutage aus einem Schwein bis zu 2.000 verschiedene Artikel hergestellt werden, wird klar, welche besondere Bedeutung dem Export zukommt. Es geht insbesondere darum, dass aufgrund der weltweit unterschiedlichen Konsumgewohnheiten für jedes Teilstück eine passende Absatzmöglichkeit gefunden werden kann. Eine sinnvolle und ganzheitliche Verwertung des Nutztiers Schwein ist im Sinne der Nachhaltigkeit vor allem wirtschaftlich und ethisch unerlässlich", erklärt die ISN.

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