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Umfrageergebnis

ISN-Umfrageergebnis: 50 Prozent der Sauenhalter steigen aus

Ferkel in Abferkelbucht
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Martina Hungerkamp, agrarheute
am
21.08.2018

Die Ergebnisse der heute von der ISN vorgestellten Umfrage sind erschreckend: Demnach wollen über 50 Prozent der Sauenhalter in den nächsten zehn Jahren aussteigen.

Die ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands) hat gefragt, wie es um die Ferkelerzeugung in Deutschland steht. Insgesamt haben sich 645 Sauenhalter an der Umfrage beteiligt, die im Mittel 379 Sauen halten. In Summe geht es um über 245.000 Sauen – also um 13 Prozent des deutschen Sauenbestandes.

Der Löwenanteil der Betriebe kommt aus Niedersachsen (239 Betriebe) und Nordrhein-Westfalen (190 Betriebe). Aber auch aus dem Süden der Republik sind 148 Betriebe dabei.

Mehr als die Hälfte der Sauenhalter wollen aufgeben.

Umfrageergebnis-ISN

52,1 Prozent der Sauenhalter denken darüber nach, in den nächsten 10 Jahren die Ferkelerzeugung aufgeben. Bei 16,6 Prozent der Betriebe ist der Ausstieg bereits in den nächsten zwei Jahren geplant. Noch drastischer sind die Zahlen aus den südlichen Bundesländern, dort will fast jeder dritte Sauenhalter innerhalb von zwei Jahren aufgeben.

Erwartungsgemäß ist eine klare Abhängigkeit zwischen Betriebsgröße und Ausstiegsquote zu erkennen. So wollen fast 85 Prozent der Betriebe unter 150 Sauen Ihre Tiere abschaffen – 38,2 Prozent, also deutlich über ein Drittel schon in den kommenden 2 Jahren.

Auf der anderen Seite beabsichtigen vier Fünftel (75,9 Prozent) der Sauenhalter mit 600 und mehr Sauen auch zukünftig Ferkel zu erzeugen. Viele der teilnehmenden Kombibetriebe werden zwar ihre Sauenhaltung aufgeben, aber weiterhin Mast­schweine halten.

Angesichts der Tatsache, dass die an der Umfrage beteiligten Betriebe deutlich größer sind als der Bundesdurchschnitt, ist davon auszugehen, dass die Aufgaberate in der Ferkelerzeugung deutschlandweit noch deutlich höher sein wird, als hier dargestellt.

Summe der Auflagen zermürbt die Sauenhalter

Gründe für Ausstieg

Die Gründe für den beabsichtigten Ausstieg aus der Ferkelerzeugung sind vielfältig:

  • 73,5 Prozent geben an, dass die Summe der Auflagen Ursache für den Ausstieg sind.
  • Danach nennt rund die Hälfte der Befragten mindestens eine der in der politischen Diskussion stehenden Vorgaben für die Ferkelerzeuger: Abferkelung, Kastration und Vorgaben zum Kupieren.
  • Es folgen die „fehlende Perspektive“ (50,3 Prozent) und die „gesellschaftliche Stimmung“ (47,9 Prozent).
  • Ökonomische Gründe wurden nur zu 22,3 Prozent genannt.  

Wenige Sauenhalter wollen investieren

Lediglich 12 Prozent der befragten Betriebe gaben an, in den kommenden zehn Jahren die Sauenhaltung im Betrieb ausbauen zu wollen. Auch hier sind es eher die größeren Betriebe, die dazu noch gewillt sind.

Beabsichtigte Investitionen in die Sauen beziehungsweise in die Schweinehaltung sind im überwiegenden Teil in zwei Bereichen geplant:

  • notwendig werdende Anpassungsmaßnahmen im Deckzentrum und im Abferkelbereich bei jeweils etwa 16 Prozent der Betriebe.
  • Investitionen in die Schweinemast von 15,5 Prozent der Befragten. Es findet also eine Verlagerung von der Ferkelerzeugung zur Schweinemast statt.

ISN fordert Planungssicherheit und Perspektive

Laut ISN bricht die Sauenhaltung in Deutschland weg. Ein erheblicher Teil habe bereits aufgegeben - in den nächsten zehn Jahren werden wohl nochmal mehr als die Hälfte der übrigen Sauenhalter diesen Weg gehen.

Noch dramatischer sieht die ISN die Investitionsbereitschaft in der Sauenhaltung von nur 12 Prozent. 88 Prozent der heutigen Ferkelerzeuger planen in den nächsten 10 Jahren nicht mehr in die Sauenhaltung zu investieren. Sie leiden unter der fehlenden Planungssicherheit und Perspektive. 

Laut ISN steuert Deutschland so auf dramatisch steigende Ferkelimporte zu, befeuert durch unterschiedliche Vorgaben und einer damit verbundenen Wettbewerbsverzerrung. 

Die ISN fordert praktikable Lösungen in den brennenden K-Fragen (Kastration, Kastenstand, Kupierverzicht). Bund und Länder müssten sich endlich einigen. Denn die deutschen Schweinehalter werden es nicht durchhalten, hierzulande ab 2019 zu deutlich höheren Standards produzieren zu müssen, während ihre Berufskollegen aus den Nachbarstaaten der EU mit niedrigeren Standards nach Deutschland liefern.

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