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Münster

ISN: Ursula Heinen-Esser spricht zu Schweinehaltern

Ursula Heinen-Essert und Heinrich Dierkes
am Dienstag, 19.02.2019 - 13:41

Ursula Heinen-Esser betonte in Münster vor den Mitgliedern der ISN, dass sie wenig Chancen für den vierten Weg sieht.

Auf der Mitgliederversammlung der ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.) betonte der Vorsitzende Heinrich Dierkes, wie schwierig die Lage der Schweinehalter in Deutschland derzeit sei.

"Wenn das, was heute die Grundlage meiner Produktion ist, morgen auf einmal so nicht mehr möglich ist, dann ist das keine gute Grundlage für eine Investitionsentscheidung eines landwirtschaftlichen Betriebs." Dessen künftiges Wohl oder Wehe hänge aber eben von so einer Entscheidung ab, führte der Schweinehalter weiter aus. 

Zahl der Mäster und Sauenhalter in Deutschland sinkt rapide

Das Ergebnis dieser Unsicherheit sei bereits sichtbar: Innerhalb von zehn Jahren haben mehr als zwei Drittel der Sauenhalter ihre Produktion aufgegeben. In den nächsten Jahren könnten es noch einmal 50 Prozent sein. Bei den Schweinemästern sieht es nicht besser aus. Dort überlegt fast ein Drittel, aus der Schweinemast auszusteigen.

Heinrich Dierkes ärgert sich angesichts solcher Zahlen über die mangelnde Unterstützung aus den Landwirtschaftsministerien. Die Zielkonflikte zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz seien Fakt und keine fake news. 

Er fordert deshalb die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze und den Bundesinnenminister Horst Seehofer auf, gemeinsam Lösungen zu finden und zu einem verständlichen Gesamtkonzept für Tierschutz, Umweltschutz, die Verbraucher und natürlich für die Bauern zu kommen.

Ferkelkastration bleibt Reizthema

An Ursula Heinen-Esser stellte Heinrich Dierkes dann auch die Frage, wie die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen die Zielkonflikte zwischen Tier- und Umweltschutz angehen will. Die Ministerin blieb in ihren Aussagen vage.

Sehr deutlich wurde sie beim Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration der Ferkel: Es sei für sie von Beginn an ein sehr schwieriges Thema gewesen. In den fünf Jahren nach dem Beschluss sei faktisch nichts passiert. Das hätte nicht an den Schweinehaltern gelegen, sondern auch an der Politik. Diese habe die Rahmenbedingungen nicht entsprechend gesetzt. 

Eine erneute Verlängerung schloss Ursula Heinen-Essert definitv aus. Außerdem sei Lidocain oder Procain kein gangbarer Weg, da es um die vollständige Schmerzausschaltung gehe. Für eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes sieht sie keine politische Mehrheit.

Nichts kaputt reden bei der Ferkelkastration

Bei der Methode mit Isofluran gehe es laut der Ministerin jetzt darum, die Fragen zur Arbeitssicherheit soweit zu klären, dass es ohne negative Folgen für die Schweinehalter eingesetzt werden kann. 

Heinrich Dierkes wandte sich in der Diskussion nochmal mit deutlichen Worten an die Schweinehalter. "Wir haben schon viel zu viel kaputt geredet. Lasst uns nicht noch die wenigen Wege, die wir haben, kaputt reden."

Natürlich fänden sich für jede Methode Nachteile. Aber auch er denkt, dass der vierte Weg kurzfristig keine Zulassung findet. Zum Beispiel würden für die derzeit laufenden Studien zur lokalen Betäubung erst nach 2020 Ergebnisse vorgelegt.