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Magdeburger Urteil

Kastenstand-Urteil: Hessen geht neue Wege

Sauen in Gruppenhaltung im Deckzentrum
Martina Hungerkamp, dlz agrarmagazin
am
01.02.2017

Aus dem hessischen Agrarministerium gibt es neue Signale zum Magdeburger Urteil. Favorisiert wird eine Gruppenhaltung mit kurzfristiger Fixierung der Sauen in der Rausche.

„Wir haben Zeit gewonnen, um für eine bundeseinheitliche Lösung zu werben“, so lautete die wichtigste Botschaft von Dr. Jörg Bauer, LLH. Auf einer Tagung in Hessen berichtete er über die neusten Entwicklungen aus dem Hessischen Agrarministerium bezüglich des „Magdeburger Urteils“.

In Hessen gilt derzeit ein Erlass. Dieser besagt, dass Schweinehalter sechs bis maximal zwölf Monate Zeit haben, um ein Konzept für ihre Ställe nach Auflage des Magdeburger Urteils vorzulegen. Das Problem sei laut Jörg Bauer, dass es sich um ein Urteil zu einem bestehenden Gesetz und nicht um eine Gesetzesänderung handle. Deshalb ist die unverzügliche Umsetzung ohne Übergangsfristen rechtens. Der Bund ist jetzt in der Pflicht, die Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung anzupassen. Dann wären auch einheitliche Übergangsfristen möglich. Sollte dies nicht passieren, gelten betriebsindividuelle Umbaufristen, die mit dem jeweiligen Veterinäramt vereinbart werden müssen.

Dabei beginnt der 6-Monats-Zeitraum aber erst mit dem ersten Vor-Ort-Besuch oder mit der schriftlichen Aufforderung des zuständigen Veterinäramts. In dieser Zeit müsse man als Landwirt reagieren, ein Konzept vorlegen und dies auch begründen. Es heißt nicht – wie mancherorts zu lesen war – dass man in den 6 Monaten umgebaut haben muss!

Kurzfristige Fixierung während der Rausche

Für das Halten der Sauen im Besamungszentrum zeichnet sich eine zu favorisierende Lösung ab: „Unser Ziel sollte die Gruppenhaltung sein, bei der die Sauen nur einige Tage um die Rauschen herum fixiert sind“, sagt Jörg Bauer. Denn die Einzelhaltung in OVG-konformen Kastenständen benötigt definitiv mehr Platz und ist – nach Meinung vieler Experten – tierschutzwidrig. Die Sauen könnten sich eventuell drehen, beziehungsweise einklemmen und verletzen.

Erfreulich sei folgendes Signal aus dem hessischen Ministerium: Demnach wären im Deckstall eine Breite von 70 cm lichtes Maß, beziehungsweise 65 cm für kleine Sauen und Jungsauen, für einen so genannten Rausche-Beobachtungs- und Besamungsstand (RBB) weiter erlaubt, wenn die Sauen darin nur wenige Tage rund um die Rausche fixiert würden.

Das Haltungssystem ist dann nicht mehr die Einzelhaltung sondern die Gruppenhaltung mit kurzfristiger Fixierung.

Bundeseinheitliche Lösung muss her

Laut der Landestierschutzbeauftragen Frau Dr. Madeleine Martin gelte: „Da die Sauen in diesem Zeitraum deutlich unruhiger sind als sonst während des Zyklus, sind die heute üblichen Maße der Stände akzeptabel, um ein Umdrehen der Tiere zu verhindern.“

So der jetzige Stand der Dinge. Was endgültig kommt, könne laut Jörg Bauer niemand sagen. Auch wenn die hessische Lösung wohl derzeit auf Bundesebene diskutiert werde. Eine bundeseinheitliche Lösung muss das Ziel sein.

"Wir brauchen Rechtssicherheit!"

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