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Bundesregierung

Kastration unter lokaler Betäubung erfordert rechtliche Änderung

Kastration eines Ferkels
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Martina Hungerkamp, agrarheute
am
25.05.2018

Die Bundesregierung betrachtet die Ferkelkastration unter Lokalanästhesie weiterhin grundsätzlich als eine mögliche Alternative. Allerdings weist sie auf die bislang fehlende rechtliche Grundlage hin.

In der Kastration von Ferkeln unter örtlicher Betäubung sieht die Bundesregierung nach wie vor eine mögliche Alternative zu der Jungebermast, der Immunokastration und der Kastration unter Vollnarkose.

In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion weist sie allerdings zugleich auf die bislang fehlende rechtliche Grundlage hin.

Voraussetzung: Wirksame Schmerzausschaltung

Denn Voraussetzung für die Rechtskonformität der chirurgischen Ferkelkastration unter Lokalanästhesie ab dem 1. Januar 2019 sei das Erreichen einer wirksamen Ausschaltung des Schmerzes. Nach den bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien werde das weder mit Procain noch mit Lidocain erreicht. 

Das Verfahren erfülle laut Bundesregierung damit bislang nicht die Vorgaben des Tierschutzgesetzes. Das sei unabhängig davon, ob ein Tierarzt oder ein Tierhalter die Betäubung vornehme. 

Änderung des Tierschutzgesetzes erforderlich

Zunächst sei deshalb eine Änderung des Tierschutzgesetzes erforderlich, mit der von der Anforderung der Schmerzausschaltung bei der chirurgischen Ferkelkastration abgerückt werde.

Zudem bedürfe es einer neuen Rechtsverordnung, damit die Durchführung der Lokalanästhesie durch geschulte, sachkundige Tierhalter wie in Schweden oder Dänemark möglich wird. 

Schließlich sei laut Bundesregierung zu berücksichtigen, dass es bislang für die Tierart Schwein kein zugelassenes Tierarzneimittel mit dem Wirkstoff Lidocain gebe. Die Anwendung bei der Ferkelkastration sei deshalb nur im Rahmen einer arzneimittelrechtlichen Umwidmung unter Einhaltung der im Arzneimittelgesetz geregelten Vorgaben zulässig.

Mit Material von AgE
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