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Tierwohl

Kein Vertrauen mehr zur ITW: Ein Schweinehalter nennt die Gründe

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am Montag, 16.08.2021 - 07:00 (1 Kommentar)

Schweinehalter äußern scharfe Kritik an der ITW. Jetzt kam es zum Gespräch. agrarheute sprach mit Landwirt Enno Garbarde exklusiv über Inhalt und Ergebnisse.

„Wir Schweinehalter sind in Vorleistung gegangen, jetzt müssen ITW, Verarbeiter und LEH dringend nachziehen, damit wir wieder vertrauen können“, sagt Enno Garbade, Vorsitzender des Arbeitskreises der Sauenhalter beim Landvolk Niedersachsen.

Aufgrund der Kritik von vielen nordwestdeutschen Schweinehaltern aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein an die Initiative Tierwohl (ITW), trafen sich am 13. August 2021 landwirtschaftliche Vertreter mit Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer QS und Robert Römer, Geschäftsführer ITW in Münster zum Gespräch.

Bereitschaft zu mehr Tierwohl versus Vertrauensbruch

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„Das war insgesamt ein gutes Gespräch, in dem wir unsere Sorgen und Nöte nochmal deutlich machen konnten, in manchen Dingen herrschte sogar Konsens“, fasst Enno Garbade exklusiv für agrarheute zusammen.

Zum Beispiel darin, dass die ITW an sich eine gute Sache ist. Sie hat gezeigt, dass viele Landwirte bereit sind, mehr Tierwohl umzusetzen, wenn es honoriert wird.

Dem gegenüber steht jetzt der riesige Vertrauensverlust, der entstanden ist, weil nicht alle an der ITW teilnehmenden Landwirte auch für ihre Mehrleistung entlohnt würden.

300 Landwirte gehen bei ITW-Begrüßungsprämie leer aus

Zum Beispiel, wenn es um die 3.000 Euro Begrüßungsprämie geht. Eigentlich sollten diese Prämie alle erhalten, jetzt herrscht plötzlich eine Art Windhundverfahren, weil das Geld doch nicht reicht. „Bundesweit gehen 300 Betriebe leer aus, die fest mit dem Geld gerechnet haben“, sagt Garbade.

Zusammen mit der ITW müsste jetzt alles darangesetzt werden, weiter Lebensmittelhändler zu animieren, den Topf erneut zu füllen. „Ich werfe der ITW vor, dass sie gemachte Versprechungen nicht einhält. Wenn sie eine gewisse Endsumme nicht garantieren können, dann dürfen sie diese auch nicht nennen.“

Der Sauenhalter sieht darin ein echtes Kommunikationsproblem: Die ITW mache hohe Aussagen, die dann nicht eingehalten werden. „So funktioniert das nicht.“ Er frage sich auch, wie das mit dem Borchert-Plan weitergehen soll, wenn die ITW mit der Stufe 2 schon solche Probleme hat.

Bauern sind bei ITW in Vorleistung gegangen und sind jetzt enttäuscht

Ein weiterer Vertrauensbuch entstand laut Enno Garbade, weil das Versprechen nicht eingehalten werden konnte, dass jedes nach ITW-Kriterien erzeugtes Schwein auch so bezahlt werde. In der Realität klappt das nicht. „Wieder sind Bauern in Vorleistung gegangen und wieder ist es schief gegangen.“

Sowohl die ITW als auch die Sauenhalter und ihre Verbände wünschen sich für die Zukunft eine stärkere Bewerbung von ITW-Produkten beim LEH und an den Fleischtheken.

Als gemeinsames Ziel und als Aufgabe der ITW und der Schweinehalter wurde im Gespräch vereinbart, die Händler, die sich bislang noch nicht an der ITW beteiligen, mit ins Boot zu holen. „Sie fordern alle mehr Tierwohl, sie werben alle mit mehr Tierwohl, dann können sie sich nicht mehr rausreden, dann haben sie die moralische Verpflichtung sich zu beteiligen.“

Streitpunkt: QS-zertifizierte Ferkel aus dem Ausland

„Wo wir überhaupt kein Konsens gefunden haben, war das Thema QS-Zertifizierung von ausländischen Ferkeln“, sagt Enno Garbade. „Wir fordern entschieden, dass ausländische Ferkel nach deutschem Recht kastriert werden müssen.“ Laut QS und ITW könne man das mit einzelnen Kriterien nicht machen. Es brauche ein Gesamtkonzept. Der Sauenhalter ist enttäuscht, dass von Seiten der QS so wenig Empathie für die Lage der deutschen Sauenhalter und für die Brisanz des Themas vorhanden ist.

„Wir, als Verband, hatten bis heute die Hoffnung, dass es bis zum 31. Dezember diesen Jahres eine Lösung geben soll.“ Das wurde von QS nicht bestätigt. Deshalb haben die Landwirtschaftsvertreter heute die Forderung gestellt, dass es bis zum 1. Juli 2022 ein Gesamtkonzept der QS geben müsse, wie mit ausländischen Ferkel umgegangen wird, ohne das deutsche Sauenhalter im europäischen Wettbewerb benachteiligt werden.

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