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Ferkelgesundheit

Kokzidiose: Gute Hygiene und gezielt behandeln

Ferkel im Ferkelnest
Univ.-Prof. Dr. med. vet. Anja Joachim
am
19.03.2018

Eine Kokzidieninfektion ist eine der häufigsten Ursachen für Ferkeldurchfälle – oft mit tödlichen Folgen. Wie sie den Parasiten eindämmen, lesen Sie hier.

Ein Wurf neugeborener Ferkel: Auf den ersten Blick scheint alles normal zu sein. Trotzdem sieht man an den Buchtenwänden und auf dem Boden gelblichen Durchfall – ein klares Anzeichen für eine Kokzidiose. Dauert die Krankheit länger an, nehmen die Jungtiere schlecht zu und können sogar an Gewicht verlieren.

Kokzidien zerstören die Darmschleimhaut der Ferkel

Kokzidiose beim Ferkel

Kokzidien sind einzellige Parasiten und eine der häufigsten Ursachen für eine Durchfallerkrankung bei Ferkeln. Besonders anfällig sind neugeborene Ferkel in den ersten 14 Lebenstagen. Eine Kokzidiose schädigt die die Dünndarmschleimhaut, sodass die Ferkel Nährstoffe aus der Milch schlechter aufnehmen können.Ihnen fehlt es an Energie und Flüssigkeit; sie können Ihren Energiebedarf für das schnelle Wachstum nicht ausreichend decken.

Der Parasitenbefall führt bei den Jungtieren zu einer Darmentzündung, die mit dem typischen gelblichen bis grauen Durchfall einhergeht. Diese Entzündung fördert das Eindringen weiterer Bakterien in die Darmschleimhaut. Die zerstörrte Darmbarriere erleichtert das Anheften krankmachender Erreger wie Clostridien oder E.coli im Gewebe.

Eine solche Sekundärinfektion kann den Durchfall noch verstärken. Wenn sich Clostridien an der Darmschleimhaut anheften, können die Giftstoffe durch den entzündeten Darm in den gesamten Organismus gelangen – es droht der Tod der Ferkel innerhalb von ein bis zwei Tagen.

Kokzidien in der Abferkelbucht bekämpfen

Die Abferkelbucht bietet Kokzidien optimale Lebensbedingungen. Sie benötigen Temperaturen von 20 bis 30 °C und ausreichend Feuchtigkeit um Dauerstadien, die Oozysten, zu bilden. Das ist in der Abferkelbucht stets gegeben. Schon kleine Pfützen können ausreichen, dass die Oozysten das infektiöse Stadium erreichen. Um dem Parasiten im Abferkelstall trotzdem einzudämmen sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Alle Oberflächen sollten möglichst vor dem Einstallen der Tiere vollständig abtrocknen, um dem Parasiten lebensfeindliche Bedingungen zu schaffen.

 

  • Der Erregerdruck muss mit einer strikten Hygiene eingedämmt werden. Regelmäßige Reinigung und Desinfektion gehört ebenso dazu wie das Tragen von Überschuhen in betroffenen Buchten.

 

  • Geräte, die in betroffenen Buchten benutzt wurden, müssen nach dem gebrauch gereinigt und desinfiziert werden. Nur so kann ein verschleppen der Erreger in andere Würfe verhindert werden.

Gegen Kokzidiose gezielt behandeln

In der Haltungsumwelt lassen sich Kokzidien nur begrenzt bekämpfen. Daher müssen Ferkel bei einer nachgewiesenen Kokzidieninfektion zusätzlich gezielt behandelt werden. Derzeit ist Toltrazuril der einzige Wirkstoff gegen Kokzidien bei Saugferkeln. Zusätzlich muss aber auch auf eine gute Kolostrumversorgung geachtet werden. Diese stärkt das Abwehrsystem in der Darmschleimhaut.

Ein Medikament erfasst jedoch nur die im Darm lebenden Parasiten. Die Umweltstadien müssen gleichzeitig mit einem guten Hygienemanagement eingedämmt werden.

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