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Zucht

Kommentar: Schwarze Schafe liefern Branche ans Messer

von , am
11.12.2013

Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins, macht sich Gedanken über den Bericht in Report Mainz zu brutalen Ferkeltötungen. Solche Betriebe, brächten den ganzen Berufsstand in Misskredit.

Ein Kommentar von Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmgazins. © Archiv
Report hat wieder zugeschlagen. Und die Steilvorlage kommt aus den eigenen Reihen, glaubt man den Journalisten und Tieraktivisten, die dem Fernsehpublikum gestern Abend Bilder abstoßendster Natur präsentiert haben. Da schlagen Mitarbeiter Sauen haltender Betriebe reihenweise Ferkel tot, und liefern so das Totschlagargument gegen jeglichen Versuch herauszustellen, dass die Mehrheit unserer Tierhalter absolut verantwortungsbewusst handelt.

Ganz egal, woher die Bilder stammen, und ganz egal, dass die Fachwelt weiß, es gibt Alternativen überzählige Ferkel durchzubringen und es gibt die Notwendigkeit, nicht überlebensfähigen Tiere aus Tierschutzgründen unnötiges Leiden zu ersparen; die Bilder erreichen eines: Dass die breite Bevölkerung der Haltung von Nutztieren, gerade von Schweinen, immer skeptischer gegenüber steht. Da mühen sich zahlreiche Initiativen landauf landab darum, Transparenz zu schaffen – auf den Höfen und in den Ställen, aber auch in sozialen Netzwerken wie Facebook. Alles toll, alles richtig und wichtig. Aber was nützt das alles, wenn solche Bilder in die Wohnzimmer schwappen?

Sicher: Die Frage, woher die Bilder stammen, die Report ausgestrahlt hat, muss gestellt werden; es muss auch gefragt werden, auf welche Weise sie entstanden sind - ob rechtlich zulässig oder durch unrechtmäßiges Eindringen in die Betriebe. Auch die Frage, ob der fragliche Betrieb seine Mitarbeiter auf Tierschutz konformes Verhalten verpflichtet hat und sie sich nicht darum scheren, muss geklärt werden. Aber im Grunde sind beide Fragen nachrangig. Denn: Irgendwo in Deutschland sind die Aufnahmen entstanden. Was nichts anderes bedeutet: Ja, irgendwo in Deutschland gibt es Betriebe, in denen der Tierschutz nicht so ernst genommen wird, was noch sehr zurückhaltend ausgedrückt ist. Zutreffender ist: In solchen Betrieben wird eklatant gegen den Tierschutz sowie moralische und ethische Grundsätze verstoßen. Zutreffend ist auch: Wer diese Verstöße zu verantworten hat, schert sich einen Dreck darum, welche Katastrophe er damit heraufbeschwört und trägt mit dazu bei, eine ganze Branche ans Messer von Politik und Gesellschaft zu liefern.

Es ist höchste Zeit, dass die Landwirtschaft selbst Hand anlegt und solche Zeitgenossen unmissverständlich zurechtstößt! Die so genannten schwarzen Schafe, ob Betriebe als Ganzes oder Einzelpersonen, sind längst keine solchen mehr. Sie sind Bestien, die mit dafür sorgen, dass anderen die Existenzgrundlage entzogen werden könnte - weil Verbraucher keine Lust mehr auf ihre Produkte haben oder weil die Politik auf öffentlichen Druck hin sie immer weiter reglementiert, wahrscheinlicher sogar beides. Die Landwirtschaft muss sich trauen, diese Bestien zu bändigen. Den Zusammenhalt in der Branche nicht aufs Spiel zu setzen, ist dabei keinesfalls ein Argument, davon die Finger zu lassen. Denn: Hat, wer Anlässe liefert, einen ganzen Berufsstand in Misskredit zu bringen, sich nicht bereits von der berufsständischen Solidarität verabschiedet? Das Bild, das Landwirtschaft in der Öffentlichkeit abgibt, geht jeden an! Wer es gefährdet, der hat sich längst aus dieser Solidarität verabschiedet und verdient sie daher auch nicht mehr.
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