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Krise am Schweinemarkt: Großbritannien will Schweinepreis stützen

Sau im Freiland
am Dienstag, 19.10.2021 - 10:44 (1 Kommentar)

Was Brüssel nicht schafft, plant London: Staatliche Eingriffe in den Schweinemarkt, um die Preiskrise zu lindern.

Die britische Regierung hat ein Hilfspaket für Schweinehalter angekündigt. Unter anderem will London Zuschüsse zur privaten Lagerhaltung (PLH) von Schweinefleisch einführen – ein Schritt, den Brüssel verweigert, obwohl 19 EU-Mitgliedstaaten die EU-Kommission erst vorige Woche dringend um Stützmaßnahmen für den Schweinefleischmarkt gebeten hatten.

In Großbritannien sollen Fleischverarbeiter Zuschüsse bekommen, wenn sie geschlachtete Schweine drei bis sechs Monate einlagern. Details der Beihilferegelung sollen in Kürze bekanntgegeben werden. Außerdem will die Regierung Schlachtungen auch an Samstagen erlauben und längere Arbeitstage zulassen, um den Schweinestau abzubauen.

Befristete Visa für Schlachthofmitarbeiter

Vertreter der britischen Landwirtschaft haben auf das Hilfspaket der Londoner Regierung mit Erleichterung reagiert. Die Maßnahmen der Regierung sehen unter anderem 800 befristete Visa für ausländische Schlachter vor. Die Kräfte vom Festland sollen helfen, die durch Arbeitskräftemangel verursachten Probleme in der Lebensmittelkette zu lösen.

Die Visa können bis zum 31. Dezember beantragt werden. Die Schlachthofmitarbeiter dürfen für bis zu sechs Monate in das Vereinigte Königreich reisen und dort in den Schlachthöfen arbeiten. Die Regierung stellte aber klar, dass dies „keine langfristige Lösung“ sei. Die Unternehmen sollten in einheimische Arbeitskräfte investieren anstatt sich auf ausländische Arbeiter zu verlassen.

Abgabe für die Absatzförderung wird ausgesetzt

Darüber hinaus kündigten die britische Absatzförderungsorganisation für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) und die schottischen Absatzförderorganisation QMS an, im November die Abgabe der Schweinehalter und -erzeuger auszusetzen. Das bringt dem Sektor dem britischen Schweineverband (NPA) zufolge Einsparungen von umgerechnet knapp 1,2 Mio Euro.

Der NPA begrüßte die Maßnahmen, mahnte aber, dass die Lage auf den Höfen gleichwohl angespannt bleibe. „Wir sind sehr erleichtert, dass die Regierung endlich Maßnahmen ergriffen hat, um den erheblichen Rückstau an Schweinen in den Betrieben abzubauen“, erklärte NPA-Geschäftsführerin Dr. Zoe Davies. Der Vizepräsident des britischen Bauernverbandes (NFU), Tom Bradshaw, wertete die Ankündigung als „sehr willkommene Nachricht für den Schweinesektor“. Angesichts der Schwere der Probleme auf den Betrieben sei es nun von entscheidender Bedeutung, dass diese Regelung so schnell wie möglich in Kraft trete.

Arbeitskräftemangel trifft die ganze Lebensmittelkette in Großbritannien

Bradshaw wies darauf hin, dass der Arbeitskräftemangel in der gesamten Lebensmittelkette „nach wie vor akut“ sei. Ein kontinuierliches Engagement der Regierung sei unerlässlich. Die Lebensmittelkette sei sich einig, dass befristete zwölfmonatige Visa erforderlich seien, damit der gesamte Lebensmittel- und Getränkesektor wichtige Stellen besetzen könne.

Laut Angaben des NPA mussten rund 6.600 gesunde Schweine aufgrund der Engpässe bei den Schlachtunternehmen entsorgt werden. Marktexperten hatten davor gewarnt, dass möglicherweise bis zu 150.000 Schweinen getötet werden müssten, die nicht in die Lebensmittelkette gelangen würden.

Mit Material von AgE
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