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Schweiz

Landwirt kastriert 2.000 Ferkel ohne Narkose

Ferkel im Stall
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Amelie Grabmeier, agrarheute
am
20.02.2019

Ein Schweinehalter aus Thurgau hat von Dezember 2014 bis Januar 2016 rund 2.000 Ferkel ohne Narkose kastriert. Das Veterinäramt verhängte Sanktionen. Der Landwirt klagte dagegen – jedoch ohne Erfolg. Das Schweizer Bundesgericht lehnte seine Beschwerde ab.

Am 6. Januar 2016 führte das Veterinäramt eine Kontrolle bei einem schweinehaltenden Betrieb im Kanton Thurgau in der Schweiz durch. „Dabei stellten wir verschiedene Verstöße gegen das Tierschutzgesetz fest“, sagte der Kantonstierarzt Dr. Paul Witzig auf Anfrage von agrarheute.

Von Dezember 2014 bis Januar 2016 seien von den rund 2.600 kastrierten Ferkeln circa 2.000 ohne ausreichende Anästhesie kastriert worden. Der Landwirt habe die Kastration zudem einer Mitarbeiterin überlassen, die nicht dazu berechtigt war.

Das Veterinäramt verhängte Sanktionen und ordnete an, dass die Kastrationen zukünftig durch den Landwirt oder eine dazu berechtigte Person durchzuführen seien. Der Schweinehalter klagte beim Verwaltungs- und Bundesgericht dagegen – ohne Erfolg.

Landwirt nutzte Narkosegerät selten

Um die Zahl der ohne Betäubung kastrierten Ferkel zu bestimmen, stützten sich die Richter auf einen Zähler am Narkosegerät. Der Betrieb verwendete die „MS Pigsleeper Combi“ von Schippers. Der Zähler zeigte weniger als ein Viertel der tatsächlich durchgeführten Kastrationen an, schrieb das Gericht in seinem Urteil vom 29. Januar 2019.

Der Hersteller des Geräts gibt eine Anflutungszeit für Isofluran von 90 Sekunden vor, sagte Paul Witzig. Nur wenn diese Zeit eingehalten werde, zähle das Gerät die Kastration. Der Landwirt behauptete, dass er die Kastrationen bereits nach 70 Sekunden durchgeführt hat, weshalb sie nicht gezählt wurden“, sagte der Arzt. Der Schweinehalter konnte deshalb vor Gericht nicht beweisen, dass er die Kastrationen unter Narkose durchgeführt hat. 

Tote Maus in Ferkelbox

Das Narkosegerät sei so verschmutzt gewesen, dass das Display erst gereinigt werden musste. Zudem habe das Veterinäramt in den Behältern, in denen die Ferkel vor und nach der Kastration aufbewahrt wurden, Kartonteile und eine tote Maus gefunden.

Den betroffenen Landwirt erwarten nun Gerichtskosten in Höhe von 2.000 Schweizer Franken, was umgerechnet rund 1.900 Euro sind. Zudem hat der Kanton Thurgau straf- und verwaltungsrechtliche Sanktionen angekündigt.

Mit Material von Bundesgericht Schweiz und Veterinäramt Thurgau
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