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Afrikanische Schweinepest

Lidl-Rohwurst aus Polen: Verband warnt vor Panikmache

Aufgeschnittene Salami
© aboikis/AdobeStock
Redaktion agrarheute
am
20.02.2018

Lidl verkauft Rohwurst aus Polen. Angesichts der ASP regt das viele deutsche Schweinehalter auf. Doch Panik könnte kontraproduktiv wirken, mahnen FLI und VDF.

Die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) macht Deutschlands Schweinehalter dünnhäutig. Denn bricht die Seuche hierzulande aus, droht nicht nur den direkt betroffenen Betrieben ein Desaster. Es ist davon auszugehen, dass ein sofortiger Importstopp seitens China den hiesigen Schweinefleischmarkt in den Preiskeller fallen lässt.

Vor diesem Hintergrund ist die wütende Reaktion vieler Landwirte verständlich, als in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass Lidl mit einer Verkaufsaktion mit polnischen Rohwurstprodukten um Kunden wirbt. Schließlich können nicht durcherhitzte Schweinefleischwaren den Erreger tragen und verbreiten.

Keine Handelsrestriktionen für ASP-Länder

Die EU-Gesetzgebung sieht keine Handelsrestriktionen für ganze Länder, in denen die ASP ausgebrochen ist, vor. Ein Verbringungsverbot für Schweine und Schweinefleischprodukte gilt lediglich für die jeweils festgelegten Sperr- und Beobachtungszonen.

FLI: "Was in den Handel geht, stammt von gesunden Tieren"

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das die Entwicklung der ASP intensivst verfolgt, äußerte sich in diesem Sinne. Gegenüber dem Deutschen Jagdverband (DJV) hieß es in einer Stellungnahme: "Es gibt, wie bei allen anzeigepflichtigen Tierseuchen, strenge Auflagen bzw. Beschränkungen für die Restriktionszonen, die im Falle eines Ausbruchs eingerichtet werden. Aus diesen Gebieten kommen keine Produkte in den internationalen Handel, auch nicht zu einem Discounter. Das, was in den Handel geht, stammt von gesunden Tieren und ist nach bestem Wissen und Gewissen frei von Tierseuchen." Ganz ähnlich hatte das vor wenigen Wochen FLI-Präsident Prof. Thomas C. Mettenleiter in einem agrarheute-Interview (siehe Märzausgabe des agrarheute-Magazins) formuliert.

Und Institutssprecherin Elke Reinking konkretisierte gegenüber dpa: "Man müsste sich nur einmal vorstellen, in Norddeutschland gäbe es Fälle von Schweinepest und in der Folge dürften auch süddeutsche Betriebe nichts mehr verkaufen." 

VDF: "Panikmache könnte sich gegen die deutschen Schweinehalter wenden"

Der Verband der Deutschen Fleischwirtschaft (VDF) kritisiert die Pressereaktionen der vergangenen Woche besonders scharf: "Es wird der Eindruck erweckt, dass Schweinefleisch aus Ländern mit ASP gefährlich ist. Die Wirksamkeit der gesetzlichen ASP-Maßnahmen wird in Frage gestellt und dazu aufgerufen, Schweinefleisch aus ASP betroffenen Ländern zu ächten. Eine solche Forderung entbehrt jeglicher sachlichen Grundlage. Derartige Panikmache wird sich im Falle eines ASP-Ausbruchs in Deutschland gegen die deutschen Schweinehalter wenden." 

Biosicherheit ist der beste Schutz

Eine erhöhte Alarmbereitschaft und sorgfältigste Biosicherheit auf Betriebsebene gilt nach wie vor. Und vor allem letzteres bietet auch den besten Schutz gegen das ASP-Virus, das zwar einen hochdramatischen Krankheitsverlauf verursacht, aber –  auch das erklärte Prof. Mettenleiter im Interview – weniger ansteckend ist als die hierzulande bereits aufgetretene Klassische Schweinepest.

Mit Material von FLI, VDF, dpa

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