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Schwein

Milliardenschäden im Seuchenfall befürchtet

von , am
23.02.2010

Berlin/Damme - In den Veredlungszentren im Nordwesten Deutschlands ist im Falle von Ausbrüchen der Schweinepest mit Umsatzeinbußen und Mehrkosten in Milliardenhöhe zu rechnen.

© Romanchuck/Fotolia

Davon geht die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) aus. In einer aktuellen Analyse beziffern die Marktexperten aus Damme die in Weser-Ems und im Münsterland zu befürchtenden Einbußen für die Landwirtschaft sowie für die vor- und nachgelagerten Bereiche auf mehr als fünf Milliarden Euro, davon 2,8 Milliarden Euro im Gebiet Weser-Ems sowie 2,2 Milliarden Euro im Münsterland. Grundlage für die Annahme ist, dass beide Regionen von Ausbrüchen betroffen wären und die Erholung von den Tierseuchen rund ein Jahr dauern würde.

Dabei wird eine Absenkung der durchschnittlichen Schlachtschweineerlöse um etwa 20 Cent pro Kilogramm veranschlagt, wobei sich die ISN auf eines von mehreren von der Westfleisch entworfenen Szenarien stützt. Dadurch würden sich Mindererlöse von 416 Millionen Euro in der Region Weser-Ems sowie von 364 Millionen Euro im Münsterland ergeben. Für die Berechnungen wird ein Schlachtschweinepreis von rund 155 Euro pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht zugrundegelegt, was deutlich mehr ist als aktuell mit rund 139 Euro gezahlt wird. Vom Erlösrückgang wären alle Landwirte unabhängig davon betroffen, ob sich auf ihren Höfen Tiere mit der Krankheit ansteckten. Auf direkt betroffene Mäster und Ferkelerzeuger kämen aber ungleich höhere Ausfälle zu.

Exporteinbußen

Die Auslandsmärkte haben gerade in den vergangenen zwei bis drei Jahren für die deutschen Schweinemäster zunehmende Bedeutung erlangt. Westfleisch und Tönnies erreichen laut dem ISN-Bericht mittlerweile eine Exportquote von 50 Prozent. Diese Ware müsste im Falle eines Seuchenzugs zumindest vorübergehend auf anderen Märkten untergebracht werden.

Laut Schätzungen des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) hat sich der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch in Deutschland im vergangenen Jahr auf 108 Prozent erhöht. Die Nettoerzeugung nahm gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent auf mehr als 56 Millionen Schweine zu. Für 2010 wird mit einem weiteren Anstieg auf bundesweit insgesamt 57,75 Millionen Schweineschlachtungen gerechnet.

Warnung vor Wildschweinen

Aufgrund der größer gewordenen Wildschweinepopulation fürchtet man in der Landwirtschaft ein erhöhtes Einschleppungsrisiko. Wiederholt hat die ISN die konsequente Einhaltung von Abschussplänen gefordert. Eine wesentliche Ursache für die große Wildschweinpopulation sieht die Interessengemeinschaft im Boom beim Bau von Biogasanlagen und dem einhergehenden Maisbedarf.

Befürchtungen aufgrund des starken Wildschweinevorkommens hegt auch der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV). Dieser hatte im vergangenen Herbst bei Bekanntgabe der Rekord-Jagdstrecke von 640.000 Wildschweinen im Jagdjahr 2008/09 erklärt, die Zahlen seien zwar erfreulich, doch die Zielgröße von zwei Wildschweinen je 100 Hektar werde in den meisten Gebieten weiter überschritten. (AgE)

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