Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Afrikanische Schweinepest

NABU will Rückbau von ASP-Zäunen – Tierhalter an Ausbreitung schuld

Weil die Schutzzäune zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) ihre Wirkung verfehlten und die Schweinehalter an der Ausbreitung des Virus selbst schuld seien, fordert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) den sofortigen Rückbau der Zäune.
am Freitag, 02.09.2022 - 11:58 (1 Kommentar)

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) setzt sich für einen Rückbau der Schutzzäune gegen die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) durch Wildschweine ein. Für die ASP-Fälle in Hausschweinbeständen seien die Menschen beziehungsweise die Tierhalter verantwortlich.

Nach Ansicht der Naturschutzorganisation seien die Schutzzäune für ihren eigentlichen Zweck wirkungslos. Einen Effekt gebe es nur für Wildtiere, für die die ASP-Zäune ökologische Barrieren darstellten.

Daher fordert der Nabu einen sofortigen Rückbau der großräumigen und langfristig angelegten Zäunungen. Für die Bekämpfung der ASP müsse eine wissenschaftliche Lösung gefunden werden. Aktuelle bestehe die Lösung aus Sicht der Organisation in der Früherkennung und in Kontrollen zur Einhaltung der Hygieneverordnung in den Betrieben. Denn für die Ausbreitung der ASP sei nicht das Wildschwein, sondern der Mensch schuld.

Bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) stößt die Forderung des Nabu auf Unverständnis.

Nabu: Betriebe müssen Biosicherheit einhalten

Der Nabu bezieht sich vor allem auf die 1.000 Kilometer langen ASP-Zäune, die seit 2020 entlang der Oder und Neiße errichtet wurden und auf mehrere Jahre angelegt seien. Schon seit 2014, als die ASP im baltischen Raum sowie in Tschechien und Polen auftrat, herrsche in der deutschen Landwirtschaft Unruhe, weil es seither Rückschläge beim „Exporthandel mit billigem Schweinefleisch“ gegeben habe.

Wegen erheblicher Schäden für Natur, Tier und Artenvielfalt seien die Zäune als Bekämpfungsmaßnahme nicht verhältnismäßig. „Das Wildschwein darf nicht länger Sündenbock für eine einseitige Agrarpolitik sein“, argumentiert der Nabu.

Stattdessen müssten in den Veterinärämtern die Kapazitäten erhöht und dabei der Fokus auf die menschlichen Eintrags- und Übertragungspfade gelegt werden. Unter Einhaltung der Biosicherheitsstandards spiele das Wildschwein kaum eine Rolle, schließlich gehe das Risiko fast ausschließlich vom Menschen aus. „Die Verantwortung für die seuchenhygienische Absicherung liegt vor allem bei den Betrieben, nicht bei der Allgemeinheit“, heißt es.

ISN: Nabu verdreht die Tatsachen

Für die ISN sind die Aussagen des Nabu „nicht nachvollziehbar und völlig praxisfremd“. Zwar seien die ASP-Zäune kein Allheilmittel, doch spielten sie bei der Bekämpfung der ASP eine wichtige Rolle. Die Seuchenherde bei Wildschweinen einzuzäunen, sei ein effektives Mittel, um die Ausbreitung des hochansteckenden Virus nicht nur unter Haus-, sondern auch unter Wildschweinen zu verhindern. Deshalb sei der Bau von ASP-Zäunen auch im Sinne des Tierschutzes.

„Der NABU verdreht die Tatsachen, wenn er die Allgemeinheit bei der Vermeidung der ASP-Verbreitung aus der Verantwortung entlässt“, so die ISN. Schweinehalter, Jäger, Behörden und auch die Allgemeinheit müssten an einem Strang ziehen, um die ASP zu bekämpfen. Konkret gehörten dazu neben dem strikten Einhalten von Biosicherheitsmaßnahmen auch das vermehrte Jagen von Wildschweinen und die Fallwildsuche sowie die Aufklärung der Bevölkerung.

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...