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Frei Schnauze - Special

Nadine Henke: Ferkelkastration - lasst uns konstruktiv werden!

Nadine Henke
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Martina Hungerkamp, agrarheute
am
28.02.2019
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Die Kastration der männlichen Saugferkel ist laut Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz und Provieh eine vermeidbare Amputation. Nadine Henke versteht das nicht: Wie kann ein Eingriff bei einem Ferkel tierschutzrelevant sein, während er für freilaufende Katzen aus Tierschutzgründen gefordert wird? Sie wünscht sich mehr konstruktives Handeln auf allen Seiten.

Bei der Kastration von männlichen Saugferkeln handle es sich grundsätzlich um eine vermeidbare Amputation. Die Unversehrtheit der männlichen Saugferkel solle das oberste Ziel sein. Mit der Ebermast mit und ohne Immunokastration würden praktikable und tierschutzgerechte Alternativen zur Verfügung stehen.

Mit dieser Begründung lehnen die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) und PROVIEH e.V. den Referenten-Entwurf einer Verordnung zur Durchführung der Narkose mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch Landwirte beziehungsweise sachkundige Personen ab.

Tierärztin und Sauenhalterin Nadine Henke ärgert sich über diese gemeinsame Stellungnahme und kommentiert:

Kastration: Verstümmelung oder Tierschutz?

"Ich fnde es gut, dass einzelnen Verbänden die Möglichkeit gegeben wird, sich einzubringen und Verbesserungsvorschläge zu dem Referenten-Entwurf zu machen. Interessenvertreter können den Entwurf so zusammen optimal gestalten. Dazu gibt es viele Ansätze wie die Anwendersicherheit. Allerdings scheint diese konstruktive Zusammenarbeit nicht möglich zu sein und das ärgert mich maßlos.

Viele Tierschutzverbände lehnen die Kastration der Ferkel per se ab. In der gemeinsamen Pressemitteilung ist von PROVIEH zu lesen, dass „die Politik in zukunftsweisende und tiergerechte Lösungen wie die Ebermast mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch investieren muss, statt Verstümmelungen von männlichen Ferkeln mit geplanten 38 Mio. Euro Steuergeldern zu fördern."

Auf der anderen Seite fordert die TVT (und viele andere Tierschutzorganisationen) eine flächendeckende Kastration für Katzen. Was denn nun? Wenn eine Kastration von Ferkeln eine Verstümmelung ist, dann ist die Kastration von Katzen ebenfalls eine.

Fachlich mit dem Thema Ferkelkastration umgehen

Ich bin fassungslos, dass ein Tierärzteverband einen solchen Satz in einer gemeinsam veröffentlichten Stellungnahme duldet. Denn das heißt im Umkehrschluss, dass jeder Tierarzt, der Kastrationen durchführt, die Tiere verstümmelt. Bei allem gebotenen Respekt, ich erwarte einen fachlichen Umgang mit dem Thema.

Leider sind einige landwirtschaftliche Verbände nicht besser: Sie beharren auf den vierten Weg. Ich bin maßlos enttäuscht, mit welcher destruktiven Art und Weise mit diesem Verordnungsentwurf umgegangen wird. Ist den dort agierenden Verbänden nicht klar, dass Isofluran in den nächsten Jahren der einzige Weg sein wird, den die Landwirte noch gehen können, wenn sie keine Eber mästen wollen beziehungsweise diese nicht vermarktet bekommen?

Wir brauchen die Inhalationsnarkose

Und noch eins: Es ist das gute Recht der Tierärzte zu fordern, dass nur sie eine Vollnarkose durchführen dürfen. Aber dann erwarte ich von jedem Tierarzt, der das fordert - auch von den Kleintierspezialisten -, dass er ab dem 01. Januar 2021 Gewehr bei Fuß steht, um täglich in den Ferkelerzeugerbetrieben genau diese Narkosen durchzuführen. Die Schweinetierärzte alleine können und wollen das nicht leisten.

Mein Appell geht an alle Beteiligten: Lasst uns endlich konstruktiv an diesem Entwurf arbeiten! Wir brauchen die Möglichkeit der Inhalationsnarkose durch den Landwirt. Der Markt gibt es zur Zeit noch nicht her, zu 100 Prozent unkastrierte männliche Ferkel aufzunehmen. Wir müssen diese Chance wahrnehmen, wenn wir die Ferkelerzeugung in Deutschland halten wollen. Denn ansonsten exportieren wir mit den Erzeugern auch den Tierschutz, und das hilft nun wirklich keinem."

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