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Kolumne

Nadine Henke: Tierseuche - Frei Schnauze

Nadine Henke
Nadine Henke
am
09.05.2018

Sauenhalterin und Tierärztin Nadine Henke berichtet - frei Schnauze - über ihre Sicht der Dinge. Dieses Mal geht es um Hobbytierhalter und Seuchenschutz.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vergangene Woche nahm ich als Referentin an einem Workshop zum Thema „Social Media in der Landwirtschaft“ teil. Dort kam ich mit einer der Teilnehmerinnen ins Gespräch. Ich erklärte, dass ich Tierärztin sei und mit meinem Mann zusammen einen Ferkelerzeugerbetrieb führe.

Auch sie hält Schweine: Wollschweine im Freiland. Von dem Workshop erhoffte sie sich Tipps für die Vermarktung. Soweit so gut, aber was sie dann erzählte, empörte mich: Sie wohne in der Nähe eines großen Gemüsebauern. Schon häufiger habe man sie auf die Gefahr angesprochen, dass die dortigen osteuropäischen Saisonarbeitskräfte ihre Schweine mit Afrikanischer Schweinepest (ASP) anstecken könnten, indem sie die Wollschweine mit den Resten ihrer Brote oder ihrer Wurst füttern.

Auch Hobbyhalter sind für Seuchenschutz verantwortlich

Nur dafür fühlt die Hobbyhalterin sich nicht verantwortlich. Ihre lapidare Aussage: „Dagegen kann ich ja nichts tun.“ Ihr Betrieb sei ja nur ein ganz kleiner.

Ich erklärte ihr, dass es eine Schweinehaltungshygiene-Verordnung gibt. An diese habe auch sie sich zu halten und natürlich dafür Sorge zu tragen, dass ihre Tiere eben keinen Kontakt zu den Saisonarbeitskräften und deren Lebensmittel hätten. Da fiel sie aus allen Wolken.

Es erschüttert mich immer wieder, wie blauäugig Hobbyhalter mit Tierseuchen beziehungsweise Tierseuchenvorschriften umgehen. Ich bin zutiefst enttäuscht von unseren Veterinärämtern, die hier offensichtlich viel zu wenig kommunizieren, vor allem die Ernsthaftigkeit der Vorschriften erläutern und auch kontrollieren. Für diese Menschen ist es „nur“ ein Hobby, für uns ist es unsere Existenz.

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