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Aus der Wirtschaft

Niederlande: Schlachthöfe nehmen von Ebern Abstand

von , am
09.04.2015

Viele niederländische Schlachthöfe haben in den vergangenen Monaten die Basispreise von Ebern gekürzt. Auch in Deutschland liegen Tierwohl-Anspruch und Einkaufspraxis weit auseinander.

Was ist den Deutschen ihr Schwein wert? Dieser Frage wird auch beim Veredlungstag in Essenbach nachgegangen werden. © Mühlhausen/landpixel
In den Niederlanden ist nun der Exportschlachthof Gosschalk im niederländischen Epe nachgezogen und hat am 7. April seinen Abschlag je Eber von drei auf 4,50 Euro erhöht. Abgelieferte Sauen und Börge werden hingegen ab sofort mit je einem Euro Aufschlag honoriert, zitiert die ISN das niederländische Fachblatt Boerderij.
 
Das Schlachtunternehmen hat sich auf den Export spezialisiert. Gerade hier gestalte sich der Absatz von Eberfeisch zunehmend schwierig, was das Unternehmen in einem offenen Brief an die Lieferanten darlegt. Vor allem nach dem Wegfall des russischen Marktes, lasse sich Eberfleisch schlechter platzieren.

Vermarktung von Ebern: Ein Rückblick

Vion erhöhte im Oktober 2014 die Eberkürzung von 0,02 EUR/ kg SG auf 0,03 EUR. Das Schlachtunternehmen Compaxo zieht seitdem ebenfalls 4 Euro statt 3 Euro je Eber ab. Die Verwerfungen auf dem niederländischen Märkten lassen auch die deutschen Schlachter nicht kalt. In Folge der Kürzungen der niederländischen Schlachter wurden am Tönnies Standort Sögel (Weidemark) immer mehr Eber aus den Niederlanden angeliefert. Tönnies kürzte daraufhin den Basispreis für Eber von niederländischen Schweinehaltern um 0,03 EUR/kg SG. Deutsche Lieferanten sind nicht betroffen.

Eber machen nur fünf Prozent der deutschen Schlachtmenge aus

Die ISN meint: Aktuell schlachten in Deutschland nur die großen drei Schlachtunternehmen Tönnies, Vion und Westfleisch in nennenswertem Umfang Jungeber. Der Marktanteil in Deutschland dürfte dennoch bei unter fünf Prozent aller Schweineschlachtungen liegen. Insbesondere der Mittelstand hält sich zurück, da die Absatzmöglichkeiten für Eberfleisch begrenzt sind. "Obwohl der deutsche Lebensmitteleinzelhandel vollmundig Tierwohl fordert, spricht die Einkaufspraxis der Supermärkte und Discounter eine andere Sprache: In den meisten Fällen wird Fleisch von Jungebern immer noch kategorisch ausgeschlossen," zeigt sich die ISN enttäuscht.
 
Im Rahmen der ISN-Mitgliederversammlung hatte Clemens Tönnies, Geschäftsführer der Tönnies Unternehmensgruppe, betont: "Wir stehen bei der Ebermast zwar nicht auf der Bremse, weiter forcieren werden wir sie aber auch nicht. Ich will nicht der Eberkönig werden".
Der gesetzlich festgelegte Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration Ende 2018 naht. Die Landwirte haben inzwischen ihre Hausaufgaben gemacht und in der Praxis bewiesen, dass die Ebermast machbar ist, schreibt die ISN. Jetzt sind die nachgelagerten Stufen an der Reihe. 

Hofreport: Abferkelung bei der AG Ländeken

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