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Ratgeber

Nottötung von Schweinen: Das sollten Sie wissen

kankes neugeborenes Ferkel
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Anke Fritz, agrarheute
am
22.11.2017

Die Nottötung von Schweinen ist für die meisten Landwirte ein sehr sensibles Thema, lässt sich aber in bestimmten Fällen nicht umgehen. Was hierbei zu beachten ist, haben wir zusammengefasst.

In der vergangenen Woche haben wir auf agrarheute die Ergebnisse einer Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) veröffentlicht. Untersucht wurden Schweinekadaver in Tierkörperbeseitigungsanstalten (TBA), wobei zum Teil schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt wurden. Die Branche reagierte mit der Ankündigung umfänglicher Maßnahmen.

Die Studie zeigte, dass bei 20 Prozent, der an die TBA angelieferten Schweine eine Nottötung unumgänglich gewesen wäre. agrarheute beantwortet die wichtigsten Fragen zur Nottötung.

Wer darf Schweine nottöten?

kankes neugeborenes Ferkel

Laut Tierschutzgesetz dürfen Schweine nur von Personen betäubt und/oder getötet werden, die die dafür notwendigen Kenntnisse
und Fähigkeiten besitzen (§ 4 Tier- SchG). Das für den Betrieb zuständige Veterinäramt erteilt Auskunft bei der Frage, in welcher Form die Sachkunde zum Töten nachgewiesen werden muss – zum Beispiel durch eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder die Teilnahme an entsprechenden Lehrgängen, gegebenenfalls mit (amtlicher) Prüfung. Darüber hinaus sind regelmäßige Fortbildungen, wie zur Beurteilung der Tiere bezüglich der Notwendigkeit der Tötung und zur fachgerechten Durchführung (Betäubung, Tötung und jeweilige Kontrolle), unbedingt empfehlenswert.

Müssen Schweine vor der Nottötung betäubt werden?

Ja, da es sich bei der Nottötung von Schweinen im landwirtschaftlichen Betrieb um eine vorhersehbare und planbare Tötung handelt, müssen die Tiere in jedem Fall vor der Nottötung betäubt werden. Der Tod der Tiere muss eintreten, solange die Betäubung wirkt.

Saugferkel unter 5 kg: Welche Tötungsmethoden gibt es?

Bei der Nottötung von Saugferkeln wird meist der stumpfe Schlag auf den Kopf zum Betäuben angewendet. Die häufigste Methode zur Tötung ist die Entblutung. Dabei müssen die großen Gefäße in Herznähe oder am Hals durchtrennt werden, durch die das Gehirn mit Sauerstoff versorgt wird. Beim Saugferkel empfiehlt sich ein Schnitt quer zur Körperachse vom Brustbein zur Wirbelsäule unmittelbar vor den beiden ersten Rippen. Bei größeren Schweinen ist ein Bruststich erforderlich, wodurch die großen Gefäße nahe der Stelle zerstört werden, wo sie das Herz verlassen. Das austretende Blut muss in jedem Fall aufgefangen werden und darf nicht in die Gülle gelangen

 

Ferkel über 5 kg: Welche Tötungsmethoden gibt es?

Der penetrierende Bolzenschuss mit anschließender Entblutung wird zumeist nur bei größeren Tieren eingesetzt, weil die Austrittslänge des Schussbolzens von bisher handelsüblichen Geräten nicht auf kleine Saugferkel abgestimmt ist. Weitere Tötungsmethoden sind die elektrische Herzdurchströmung und die Gehirn-/Rückenmarkzerstörung. Eine Methode, die zur Zeit entwickelt wird, ist die Tötung in stickstoffgefülltem Schaum. Hier werden die Tiere durch Sauerstoffentzug erst betäubt und dann getötet.

 

Mit Material von Claudia Meier, Beratungs- und Schulungsinstitut für Tierschutz bei Transport und Schlachtung
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