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NRW will Nutztierhaltungsverordnung verschärfen

von , am
01.05.2013

Berlin - Nordrhein-Westfalen hat in der Vorwoche eine Bundesratsinitiative zur Än­derung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gestartet, über die der Bundesrat am Freitag berät.

In den Vereinigten Staaten sind seit vergangenem Jahr durch den PED-Virus 7 Millionen Ferkel verendet. © Mühlhausen/landpixel
Die Interessengemeinschaft Schweinehalter Deutschlands (ISN) sieht darin eine "Kampfansage an die Schweinebranche" und will sie mit allen Mitteln verhindern. Laut ISN werde die Initiative mit "einer leistungsmäßigen Überfor­derung der Schweine" begründet, ihrer Meinung nach gehe es jedoch weniger um das Wohl der Tiere als um den rot-grünen Bundestags- wahlkampf. Angesichts der angestrebten Verschärfungen sei es nur ein schwacher Trost, dass die Ende März im Düsseldorfer Ministerium diskutierten Leistungsobergrenzen vom Tisch scheinen.

Die wesentlichen Punkte der rot-grünen Initiative aus NRW:

  • Rund 30 Prozent (%) mehr Platz für alle Schweine, beispielsweise für Ferkel über 20 Kilo (kg): 0,45 Quadratmeter (m²), Mastschweine zwischen 50 und 110 kg: 0,95 m² und Sauen (Gruppe 6 bis 39 Tiere): 2,9 m²
  • Zugang aller Schweine zu "gesundheitlich unbedenklichem und in ausreichender Menge vorhandenem Beschäftigungsmaterial wie Stroh, Heu, Sägemehl, Pilzkompost, Torf oder eine Mischung dieser Materialien." Materialien wie Holz sollen demnach auch verwendet werden können, wenn diese "untersucht und bewegt werden können und veränderbar sind."
  • Zugang zu Raufutter oder sonstigem strukturierten, rohfaserreichen Material ab dem 8. Lebenstag für alle Schweine
  • 5 % Rohfaser im Futter aller Schweine (ausgenommen tragende Sauen, die bereits höhere Vorgaben haben)
  • Säugedauer mindestens 4 Wochen. Eine Ausnahme wird nur dann gewährt, "wenn das Absetzen nach tierärztlichem, einzeltierbezogenen Urteil zum Schutz des Muttertieres oder des Ferkels erforderlich ist."
  • generelles Verbot der mutterlosen Aufzucht
  • Mindestgewicht der Absetzferkel (jedes einzelnen) 5 kg
  • Nestbaumaterial ab eine Woche vor erwartetem Geburtstermin
  • Dokumentation der Ferkelzahlen (geborene, tot geborene, getötete, in Aufzucht verendete)
  • Dokumentation der Ferkelgewichte
  • Ferkelverluste höchstens 15 % (Saugferkelverluste + tot geborene)
  • Höchstens 20 % der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht
  • einmal jährliche Reinigung der Wasserleitungen und Tränkeeinrichtungen
  • Wasseranalysen im dreijährigen Turnus bei Eigenwasserversorgern
  • Sachkundenachweis des Tierhalters

ISN: Argumente sind realitätsfern und nicht stichhaltig

Die ISN lehnt diesen Verordnungsentwurf entschieden ab, weil die Indizien, die für eine leistungsmäßige Überforderung der Schweine angeführt werden, wissenschaftlich nicht fundiert seien. Außerdem seien die geplanten Maßnahmen nicht umsetzbar, vor allem nicht innerhalb  der geplanten Übergangsfristen.
 
Die im Verordnungsentwurf genannten Mehrkosten von 10 Euro pro Mastschwein seien laut ISN "fernab jeglicher Realität". Die Interessengemeinschaft kalkuliert die Mehrkosten für die angestrebten Änderungen auf mindestens 25 bis 30 Euro je Mastschwein. Die Erfahrungen aus dem Lebensmitteleinzelhandel zeigten jedoch, dass die Verbraucher nicht gewillt sind, derartige Mehrkosten zu tragen. Damit blieben die Tierhalter darauf sitzen, was angesichts der gerade erst gänzlich umgesetzten aktuellen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und der bereits damit verbundenen hohen Investitionen viele Schweinehalter in den Ruin treiben würde. Neben der existenziellen Bedrohung für die deutschen Familienbetriebe stünden viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sowie im vor- und nachgelagerten Bereich auf dem Spiel.

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