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Zucht

Österreich: Annäherung im Streit um Ferkelschutzkörbe

von , am
04.08.2011

Wien - Österreichische Tierschützer fordern, Ferkelschutzkörbe in der Schweinehaltung abzuschaffen. Jetzt zeichnet sich eine erste Annährung zwischen Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium ab.

In den Betrieben von Adrianus Straathof geht die Produktion momentan weiter. © Mühlhausen/landpixel
Die Landwirte wollten nicht "bremsen"; ihnen sei es aber wichtig, dass bei einer neuen Regelung Investitionen garantiert seien, berichtet Agrar-Europe. Außerdem sei es wichtig, dass die Erhaltung des heimischen Marktes gewahrt bleibe. Einer Studie zufolge müssten rund 3.000 der 9.000 österreichischen Schweinehalter bei einem sofortigen Verbot des Ferkelschutzkorbes die Produktion aufgeben. Der Selbstversorgungsgrad Österreichs mit Schweinefleisch, der derzeit bei 100 Prozent liege, würde dann "über Nacht" auf maximal 70 Prozent sinken. Deshalb wolle man sich Zeit nehmen, um eine Lösung zu finden, die lange halte.

Österreich bei Gruppenhaltung von Sauen Vorreiter

Österreich ist bei der Gruppenhaltung von Sauen bereits Vorreiter in der Europäischen Union. Die EU-Vorgaben für 2013, wonach die Zuchtsauen nach dem Absetzen der Ferkel in der Gruppe gehalten werden müssten, würden bereits jetzt zu 100 Prozent erfüllt.
 
Das Ministerium hat in diesem Frühjahr mit der Vorlage eines Änderungsentwurfs zur Tierhaltungsverordnung, der eine Minimierung der Zeit der Zuchtsauen im Kastenstand auf 20 Tage und eine Übergangsfrist für Umbauten bis zum Jahr 2020 vorsieht, für erheblichen Unmut unter den Schweinehaltern gesorgt. Diese sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Verkürzung der EU-Maximalfrist um ein Drittel 'vorstellbar'

Vorstellbar ist aus Sicht der österreichischen Landwirte eine Verkürzung der von der EU für den Ferkelschutzkorb vorgegebene Maximalfrist um ein Drittel. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fleischproduktion und Fleischvermarktung, Theresia Meier, forderte indes von den Tierschützern "mehr Ehrlichkeit". Sie wies darauf hin, dass die Abschaffung des Ferkelschutzkorbes bis zu 500.000 tote Ferkel im Jahr bedeute und auch heiße, dass Österreich viel mehr Schweinefleisch importieren müsste. Die Landwirtschaft sei weiterhin voll und ganz gesprächsbereit, wenn es gelte, noch bessere Tierhaltungssysteme zu finden. Nur müsse dies auf einer fachlich und wissenschaftlich abgesicherten Basis erfolgen, da es dabei um jeweils hohe Investitionssummen für die einzelnen Betriebe gehe.
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